The Art Of Bass! In­co­gni­to & Ran­dy Ho­pe-taylor

Gitarre & Bass - - INHALT - ema­nu­el st­an­ley

Die Lon­do­ner Acid-jazz-band In­co­gni­to wur­de 1980 von dem Gi­tar­ris­ten Je­an-paul Mau­nick und dem Bas­sis­ten Paul Wil­li­ams ge­grün­det. Das In­stru­men­tal ,Pa­ri­si­en­ne Girl‘ war ihr ers­ter im Ra­dio ge­spiel­ter Song, 1981 er­schien ih­re ers­te LP ,Jazz Funk‘. Ob­wohl da­nach gan­ze zehn Jah­re bis zur nächs­ten Pro­duk­ti­on , In­si­de Li­fe‘ ver­gin­gen, war dies der Be­ginn ei­ner lan­gen und er­folg­rei­chen Kar­rie­re, in der bis heu­te noch un­glaub­li­che 26 wei­te­re Plat­ten ver­öf­fent­licht wur­den. Ob­wohl es ein Co­ver war, mach­te der ur­sprüng­lich 1973 er­schie­ne­ne Stevie Won­der Song ,Don’t You Wor­ry Bout A Thing‘ auf dem 1992 ver­öf­fent­lich­ten Album ,Tri­bes, Vi­bes And Scri­bes‘ die Band ei­nem grö­ße­ren Pu­bli­kum be­kannt. In­co­gni­to lan­de­ten kei­ne Rie­sen­hits, er­spiel­ten sich aber durch ei­ne ste­tig ho­he mu­si­ka­li­sche Qua­li­tät im Lau­fe der Zeit ei­ne gro­ße in­ter­na­tio­na­le Fan­ge­mein­de. Die Band­mit­glie­der wech­sel­ten häu­fig, was dem Sound aber kei­nen Ab­bruch tat – In­co­gni­to ist eher ein Mu­si­ker-

kol­lek­tiv. Die Band ist bis heu­te ak­tiv, oft tritt sie als Clo­sing Act bei gro­ßen Jazz- Fes­ti­vals auf. Paul Wil­li­ams ver­ließ die Band schon bald wie­der. Er­satz fand sich mit dem her­vor­ra­gen­den Bas­sis­ten Ran­dy Ho­pe-taylor. Sein run­der Piz­zi­ca­to-stil wur­de von sei­nen Nach­fol­gern über­nom­men und prägt den Sound der Band bis heu­te. Be­spre­chen möch­te ich den Song ,Co­li­bri‘ von dem 1992 er­schie­ne­nen Album ,Tri­bes, Vi­bes and Scri­bes‘. Die Bass­li­nie ist zwei­fels­oh­ne ge­ni­al und hat die­sem Song maß­geb­lich zu sei­nem Er­folg ver­hol­fen. Oh­ne sie wä­re er nicht die Hälf­te wert. Das Be­son­de­re an die­ser Li­nie ist erst ein­mal, dass sie, ob­wohl sie sti­lis­tisch ab­so­lut nach Ran­dy Ho­pe-taylor klingt, von dem Gi­tar­ris­ten Richard Bull ge­schrie­ben wur­de, der der Band als Song­wri­ter lan­ge Zeit zur Sei­te stand. Ich konn­te lei­der nicht zwei­fels­frei klä­ren, ob sie nun von Ran­dy Ho­pe- Taylor ein­ge­spielt wur­de, oder über Tas­ten mit ei­nem Bass-samp­le. Zum Bei­spiel: In der Li­nie fin­den nur Sech­zehn­tel- und Ach­tel­no­ten Ver­wen­dung. Da­durch ent­steht ein sehr flüs­si­ges Spiel, die halb­tak­tig wech­seln­den Ak­kor­de wer­den meis­tens mit ei­ner Sech­zehn­tel vor­ge­zo­gen. Im ers­ten Takt wird nach dem vor­ge­zo­ge­nen A7-ak­kord ei­ne Pau­se ge­las­sen, die Groo­ve-wel­le geht hier nach oben und senkt sich wie­der auf den ers­ten bei­den Ach­teln des zwei­ten Tak­tes. Die Fi­gur wie­der­holt sich, mit dem Un­ter­schied, dass hier nun der E11-ak­kord des drit­ten Tak­tes durch drei Sech­zehn­tel ein­ge­lei­tet, und auch vor­ge­zo­gen wird. Im drit­ten Takt wird die Fi­gur be­weg­ter, und die Wel­le en­det erst auf der Drei-und. Der vier­te Takt bringt mit zwei Ach­teln auf der Eins wie­der mehr Ru­he, und schließt mit ei­nem Vi­bra­to auf der Vier ab, was gleich­zei­tig den An­ker­punkt für den Neu- be­ginn die­ser in­ter­es­san­ten Groo­vewel­le mar­kiert. Am An­fang des Per­cus­sion-so­los wird die Li­nie et­was aus­ge­spart, um mehr Platz zu las­sen. Die Bridge-fi­gur ist bo­den­stän­di­ger. Der Stil des ers­ten Teils bleibt er­hal­ten, aber das Riff dreht sich nun mehr um die Eins und die Drei des Tak­tes, und ver­leiht der Me­lo­die da­mit et­was mehr Bo­den­haf­tung und Ru­he. Da­für sor­gen na­tür­lich auch die Ak­kor­de, die nun ganz­tak­tig ge­spielt wer­den. Das lässt dem Bas­sis­ten mehr Raum, um Fun­da­ment in den Song zu brin­gen. Tech­nisch ist die Li­nie si­cher­lich an­spruchs­voll, denn wenn die Sech­zehn­tel nicht prä­zi­se ge­spielt wer­den, ist der gan­ze Reiz da­hin. Das heißt – Sech­zehn­tel üben! n

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