RÖST­CAS­TER

Mu­sic Man Cutlass SSS „ Get Ro­as­ted“– welch ver­we­ge­ne Auf­for­de­rung springt uns denn aus die­sem Wer­be­slo­gan so pro­vo­ka­tiv läs­sig an? Nun, nach dem höl­lisch hei­ßen Som­mer sind wir ja al­le mit­ein­an­der bes­tens vor­ge­wärmt. Ob wir uns da im Nach­gang von dem bra

Gitarre & Bass - - News - TEXT Franz Holt­mann FO­TOS Die­ter Stork

Auf Ba­sis des ur­sprüng­li­chen Mu­sic-manDe­signs aus den 70er-jah­ren, für das Leo him­s­elf be­kannt­lich noch Pa­te stand, wur­de das Cutlass-mo­dell mit Hals aus ge­rös­te­tem Ahorn, leicht­ge­wich­ti­gem Er­le­kor­pus, ver­bes­ser­ten Spiel­ei­gen­schaf­ten und über­ar­bei­te­ter, Vin­ta­ge-ori­en­tier­ter Elek­trik neu auf­ge­legt.

al­te tu­gen­den, neu in­ter­pre­tiert

Mit dem Mu­sic-man-cutlass-mo­dell liegt ein De­sign vor, das sei­ne star­ke Af­fi­ni­tät zu Leo Fen­ders Stra­to­cas­ter gar nicht leug­nen will. Der Kor­pus aus Er­le kommt auch ho­hen An­sprü­chen an den Spiel­kom­fort mit bes­tens ver­run­de­ten Kor­pus­kan­ten, zweck­mä­ßig ge­setz­ten Kon­tu­ren auf der De­cke und am Bo­den, so­wie ei­nem weich ab­ge­gli­che­nen Hals-/kor­pusüber­gang vor­bild­lich ent­ge­gen. Mit fünf Schrau­ben ist der recht dun­kel ge­toas­te­te Hals aus ‚Fir­gu­red Ro­as­ted Map­le’, al­so ge­rie­gel­tem, wär­me­be­han­del­tem Ahorn über ei­ne ver­chrom­te Hals­plat­te mit ein­ge­präg­ter Se­ri­en­num­mer ver­win­dungs­frei und fest im Kor­pus ver­an­kert. Das Griff­brett mit 10“-Ra­di­us aus Ro­as­ted Map­le be­her­bergt 22 sau­ber ver­ar­bei­te­te High-pro­fi­le-me­di­um-bün­de aus Stain­less Steel und schwar­ze Dots zur La­gen­ken­nung. Die Mm-ty­pi­sche, matt la­ckier­te und trotz leich­ter Ver­grö­ße­rung im­mer noch klei­ne Kopf­plat­te ist mit Schal­ler M6-IND Lo­cking-mecha­ni­ken in 4+2-An­ord­nung aus­ge­stat­tet, was die üb­li­che Sai­ten­nie­der­hal­tung per String­tree über­flüs­sig macht. Die Sai­ten schwin­gen mit 64,8 cm Men­sur zwi­schen ei­nem Sat­tel aus Kunst­stoff und dem auf­lie­gend mon­tier­ten Mu­sic Man Mo­dern Tre­mo­lo mit in­di­vi­du­ell ein­stell­ba­ren Vin­ta­ge Bent Steel Sadd­les, ein auf zwei Stütz­schrau­ben ru­hen­des Vi­bra­to­sys­tem mit Alu-block und Ein­steck­arm, das im Mes­ser­kan­ten­prin­zip ar­bei­tet. Die Elek­trik: drei Mu­sic Man Cust­om Wound Sing­le­coil Pick­ups sind mit ih­ren wei­ßen Kap­pen nach gu­ter al­ter Strat-

per­fek­te hand­ha­bung – ver­fei­ner­te sounds [6760]

Ma­nier auf ein drei­schich­ti­ges Pick­guard ge­schraubt und ste­hen in Ver­bin­dung mit dem neu­en Wi­de Spec­trum Mu­sic Man „ Si­lent Cir­cuit“. Ein ak­ti­ver Schalt­kreis zur Un­ter­drü­ckung von Brum­men und „zum Er­halt des wah­ren Sing­le­coilSounds“. Die elek­tri­sche Ver­wal­tung ge­schieht über ge­ne­rell ar­bei­ten­de pas­si­ve 250-kohm-vo­lu­me- und -To­ne-po­tis mit .022μf-ton­kon­den­sa­tor und buf­fe­red Out­put. Das sorgt für to­na­le Kon­sis­tenz in al­len Stel­lun­gen des Laut­stär­ke­reg­lers und macht auch lan­ge Ka­bel­we­ge mög­lich. Das zur Strom­ver­sor­gung nö­ti­ge Bat­te­rie­fach (Klipp­ver­schluss) ist auf der Kor­pus­rück­sei­te zu fin­den. Die Kor­pus­kam­mer für die Auf­nah­me der elek­tro­ni­schen Kom­po­nen­ten un­ter dem Pick­guard vorn wur­de mit Gra­phi­te Acryl­harz aus­ge­malt; das mit Alu­mi­ni­um aus­ge­klei­de­te Pick­guard dient eben­falls der elek­tro­ni­schen Ab­schir­mung. Über den 5-We­ge Pick­up-selec­tor ste­hen fol­gen­de Schalt­op­tio­nen zur Wahl: Pos. 1 – Hals-pick­up; Pos. 2 – Hals- und Mit­tel- Pick­up par­al­lel; Pos. 3 – Mit­telPick­up; Pos. 4 – Mit­tel- und Steg-pick­up par­al­lel; Pos. 5 – Steg-pick­up. Der Kor­pus der Test­gi­tar­re ist mit Hig­hG­loss- Po­ly­es­ter- Lack in Fi­re­mist Sil­ver ver­sie­gelt, ihr grif­fi­ger Hals be­kam ei­ne Hand­po­li­tur mit Öl und Wachs. Al­le Ar­bei­ten zei­gen ho­hes pro­fes­sio­nel­les Ni­veau. Die Mu­sic Man Cutlass fühlt sich na­tür­lich nicht fremd an mit ih­ren be­kannt fluf­fi­gen Kom­fort­kon­tu­ren. Auf­fäl­lig ist da

eher der Hals mit sei­nem schlan­ken, wohl­ge­form­ten Pro­fil. Da­mit liegt er aus­ge­spro­chen gut in der Hand und dank sei­ner Pre­mi­um-bun­die­rung mit mit­tel­star­ken, recht ho­hen Edel­stahl-bün­den geht die Ar­beit flott von der Hand und Ben­dings lau­fen wie ge­but­tert. Akus­tisch fü­gen sich die tie­fen Sai­ten mit schlan­kem, aber stark kon­tu­rier­tem Aus­druck voll­kom­men aus­ge­gli­chen zu den an­de­ren Stim­men im klar struk­tu­rier­ten Ak­kord. Der zeigt viel­leicht nicht den letz­ten Tief­gang in den Bäs­sen, kon­tert aber mit glo­cken­kla­rer har­mo­ni­scher Run­dung und enor­mer Schwing­freu­de – Hol­la! Elek­trisch all­ge­mein: Die drei Mu­sic Man Cust­om Sing­le­coils sol­len es in Ver­bin­dung mit dem neu­en Wi­de Spec­trum „Si­lent Cir­cuit“mög­lich ma­chen, läs­ti­ges Rau­schen zu eli­mi­nie­ren und den wahr­haf­ti­gen Ton der Sing­le­coils un­ab­hän­gig vom ge­wähl­ten Pe­gel bei­zu­be­hal­ten. Nun, bei­de Vor­ga­ben wer­den im Test be­stä­tigt: auch bei hö­he­ren Laut­stär­ken blei­ben die Sounds lo­bens­wert arm an Ne­ben­ge­räu­schen und der crisp bril­lan­te Ton ist auch bei stär­ke­ren Ab­re­ge­lun­gen des Aus­gangs­si­gnals noch acht­bar vi­tal zu ha­ben. Elek­trisch spe­zi­fisch: Der Hals- Pick­up er­öff­net mit ei­nem un­ge­mein sta­bi­len und kno­chen­tro­cke­nen Grund-sound, der sich dem akus­ti­schen Bild ge­mäß schlank, aber aus­ge­spro­chen kon­tur­stark gibt. Ak­kor­de ver­fü­gen in der Ab­tei­lung Clean über ein star­kes Stra­tF­lair, wie es im Bu­che steht. Die cris­pe, hohl­wan­gi­ge Struk­tur lässt da­bei eher an die fun­ky-sounds ei­nes Ni­le Rod­gers als an die des tief­grün­di­ger agie­ren­den Stevie Ray Vaug­han den­ken, um ein­mal ei­nen gro­ben Ver­gleich zu be­mü­hen. Aber bei der ho­hen Gü­te des Si­gnals, blei­ben die Gren­zen flie­ßend. Ge­hen wir näm­lich auf den Gain-ka­nal, so ist auch die­ses Blues-ge­tränk­te keh­li­ge Rau­nen ab­so­lut greif­bar. Wun­der­bar plas­tisch schie­bend zum Bei­spiel bei Ok­tav­spiel auf den tie­fen Sai­ten. Mit Schal­ten auf den Sing­le­coil in der Mit­tel­po­si­ti­on ver­setzt sich das Klang­bild na­tur­ge­mäß nach oben, ver­liert aber kaum an Aus­drucks­kraft. Der nun zwar et­was schmal­lip­pi­ge Ton ver­fügt aber über ei­ne tol­le Prä­senz und cha­rak­ter­vol­le Keh­lig­keit, die mit an­ge­neh­mer Bis­sig­keit das ak­zen­tu­ier­te Ak­kord­spiel be­lebt. Aber auch in Zerr­po­si­tio­nen ist er kei­nes­wegs zwei­te Wahl, lie­fert höchst prä­gnan­te, straf­fe Po­wer­chor­ds oder zu­pa­cken­de Le­ad-sounds. Schal­ten wir auf den Sing­le­coil am Steg, so beißt der na­tür­lich noch­mals kraft­vol­ler zu. Sein an­griffs­lus­ti­ger Twang ist al­ler­dings bei

al­ler Zu­spit­zung frei von kal­ter elek­tro­ni­scher Herz­lo­sig­keit, eher kommt er pfeff­rig und scharf ge­würzt da­her. Mit Ent­schie­den­heit und poin­tier­ter Prä­zi­si­on schnei­det er bei an­ge­ho­be­ner Ver­stär­ker­leis­tung wie ein Skal­pell durch je­den Mix. Toll auch die kno­chi­gen Bäs­se, die mit schar­fem Attack mar­kant auf­ge­ris­se­ne Li­ni­en förm­lich aus­spu­cken. Da duckst du dich weg, oder hah: lässt dich gril­len! Die Zwi­schen­po­si­tio­nen bie­ten mit je­weils par­al­lel ge­schal­te­ten Spu­len der Kom­bi­na­tio­nen Hals/ Mit­te und Steg/ Mit­te er­war­tungs­ge­mäß zwei höchst cris­pe und schlan­ke Klang­va­ri­an­ten, eher fein­glied­rig als ma­ger, aber schon spe­zi­ell. Vor al­lem ver­mag die Kom­bi­na­ti­on Hals/mit­te mit gla­si­ger Knopf­le­rei zu ge­fal­len, was aber die hel­le Keh­lig­keit der al­ter­na­ti­ven Kom­bi gar nicht ge­ring­schät­zen soll. In ge­wis­sem Sin­ne ist in die­sem In­stru­ment, die all­ge­mei­ne Ak­zep­tanz die­ser zu­ge­spitzt an­ge­leg­ten Sing­le­coil-au­ra na­tür­lich vor­aus­ge­setzt, für je­den Ge­schmack der rich­ti­ge Sound an­ge­legt. Die Vi­bra­to- Ein­heit, hart­nä­ckig falsch Mo­dern Tre­mo­lo ge­nannt, ist bei gu­tem Zug auf­lie­gend mon­tiert und ge­währt sor­gen­frei­es Tre­mo­lie­ren (har­har) dank der we­ni­gen Rei­bungs­punk­te, macht die klei­ne Kopf­plat­te ei­nen Sai­ten­nie­der­hal­ter doch über­flüs­sig. Noch ei­ne letz­te Be­mer­kung zur Hand­ha­bung: Die et­was nach au­ßen ver­setz­te Po­si­tio­nie­rung des Vo­lu­me-reg­lers ist für al­le Spie­ler in­ter­es­sant, de­nen Sel­bi­ger bei der Strat bei be­stimm­ten Schlag­tech­ni­ken im­mer et­was im We­ge war. In die- sem Sin­ne kann man den Ak­ti­ons­rah­men als er­wei­tert be­trach­ten und gut er­reich­bar für den klei­nen Fin­ger ist der Reg­ler auch so noch.

re­sü­mee

Mu­sic Man lie­fert mit der Cutlass SSS wie­der ein­mal er­war­tet ho­he Qua­li­tät. Das sau­ber ver­ar­bei­te­te In­stru­ment tritt mit ei­nem for­mi­da­bel schlank ge­stal­te­ten Hals aus ge­rös­te­tem Rie­gel­ahorn an, was uns zu­sam­men mit der fa­mo­sen Stain­less Steel-bun­die­rung Spiel­ver­gnü­gen pur bie­tet. Vor­ran­gi­ges Ziel des Cutlass-de­signs ist aber die Ver­fei­ne­rung des klas­si­schen Sing­le­coilSounds. Die Cust­om Wound Sing­le­coil Pick­ups sind zu die­sem Zweck in den ak­ti­ven „Si­lent Cir­cuit“ein­ge­bun­den, was nicht nur Brum­men ef­fek­tiv un­ter­drückt, son­dern auch un­ab­hän­gig von der Stel­lung des Vo­lu­me-reg­lers höchst prä­sen­te, crisp und keh­lig tö­nen­de Sounds ers­ter Gü­te ge­ne­riert. Ziel er­reicht, Leo lä­chelt! Kann er auch, hat er doch das ge­nia­le Ur­sprungs­mo­dell Stra­to­cas­ter und auch des­sen Nach­fol­ger bei Mu­sic Man auf den Weg ge­bracht. Manch­mal sind es klei­ne­re, ge­le­gent­lich auch grö­ße­re Ve­rän­de­run­gen, die den Aus­schlag für die Wahl in en­gem Kon­text ge­ben. Zu­guns­ten der Cutlass SSS kann man ne­ben dem tol­len Hals den ver­bes­ser­ten Hals-/kor­pusüber­gang, die ak­tiv un­ter­stütz­te Elek­trik, den ver­setz­ten Vo­lu­me-reg­ler oder das et­was an­de­re Vi­bra­to-sys­tem oh­ne den Rei­bungs­punkt String­tree ins Feld füh­ren. Mir ist je­den­falls gut warm ge­wor­den, aber rös­ten lass ich mich trotz­dem nicht oh­ne Wei­te­res. Gu­te Gi­tar­re so oder so – aus­pro­bie­ren! n

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