RUHM UND EH­RE

Das Idol­ma­ker- De­sign kann im wei­tes­ten Sin­ne als Fort­schrei­bung der ori­gi­na­len Hol­ly­wood/ Te­le­vi­si­on- Mo­del­le gel­ten, wel­che aber le­dig­lich zi­tiert und kei­nes­wegs ko­piert wer­den. Aus­ge­hend von der his­to­ri­schen Sil­hou­et­te geht man bei Fra­mus mit der Idolm

Gitarre & Bass - - News - Fra­mus Idol­ma­ker TEXT Franz Holt­mann FO­TOS Die­ter Stork

In der Aus­ga­be 11/2016 hat­ten wir be­reits die Idol­ma­ker 5’R mit Sing­le­coilBe­stü­ckung ei­nem Test un­ter­zo­gen. Das for­mal iden­ti­sche Test­modell tritt mit dif­fe­rie­ren­den Ton­höl­zern und mit Hum­bu­ckern an.

so­li­de

Bei der Idol­ma­ker ha­ben wir es mit ei­ner so­li­den Ma­ha­go­ni­kon­struk­ti­on zu tun. Der Kor­pus aus näm­li­chem Ma­te­ri­al be­kam ei­ne er­ha­be­ne De­cke aus mit­tig ge­füg­tem, glanz­la­ckier­tem Fla­med Map­le von sat­ten 2 cm Stär­ke im mitt­le­ren Be­reich ein­ge­setzt, wel­che die matt schwarz ein­ge­färb­ten Flü­gel der Ma­ha­go­ni­ba­sis oben vorn und un­ten hin­ten auch op­tisch zu­rück­tre­ten lässt. Die ge­schwun­ge­ne Li­ni­en­füh­rung wird durch na­tur­far­ben be­las­se­ne Rand­be­rei­che der kon­tu­rier­ten Ahorn­de­cke op­tisch be­tont. De­cke und Bo­den ver­jün­gen sich dann noch deut­lich zu den Kor­pus­rän­dern hin. Mit op­ti­mal ge­run­de­tem Hals­fuß ist der of­fen­po­rig matt­schwarz la­ckier­te Hals aus Ma­ha­go­ni in den Kor­pus ein­ge­bracht. In das Griff­brett aus Eben­holz mit 12“-Ra­di­us fin­den wir 22 per­fekt be­ar­bei­te­te Jum­bo­b­ün­de ( In­vi­si­ble Fret­work Tech­no­lo­gy, Plek) und klei­ne Oval In­lays ge­setzt. Nicht zu ver­ges­sen die fluo­res­zie­ren­den Si­de­Dots zur La­gen­fin­dung auch auf dunk­len Bühnen. Der leicht ab­ge­win­kelt her­aus­ge­führ­te klei­ne Fra­mus-kopf ist mit Graph Tech Ra­tio Lo­cking Mecha­ni­ken aus­ge­stat­tet. Der Zu­gang zum Hals­stab liegt hin­ter der klei­nen Glo­cke mit Mo­dell­na­men ver­bor­gen. Die Sai­ten schwin­gen mit ei­ner Men­sur von 628 mm zwi­schen dem Black Tusq-sat­tel und der To­ne Pro Tu­ne-o-ma­tic Bridge. Ge­kon­tert wer­den sie mit ei­nem St­op­tail. Elek­tri­sche Aus­stat­tung: Sey­mour Dun­can SH 1N ’59 Paf-style Hum­bu­cker (Hals),

ef­fek­tiv und schlag­kräf­tig [6759]

Sey­mour Dun­can SH 4B (Bridge); Vo­lu­me und To­ne (Push/pull für Coil­split). Die sau­ber ver­ar­bei­te­te Gi­tar­re ist in Bur­gun­dy Black­burst Trans­pa­rent High Po­lish la­ckiert und wird in ei­nem Star­li­ne Rock­Bag mit Fra­mus User Kit Bag (Werk­zeug und Rei­ni­gungs­tuch) ge­lie­fert. Mit sei­nem flund­er­för­mi­gen Zu­schnitt fügt sich die Idol­ma­ker trotz der et­was hoch ste­hen­den hin­te­ren Kor­pus­flan­ke recht or­dent­lich un­ter den rech­ten Arm. Sit­zend wie ste­hend ge­spielt, rich­tet die Gi­tar­re sich auch pra­xis­ge­recht mit gu­ter Griff­brett­auf­sicht aus. Die Schlag­hand kommt wohl et­was wei­ter hin­ten, kurz vor dem Steg-pick­up in Po­si­ti­on, aber das ist schon in Ord­nung so und schnell in Ge­wöh­nung ge­nom­men. An­sons­ten sind na­tür­lich noch die per­fek­ten Spiel­be­din­gen ei­nes sam­tig grif­fi­gen Hal­ses mit per­fekt ge­mach­ter Bun­die­rung und tief ein­ge­stell­ter Sai­ten­la­ge zu ver­mel­den. Der akus­ti­sche Sound ist mit drah­tig und kraft­voll straff zeich­nend gut be­schrie­ben, aber ma­ha­go­ni­war­me Mit­ten und stim­mi­ge Auf­lö­sun­gen im Ak­kord sind auch ge­ge­ben. Das ein­ge­setz­te Pick­up Set setzt sich aus den wohl be­lieb­tes­ten Klas­si­kern in Sey­mour Dun­cans Ka­ta­log zu­sam­men, re­prä­sen­tiert so­zu­sa­gen ei­nen Mix aus bei­den Wel­ten für fle­xi­ble mo­der­ne An­sprü­che. Der SH 1N ist der klas­si­sche „vin­ta­ge-voiced“PAF-TYP und mit ge­mä­ßig­tem Out­put auf Klar­heit und har­mo­nisch run­de

Darstel­lung aus­ge­rich­tet. In der Idol­ma­ker über­setzt er gut ge­run­de­te und stimm­lich sau­ber in­to­nie­ren­de Ak­kor­de mit eher zu­rück­hal­ten­dem Mit­ten­aus­bau und ge­zü­gel­ten Bäs­sen, aber ins­ge­samt gu­ter Of­fen­heit. In Zerr­po­si­tio­nen las­sen sich dar­über leicht keh­li­ge Po­wer­chor­ds und sin­gen­de Li­ni­en ef­fek­tiv in­sze­nie­ren. So rich­tig warm will der Ton aber in die­ser Gi­tar­re mit ih­rer straf­fen Ton­struk­tur nicht wer­den. Da­für tritt er mit enor­mer Strin­genz, Trans­pa­renz und Durch­set­zungs­kraft auf. Der SH 4B am Steg ist auf hö­he­re Leis­tung „ul­ti­ma­te hot-rod­ded“ge­wi­ckelt und der be­lieb­tes­te Pick­up im Dun­can-pro­gramm über­haupt. Na­tür­lich kann er da­mit sys­tem­be­dingt kein ‚King of Clean’ wer­den, denn da­für ist sein Mit­ten­be­reich zu do­mi­nant, die Bäs­se zeich­nen et­was in­dif­fe­rent und die Hö­hen er­schei­nen leicht wat­tig. Un­ter Zerr­be­din­gun­gen über­trägt er dann aber das enorm grad­li­ni­ge Klang­bild der Idol­ma­ker mit star­ken, ef­fek­tiv kon­tu­rier­ten Bäs­sen, saf­ti­gen Mit­ten und of­fen­si­vem Hö­chen­schmack. Da weiß man so­fort, war­um er so be­liebt ist, macht er doch die Ton­er­zeu­gung mit ein­ma­lig sen­si­bler An­spra­che be­son­ders leicht. Po­wer­chor­ds fe­dern mit Druck aus den Spea­k­ern, Le­ad Li­nes kom­men kon­tu­riert und mit schmat­zen­der At­ti­tü­de zum Ohr, über­dies wird der An­schlag per­kus­siv schnal­zend um­ge­setzt. Und, na klar, Ober­tö­ne las­sen sich mit dem Plek­trum mü­he­los ins Le­ben ho­len, sprin­gen förm­lich un­ter den Fin­gern weg. Das mag dem TonGour­met et­was pla­ka­tiv oder zu un­dif­fe­ren­ziert vor­kom­men, ef­fek­tiv und schlag­kräf­tig ist es aber auf je­den Fall. Die Zu­sam­men­schal­tung bringt dann noch ein­mal zu­sätz­li­ches Licht in die per­len­den Ak­kor­de und das macht sich nicht zu­letzt auch in mit­tel­bö­sen Crun­chEin­stel­lun­gen be­mer­kens­wert gut. Und dann ist da ja auch noch der Bo­nus SplitOp­ti­on für den Hals-pick­up an­ge­legt, wel­cher uns ei­nen schlan­ken, al­ter­na­tiv nutz­ba­ren Kehl­klang mit bes­tem Sing­le­coil-esprit an die Hand gibt. Da­mit lässt sich nicht nur die ein oder an­de­re Lü­cke im Klang­spek­trum schlie­ßen, auch als Pre­set in Kom­bi­na­ti­on mit dem saf­ti­gen Steg- Pick­up ist die Sing­le­coil- Op­ti­on in der dy­na­mi­schen Staf­fe­lung von Hea­vy Rhythm zu Le­ad ab­so­lut sinn­voll ein­setz­bar.

re­sü­mee

Fra­mus schickt die Idol­ma­ker als rund­um mo­der­ni­sier­tes In­stru­ment ins Ren­nen. Mit sei­ner asym­me­tri­schen Form er­in­nert es nur noch ent­fernt an al­te Fra­mus-de­signs, aber die Li­nie wird ge­hal­ten. Das In­stru­ment spielt sich mit gut aus­ta­rier­tem Hals­pro­fil, sam­ti­gem Griff und per­fekt ge­mach­ter Bun­die­rung in sei­nem spie­gel­blank po­lier­ten Eben­holz­griff­brett rund­um kom­for­ta­bel. Die ge­fes­tig­te Kon­struk­ti­on lässt be­vor­zugt straf­fe Sounds mit küh­lem Touch ins Le­ben, aber das hat durch­aus Stil und Ele­ganz. Mit dem be­lieb­ten Pick­up-mix aus Sey­mour Dun­cans SH 1N und SH 4B aka Jeff Beck las­sen sich zugleich klas­si­sche wie auch ag­gres­siv durch­set­zungs­fä­hi­ge Sounds in Sze­ne set­zen, wo­bei vor al­lem der JB mit sei­nem Sturm und Drang-ver­hal­ten in Gain Set­tings ei­ne tol­le Fi­gur macht. Die ex­klu­si­ve Form­ge­bung ver­langt zwar et­was An­pas­sung in spiel­tech­ni­scher Hin­sicht, aber das ist leicht weg­zu­ste­cken. Die ta­del­los ge­fer­tig­te Fra­mus Idol­ma­ker will ab­so­lut kei­nen Ge­mein­platz tei­len, son­dern lie­ber mit ei­ge­nen Ak­zen­ten ei­ne selbst de­fi­nier­te Po­si­ti­on im Spek­trum der ge­stal­te­ri­schen und Klang ge­ne­rie­ren­den Mög­lich­kei­ten be­set­zen – und das ist gut so! n

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