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Gitarre & Bass - - Leser Post -

GI­TAR­RE

Ich be­sit­ze ei­ne Char­vel mit un­la­ckier­tem Griff­brett, das mitt­ler­wei­le aus­sieht, als wä­re ei­ne Hor­de Wild­schwei­ne drü­ber­ge­lau­fen. Könnt ihr mir bit­te ein paar Tipps ge­ben, wie ich die­ses Griff­brett gut und vor al­lem si­cher rei­ni­gen kann? Bal­lis­tol oder Tru Oil?

Tho­mas Kruck

Ich neh­me an, dei­ne Char­vel be­sitzt ein One-pie­ce-map­le-neck bzw. ein Griff­brett aus Ahorn, al­so hel­lem Holz. Die­ses kann im Prin­zip ge­nau so ge­rei­nigt und ge­ölt wer­den, wie ein Hals mit dunk­lem Griff­brett aus Pa­li­san­der oder Eben­holz. Als Öl für das Griff­brett eig­net sich grund­sätz­lich je­des nor­ma­le Griff­bret­t­öl. Der Vor­teil der han­dels­üb­li­chen Grif­bret­töle ist, dass sie ei­ne her­vor­ra­gen­de Rei­ni­gungs­wir­kung bie­ten. Al­so Dreck und Sch­mod­der lässt sich da­mit leicht ent­fer­nen und gleich­zei­tig wird das Holz ge­schützt, oh­ne dass das Öl zu tief in das Ma­te­ri­al ein­dringt. Ge­nau die­ses aber macht Bal­lis­tol, wel­ches wie­der­um auch nicht aus­trock­net, son­dern in öli­ger Kon­sis­tenz im Holz bleibt, ähn­lich ei­nem feuch­ten Schwamm. Mit Bal­lis­tol er­tränk­te Griff­bret­ter er­schwe­ren auch spä­te­re Re­pa­ra­tu­ren, wie et­wa Neu­bun­die­run­gen u. U. ko­los­sal und kön­nen la­ckier­te Flä­chen un­ter­lau­fen und be­schä­di­gen. Ob True Oil hier ei­ne bes­se­re und si­che­re­re Emp­feh­lung ist, kann ich nicht be­ur­tei­len, da ich mit die­sem Öl kei­ne ei­ge­nen Er­fah­run­gen ge­macht ha­be. Für mei­ne Griff­bret­ter ver­wen­de ich seit mehr als 30 Jah­ren Tim­ber­ex Na­tu­ral von Wat­co. Die­ses Öl dringt tief in das Holz ein, hebt die Holz­ma­se­rung po­si­tiv her­vor, trock­net rest­los und oh­ne öli­ge Rück­stän­de kom­plett aus, schafft ei­ne was­ser­fes­te Ober­flä­che und kann spä­ter so­gar über­la­ckiert wer­den. Das ist al­so das Mit­tel der Wahl bei Be­hand­lung al­ler Höl­zer, wel­che spä­ter nicht la­ckiert wer­den sol­len, und wel­che man trotz­dem ir­gend­wie best­mög­lich „was­ser­fest“be­kom­men möch­te. Was Rei­ni­gung und Öl­be­hand­lung nicht rück­gän­gig ma­chen kön­nen, ist das na­tür­li­che „ver­grau­en“hel­ler Höl­zer durch dau­er­haf­te Feuch­tig­keit. Die­ses ist ein ganz na­tür­li­cher Vor­gang, bei wel­chem Höl­zer ei­ne Art Schutz ge­gen Ver­wit­te­rung bil­den. Die ur­sprüng­lich hel­le Far­be des Ma­te­ri­als wird un­ter zu­neh­men­der Feuch­tig­keits­be­las­tung silb­rig-grau. Es ist al­so kein Dreck in Holz­po­ren, wie oft an­ge­nom­men wird. Den Zu­stand kann man oft bei Holz­fas­sa­den von Häu­sern be­ob­ach­ten. Soll­ten sich al­so sol­che grau­en Stel­len auf dei­nem Griff­brett ge­bil­det ha­ben, sind die­se lei­der nicht mehr zu ent­fer­nen!

And­re Wal­den­mei­er

Bei mei­ner Gib­son Les Paul Std., Bj. 1979, hat sich der Lack an der Kopf­plat­te, na­tür­lich ge­nau an der Stel­le, an wel­cher die Gi­tar­re im Stän­der hängt, ab­ge­löst. Könnt Ihr mir bit­te sa­gen, mit wel­chem Lack oder evtl. Lack­stift ich die­se Stel­len aus­bes­sern kann. Zwi­schen­zeit­lich ha­be ich klei­ne Le­der­stü­cke an den ent­spre­chen­den Stel­len des Gi­tar­ren­stän­ders ge­klebt.

Chris­toph Schwei­zer Gib­son Gi­tar­ren sind mit Ni­tro­lack la­ckiert. Das ist ein Lö­sungs­mit­tel­lös­li­cher Lack, wel­cher sich mit ei­nem neu­en, ähn­li­chen Lack­ty­pen gut ver­bin­det. Auf­grund die­ser Ei­gen­schaft ist auch hier das Pro­blem für den Lack­scha­den vom Gi­tar­ren­stän­der zu su­chen. Die Weich­ma­cher aus dem Plas­tik oder Gum­mi lö­sen auch den Lack an. Für das Re­stau­rie­ren brauchst du ei­nen so­ge­nann­ten Ni­troPo­lier/schwab­bel­lack. Den gibt es in 1 Li­ter Do­sen z. B. von der Fir­ma Clou (AC-63), Zwei­horn (SDF-H), oder – et­was güns­ti­ger, den Po­lier­lack von Schrei­ner­la­cke.de (SL-NC-LACK). Lack­stif­te gibt es für die­se An­wen­dung nicht. Die wür­den, ge­ra­de auch we­gen der Lös­lich­keit der Lack­schich­ten, un­ter­ein­an­der nicht funk­tio­nie­ren. Um mit dem Nc-lack ein gu­tes Er­geb­nis zu er­rei­chen, muss die Stel­le, die du aus­bes­sern möch­test, ei­ne har­te Kon­sis­tenz ha­ben. Ist der Lack am In­stru­ment dort je­doch durch die Weich­ma­cher aus dem Gi­tar­ren­stän­der so stark be­schä­digt, dass er gum­mi­ar­tig-weich ist, muss der al­te Lack groß­zü­gig bis auf das Holz ent­fernt wer­den. Denn sonst wird auch der neue Lack an die­ser Stel­le nie­mals aus­här­ten! Als Gi­tar­ren­bau­er wür­de ich al­so den al­ten Lack so weit wie nö­tig ab­schlei­fen. Dann ei­ne Schicht stark ver­dünn­ten Ni­tro­lack mit den pas­sen­den Farb­pig­men­ten in­di­vi­du­ell pas­send zum In­stru­ment an­ge­mischt, „fär­ben“. Da­nach meh­re­re Schich­ten Klar­lack auf­la­ckie­ren, dann fein schlei­fen, ggf. nachla­ckie­ren, dann wie­der fein schlei­fen und zu­letzt auf Hoch­glanz po­lie­ren. Da­zu ver­wen­det man idea­ler­wei­se ei­ne klei­ne Farb­spritz­pis­to­le mit Kom­pres­sor. Willst du ein gu­tes Er­geb­nis er­zie­len, bei wel­chem man mög­lichst die Re­pa­ra­tur nicht (auf den ers­ten Blick) sieht, dann soll­te das je­mand mit viel Ge­duld, ge­nug Zeit und Er­fah­rung ma­chen. Al­so eher nicht sel­ber bas­teln. An­dré Wal­den­mai­er

BASS

Mein schö­ner Ya­ma­ha TRB II pro­du­ziert neu­er­dings kurz nach dem Ein­stöp­seln ein ho­hes pfei­fen­des Ge­räusch, das lang­sam lau­ter wird und dann rich­tig laut ist. Es muss am Bass lie­gen, weil mit mei­nen an­de­ren Bäs­sen nach wie vor Ru­he herrscht. Was könn­te der Grund sein und wie auf­wen­dig wä­re ei­ne Re­pa­ra­tur?

Andre­as Veit

Da der Bass lei­der kei­nen Pas­siv-schal­ter be­sitzt, mit dem sich der Ak­tiv-eq aus dem Si­gnal­weg her­aus­neh­men lässt, wird ei­ne Re­pa­ra­tur durch ei­nen Elek­tro­ni­ker un­um­gäng­lich sein, um das In­stru­ment wei­ter nut­zen zu kön­nen. Denn als Ur­sa­che für das dau­er­haf­te Pfeif­ge­räusch kommt (so­fern es sich nicht um Rück­kopp­lun­gen han­delt, die sich ja durch ver­än­der­te Po­si­ti­on zum Laut­spre­cher ver­mei­den las­sen) ei­gent­lich nur die ak­ti­ve Elek­tro­nik in Fra­ge, die of­fen­bar os­zil­liert. Was du selbst noch über­prü­fen kannst: Lässt sich das Pfei­fen durch ver­än­der­te Reg­ler­ein­stel­lun­gen, ins­be­son­de­re durch Ab­dämp­fun­gen der Eq-reg­ler, be­ein­flus­sen oder stop­pen? Be­hebt ei­ne fri­sche Bat­te­rie das Pro­blem? Falls nicht, muss ein Fach­mann ran – oder im schlimms­ten Fall ei­ne an­de­re Ak­tiv­e­lek­tro­nik ein­ge­baut wer­den.

Dirk Groll

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