AL­TER CLIP­PER MIT NEU­EM AN­TRIEB

Gretsch G5220 Elec­tro­ma­tic Jet BT Das preis­wer­te Sing­le- Cut- Mo­dell G5220 Elec­tro­ma­tic aus der Je­tFa­mi­lie ver­sprüht au­then­ti­sches Rock’n’roll- Flair, kei­ne Fra­ge. Mit ge­höhl­tem Bo­dy aus Ma­ha­go­ni plus Ahorn­de­cke und den neu­en Black Top Broad’tron Pick­ups

Gitarre & Bass - - News - TEXT Franz Holt­mann FO­TOS Pe­tia Cht­ar­ko­va

Auf den ers­ten Blick sie­delt die­ses Elec­tro­ma­tic-mo­dell in Sa­chen Form und Op­tik nicht all­zu weit weg von je­nen Jets der 50er-jah­re, die wir et­wa aus den Hän­den ei­nes Ge­or­ge Har­ri­son oder Jeff Beck ken­nen, aber min­des­tens die mo­der­ne Ad­jus­to-ma­tic-bridge und das V-st­op­tail sind dann na­tür­lich leicht er­kenn­ba­re De­tails ei­ner ak­tu­el­len Aus­le­gung. Ne­ben Dark Cher­ry Me­tal­lic ist das vor­lie­gen­de Jet-mo­dell auch noch in den Far­ben Black oder Ca­si­no Gold zu ha­ben.

tra­di­tio­nel­ler look – mo­de­ra­te er­neue­rung

Die G5220 Elec­tro­ma­tic Jet tritt mit ei­nem groß­zü­gig aus­ge­höhl­ten Kor­pus von 4,5 cm Stär­ke am Hals­an­satz aus Ma­ha­go­ni mit leicht ge­wölb­ter De­cke aus la­mi­nier­tem Ahorn an. Wei­ße Bo­dy Bin­dings mit Black/whi­te Pur­f­lings be­to­nen die Jet Bo­dy-form. Der in Hö­he des 16. Bun­des ein­ge­leim­te Hals aus Ma­ha­go­ni mit ein­ge­bun­de­nem Griff­brett aus Wal­nuss (Black Wal­nut) mit 12“Ra­di­us ver­fügt über ein so­ge­nann­tes Thin-„u“Hals­pro­fil, das nicht wirk­lich dünn ist, son­dern dem „U“ge­mäß noch aus­rei­chend Fleisch mit­be­kam. 22 Me­di­um­Jum­bo-bün­de zei­gen acht­ba­re Ver­ar­bei­tung mit kan­ten­run­der Ab­fa­sung; Pe­ar­lo­id-big-block-in­lays kenn­zeich­nen die La­gen. Der obe­re Teil der in leich­tem Win­kel her­aus­ge­führ­ten, Jet- ty­pisch schlan­ken Kopf­plat­te wur­de an­ge­setzt, die Front mit ei­nem ein­ge­bun­de­nen schwar­zen Fur­nier (plain-face he­ad cap) be­legt. Ge­kap­sel­te Mecha­ni­ken mit klei­nen Grif­fen sor­gen für ver­läss­li­che Stim­mung und den Vin­ta­ge-ge­rech­ten Look. Die Sai­ten der Jet schwin­gen mit ei­ner Mens­ur­län­ge von 62,5 cm zwi­schen dem Sat­tel aus Kunst­stoff und der Ad­jus­toMa­tic-bridge mit V-st­op­tail. Die Elek­trik: Black Top Broad’tron Pick­ups wer­den durch in­di­vi­du­el­le Pick­up Vo­lu­me-con­trols, so­wie Mas­ter-to­ne und Mas­ter-vo­lu­me mit Treb­le Bleed Cir­cuit ver­wal­tet.

[6758]

Der 3-Po­si­ti­on Togg­le schal­tet kon­ven­tio­nell: Po­si­ti­on 1. Bridge Pick­up, Po­si­ti­on 2. Bridge und Neck Pick­ups, Po­si­ti­on 3. Neck Pick­up. Ein Blick ins Elek­tro­fach zeigt schlich­te sau­be­re Ver­ar­bei­tung und lässt über­ra­schend Zwei­fel an der vor­geb­li­chen La­mi­nie­rung der Ahorn­de­cke auf­kom­men. Im An­schnitt sieht das eher mas­siv aus, was kein Scha­den wä­re. Das In­stru­ment ist in Sum­me acht­bar gut ver­ar­bei­tet, die De­cke in an­spre­chen­dem Dark Cher­ry Me­tal­lic la­ckiert. Das trop­fen­för­mi­ge Sil­ver Plexi Pick­guard und die be­kannt gro­ßen Sch­raub-pins für den Gurt kom­plet­tie­ren die Aus­stat­tung.

hand­ha­bung mo­dern – klan­g­aus­rich­tung main­stream

Mit an­ge­neh­mem Ge­wicht von 3,5 kg fügt die G5220 Elec­tro­ma­tic Jet sich dank gu­ter Ver­run­dung der Kor­pus­kan­ten trotz feh­len­der Kon­tu­ren am Bo­den bes­tens an ih­ren Herrn und Meis­ter und rich­tet sich sit­zend wie ste­hend ge­spielt zweck­mä­ßig aus. Der Hals fällt mit toll ge­run­de­tem, mit­tel­star­kem Pro­fil ab­so­lut kom­for­ta­bel in die Hand und bie­tet mit fluf­fig ge­stal­te­tem Hals-/kor­pusüber­gang und flach ein­ge­rich­te­ter Sai­ten­la­ge op­ti­ma­le Spiel­be­din­gun­gen. Der Ba­sis­klang der Elec­tro­ma­tic Jet ist von leicht me­tal­li­schen An­tei­len in der Ton­far­be, aber auch von of­fe­ner Schwin­gin­ten­si­tät und kno­chen­tro­cke­ner

Bass­to­n­ent­fal­tung mit gu­ter Sai­ten­tren­nung ge­kenn­zeich­net. Die Black Top Broad’tron Pick­ups se­hen zwar aus wie Black Top Fil­ter­tron Pick­ups, sind aber mit de­ren Klan­g­aus­le­gung nicht zu ver­wech­seln. Gretsch sucht hier nach ei­nem Kom­pro­miss, der den mit­ten­sat­ten Paf-style Hum­bu­cker mit dem hö­hen­rei­chen, aber un­ge­mein cha­rak­te­ris­ti­schen Gretsch-sound kom­bi­nie­ren soll – ‚ the best of both worlds’ so­zu­sa­gen. Das Er­geb­nis kann sich se­hen las­sen. Der Klang ten­diert et­was mehr in Rich­tung Main­stream, oh­ne aber den be­kann­ten JingleJan­gel-glanz gänz­lich aus dem Au­ge zu ver­lie­ren. Der Broad’tron am Hals er­öff­net bei klar ein­ge­stell­tem Ver­stär­ker mit ei­nem tro­cke­nen, gut auf­ge­lös­ten Ak­kord­klang, der or­dent­lich Draht zeigt. Den­noch ist das Klang­am­bi­en­te voll­tö­nend und mit of­fe­ner Hö­hen­dar­stel­lung gut ge­run­det. Ge­hen wir in den Over­dri­ve, so über­rascht die Jet über die­sen Pick­up mit un­er­war­tet an­ge­neh­mem Growl. Die Um- set­zung von Po­wer­chor­ds ge­schieht kom­pakt und grif­fig, ge­hal­te­ne No­ten zei­gen eben­mä­ßi­gen Ton­ver­lauf und stre­cken sich mit kraft­vol­ler Ober­ton­far­be im acht­ba­ren Sustain lang aus. Die An­spra­che ist gut, das Attack-ver­hal­ten mar­kant und ein net­tes Schnal­zen stellt den An­schlag per­kus­siv her­aus, was schnell ge­spiel­ten Li­ni­en bes­te Kontur ver­leiht. Schal­ten wir mit Ver­stär­ker­ein­stel­lung Clean auf den Broad’tron in der Steg­po­si­ti­on, so setzt der den schon akus­tisch recht queck­silb­ri­gen Sound mit viel Sprit­zig­keit elek­trisch um, schlank und prä­zi­se in den tro­cken ar­ti­ku­lie­ren­den Bäs­sen, bis­sig in den zu­pa­cken­den Hö­hen – fun­ky, fun­ky. Im Zerr­mo­dus kommt die Jet über ih­ren Steg-pick­up dann mit ei­nem ver­blüf­fend prä­sen­ten Ton zum Zu­ge, der von schnell auf­stei­gen­den har­mo­ni­schen Ober­tö­nen es­kor­tiert wird. Das schiebt an und pro­vo­ziert ge­ra­de­zu vo­ka­le oder vio­linar­ti­ge Ar­ti­ku­la­tio­nen. Wie­der­um ist die staub­tro­cke­ne Darstel­lung der Bäs­se und Tief­mit­ten zu lo­ben. Das da­mit ein­her­ge­hen­de poin­tier­te Attack-ver­hal­ten hebt über­dies al­le Ak­tio­nen per­kus­siv her­vor. Ob nun High-gain-com­ping oder sat­te Po­wer Leads: grif­fi­ge Struk­tu­ren sor­gen für Prä­gnanz und Durch­set­zungs­freu­de. Das al­les hat je­den­falls deut­lich mehr Fett, als wir das von Gretsch in der Re­gel ge­wöhnt sind. Da­zu ist die Sai­te leicht reiz­bar und gibt den Ton spon­tan frei. Das al­les gibt dem Spie­ler oh­ne Fra­ge ein schar­fes Schwert in die Hand. Gu­te Ar­gu­men­te al­so, um sich im Band-kon­text durch­zu­set­zen. Die Zu­sam­men­schal­tung bei­der Broad’trons bringt er­war­tungs­ge­mäß et­was mehr Keh­lig­keit ins Klang­ge­fü­ge, fä­chert Ak­kor­de per­lend auf, was wie­der­um stär­ker an den gu­ten al­ten Gret­schG­lo­ck­en­ton er­in­nert. Die Kom­bi der Pick­ups macht mit ih­rem hohl­wan­gi­gen Spalt­ton dann aber auch noch ei­ne gu­te Fi­gur im Crunch und Over­dri­ve. Noch zwei Be­mer­kun­gen zur Re­gel­mi­mik: der Reg­ler für den Steg-pick­up ist hin­ten au­ßen po­si­tio­niert – Vio­li­ning ( Ein­blen­den) mit dem klei­nen Fin­ger ist al­so nur be­dingt ins Werk zu set­zen. Der an­de­re Punkt ist die et­was merk­wür­di­ge Funk­ti­on des ge­ne­rel­len Vo­lu­me-reg­lers vorn un­ten. Der lässt nur voll auf­ge­dreht die gan­ze Hö­hen­pracht durch. Bei Ab­re­ge­lung wird der Ton eher be­dämpft und

zwar so­fort und dann auf lan­gem, funk­ti­ons­ar­mem Weg, bis er ganz am En­de schnell und kom­plett dicht­macht. Nun – ei­gen­ar­ti­ge Reg­ler­funk­tio­nen sind bei Gretsch ja nichts Neu­es.

re­sü­mee

Die Gretsch G5220 Elec­tro­ma­tic Jet ist ein über­ra­schend star­kes In­stru­ment für sei­ne Preis­klas­se. Die gut ver­ar­bei­te­te Gi­tar­re bie­tet nicht nur bes­te Hand­ha­bung, son­dern über­zeugt auch klang­lich mit den neu­en Broad’tron-pick­ups, wel­che den be­kannt hö­hen­rei­chen Gretsch-ton mit et­was mehr Bass- und Tief­mit­ten­prä­senz aus­stat­ten, was zu er­staun­lich grif­fi­gen, auch wär­me­ren, aber frag­los cha­rak­ter­vol­len Sounds führt. Oh­ne Zwei­fel ver­sucht die Fir­ma sich mit die­sem Jet-mo­dell von ih­rem über­kom­me­nen Coun­try/ro­cka­bil­ly-image zu lö­sen, um sich mehr in Rich­tung Rock und Main­stream zu öff­nen. Die Um­set­zung ist je­den­falls treff­lich ge­lun­gen, ei­ne grö­ße­re Band­brei­te an sti­lis­ti­schem Aus­drucks­ver­mö­gen macht die­se Gi­tar­re zu ei­nem gut klin­gen­den und uni­ver­sell ein­setz­ba­ren Werk­zeug. Da auch über ih­re Spiel­ei­gen­schaf­ten nur Gu­tes zu be­rich­ten ist, kann die Elec­tro­ma­tic Jet am En­de so­gar An­spruch auf ei­ne ech­te Emp­feh­lung so­gar über ih­re Preis­ka­te­go­rie hin­aus für sich er­he­ben – aus­pro­bie­ren! n

Der deut­sche Gi­tar­ren­bau­er Andre­as Claas hat sich mit sei­ner Fir­ma Claas Gui­tars, die bis­lang als rei­ner Cust­om Shop aus­schließ­lich für End­kun­den fer­tig­te, u. a. auf die­ses The­ma spe­zia­li­siert. Erst­mals prä­sen­tiert er mit der Pro­duc­tion Li­ne (PL) Gi­tar­ren­mo­del­le, die al­le Qua­li­täts­merk­ma­le sei­ner Cust­om-shop-gi­tar­ren auf­wei­sen, je­doch dank Se­ri­en­fer­ti­gung und Ver­zicht auf Ex­tras be­zahl­bar blei­ben sol­len. Wie die Cs-mo­del­le wird auch die Pro­duc­tion Li­ne voll­stän­dig im Hau­se Claas in der Nä­he von Han­no­ver ge­baut.

wahl­wei­se

Claas Gui­tars bie­tet die Mo­by Dick auch als 7- und 8- String ( ca. € 2350 bzw. € 2450) und je­weils oh­ne Auf­preis auch mit Esche-, Ma­ha­go­ni- oder Wal­nuss-bo­dy an. Ne­ben ver­run­de­ten Kan­ten be­sit­zen al­le ei­ne ab­ge­schräg­te Arm­auf­la­ge und ei­nen op­ti­mal po­si­tio­nier­ten Rip­pen­spoi­ler. Dass der 39 mm di­cke, fla­che Bo­dy nicht per Cnc-frä­se son­dern per Band­sä­ge in Form ge­bracht wur­de, lässt sich an den et­was holp­rig ver­lau­fen­den Zar­gen der Kor­pus-tail­len er­füh­len. Ein stramm ein­ge­pass­tes, per Ge­win­de- schrau­ben mon­tier­tes Edel­stahl­blech ver­schließt Ober­kan­te bün­dig das groß­zü­gig ge­schnit­te­ne E-fach, in dem ein Pus­hPush-po­ti und die zar­gen­sei­tig ein­ge­las­se­ne Rohr­klin­ken­buch­se hau­sen. Ei­ne sorg­fäl­ti­ge Kom­plett­aus­klei­dung mit Kup­fer­fo­lie ga­ran­tiert ef­fi­zi­en­te Ab­schir­mung. Auf die glei­che Wei­se hat Andre­as Claas auch die Auf­nah­me­frä­sun­gen der Ton­ab­neh­mer ab­ge­schirmt. Als Gurt­pins ver­wen­det er Flush Mount Se­cu­ri­ty Locks von Dun­lop, die zwar kom­for­ta­bel zu hand­ha­ben sind, al­ler­dings kei­ne Al­ter­na­tiv­be­fes­ti­gung bie­ten, soll­te der ent­spre­chend aus­ge­stat­te­te Gurt nicht zur Ver­fü­gung ste­hen. Wie al­le Häl­se von Claas-gui­tars, wer­den auch die der Pl-rei­he aus Quar­ter-sawnAhorn mit dia­go­nal ver­lau­fen­den Jah­res­rin­gen ge­fer­tigt. Die spe­zi­el­le Kon­struk­ti­on des Mo­by-dick-hal­ses er­laubt ei­ne groß­flä­chi­ge Ver­bin­dung, und mit 10 (!) Ge­win­de­schrau­ben ei­ne ex­trem sta­bi­le zugleich. Das Eben­holz­griff­brett trägt 24 per­fekt ein­ge­setz­te und be­ar­bei­te­te Edel­stahl­bün­de mit kom­for­ta­bel ver­run­de­ten En­den. Le­dig­lich beim Null­bund, der hier als Sat­tel fun­giert, kann un­ter Um­stän­den die E1-sai­te un­ter die Bund­kro­ne rut­schen, so­fern man sie bei aus­la-

[6761]

den­den Fin­ger­vi­bra­tos oder Ben­dings zu weit nach un­ten zieht. Als Po­si­ti­ons­mar­ker die­nen fluo­res­zie­ren­de Si­de­dots, die, vor­he­ri­ge Licht­auf­nah­me vor­aus­ge­setzt, im Dun­keln grün­lich leuch­ten. Wie bei Head­less- Gi­tar­ren üb­lich, be­fin­det sich der Sai­ten­hal­ter, in den die Sai­ten mit­tels In­bus­schrau­ben ein­zeln fest­ge­klemmt wer­den, am Hal­sen­de. Mit zwei Schrau­ben mon­tiert, bie­tet ei­ne Boh­rung un­mit­tel­ba­ren Zu­gang zum Zwei­we­geS­tahl­stab. Kor­pus­sei­tig bil­den sechs ein­zel­ne fein­me­cha­ni­sche Ein­hei­ten aus Sai­ten­rei­ter, Sai­ten­hal­ter und Fein­stim­mer den Steg. Je­de der sechs Bridges be­sitzt ei­nen ein­ge­setz­ten Rei­ter aus Edel­stahl und drei Ma­den­schrau­ben. Ei­ne da­von dient zur Hö­hen­jus­tie­rung, ei­ne ar­re­tiert den Rei­ter, ei­ne die Bridge in der U-schie­ne. Die Sai­ten­rin­ge wer­den ein­fach in die Tu­ner ein­ge­hängt. Zwar sind die ge­rän­del­ten zy­lin­dri­schen Tu­ner-knöp­fe sehr grif­fig, las­sen sich je­doch ex­trem schwer dre­hen, so­dass ich mit­un­ter ge­neigt bin, zur Zan­ge zu grei­fen. Im­mer­hin bie­tet die De­cken­frä­sung aus­rei­chend Platz zum Zu­pa­cken. Zwei be­grenzt hö­hen­jus­tier­ba­re Lace Alu­mi­to­ne Hum­bu­cker wan­deln die Sai-

ten­schwin­gun­gen, näm­lich ein Alu­ma XBar 3.5 in der Hals­po­si­ti­on und ein Alu­ma De­a­th­bar 3.5 am Steg. Ih­re spe­zi­el­le Po­si­tio­nie­rung kommt nicht von un­ge­fähr, schließ­lich wür­den sie bei ei­ner tra­di­tio­nel­len Men­sur im Win­kel von ca. 90° zu den G3-/d4-sai­ten ste­hen. So wur­de hier der Steg-hb na­he­zu par­al­lel zum Steg, der Hals-pu par­al­lel zum 22. Bund aus­ge­rich­tet. Ver­wal­tet wer­den die Hum­bu­cker per Mas­ter-vo­lu­me mit in­te­grier­tem Push-push-schal­ter, der sie le­dig­lich ein­zeln ak­ti­viert. Ei­ne Kom­bi bei­der Ab­neh­mer ist da­her nicht mög­lich. Die Po­si­ti­on des ge­rän­del­ten Reg­ler­knop­fes lässt er­ken­nen, wel­cher der Hum­bu­cker ak­tiv ist: Aus­ge­löst Hals, ge­drückt Steg.

in be­trieb

Die Claas Mo­by Dick PL6 be­sitzt die Ma­ße und das Ge­wicht ei­ner Rei­se­gi­tar­re. So­wohl am Gurt als auch auf dem Bein zeigt sie per­fek­te Ba­lan­ce und ho­hen Tra­ge­kom­fort. Ich möch­te kei­nes­wegs aus­schlie­ßen, dass es Gi­tar­ris­ten gibt, die auf An­hieb mit der Mo­by Dick zu­recht kom­men, ja so­gar die ge­fä­cher­ten Bün­de und die Hals­kon­struk­ti­on lie­ben. Als Gi­tar­rist, der ei­ne tra­di­tio­nel­le Bau­form vor­zieht und da­bei ger­ne den Dau­men auf die obe­re Griff­brett­kan­te legt, ha­be ich je­doch aus er­go­no­mi­scher Sicht mei­ne Schwie­rig­kei­ten, wes­halb das Griff­brett der PL6 ab dem 15. Bund für mich qua­si als Re­stric­ted Area gilt. Auch für den Ge­üb­ten dürf­te es un­ge­mein schwie­rig sein, in den ho­hen La­gen die Bass­sai­ten mit der Greif­hand zu be­spie­len, es sei denn, er hängt sich die Gi­tar­re knapp un­ters Kinn. Da bei vol­len Bar­ré-ak­kor­den – mit Grund­tö­nen auf der E6- oder A5Sai­te – in den un­te­ren La­gen die Spit­ze des Zei­ge­fin­gers oh­ne­hin bei den meis­ten eher in Rich­tung Steg wan­dert, ist sau­be­res Grei­fen so gut wie un­mög­lich, min­des­tens je­doch ziem­lich an­stren­gend. Po­wer­chor­ds, tief­fre­quen­te Riffs, Me­lo­die­spiel, So­lie­ren, Tap­pings usw. be­rei­ten in­des über­haupt kei­ne Pro­ble­me. Ei­ne wei­te­re Her­aus­for­de­rung sind je­doch Fin­ger-ben­dings in hö­he­ren La­gen, da die­se we­gen der feh­len­den Un­ter­stüt­zung durch den Dau­men hö­he­ren Kraft­auf­wand er­for­dern. Kein Wun­der al­so, dass die Vor­füh­rer in den zahl­rei­chen Netz­vi­de­os die­sen Be­reich un­be­wusst (oder be­wusst?) mei­den. Aber wie ge­sagt, dies al­les ist mein per­sön­li­cher Ein­druck. Si­cher­lich ha­ben an­de­re Claas-user po­si­ti­ve­re Er­fah­run­gen mit der Hand­ha­bung ge­macht. Im­mer­hin

ge­stat­tet das Griff­brett bar­rie­re­frei­es Spiel bis zum 24. Bund. Bis zum 9. Bund liegt der Hals sehr an­ge­nehm und ent­span­nend in der Hand, die glat­te aber den­noch hol­zig grif­fi­ge Ober­flä­che be­sitzt die glei­che woh­li­ge Hap­tik wie der Bo­dy. Das ein­sa­me Mas­ter-vo­lu­me-po­ti ar­bei­tet leicht­gän­gig und prä­zi­se. Schwing­tech­nisch zeigt sich die Mo­by Dick PL6 in­des von ih­rer Scho­ko­la­den­sei­te, re­so­niert sie doch nach je­dem Sai­ten­an­schlag höchst in­ten­siv und deut­lich spür­bar bis in die hin­ters­ten Ecken ih­rer Holz­fa­sern. Sie spricht ex­trem di­rekt und ak­zen­tu­iert an, zeigt ei­ne re­kord­ver­däch­tig schnel­le und spon­ta­ne To­n­ent­fal­tung und ein kon­stan­tes, lang­sam und gleich­för­mig ab­klin­gen­des Sustain. Ihr Klang­bild ist aus­ge­wo­gen, eher per­kus­siv und drah­tig, in je­dem Fall aber ober­ton­reich, die Bäs­se tö­nen dank der ver­län­ger­ten Men­sur prä­gnan­ter, straf­fer und de­fi­nier­ter. Die spe­zi­ell für Fan­ned Frets ent­wi­ckel­ten Lace Alu­mi­to­ne Hum­bu­cker lie­fern reich­lich Pe­gel und prä­sen­tie­ren sich am clea­nen Amp klar und aus­ge­wo­gen mit fet­ten aber stets kom­pak­ten de­fi­nier­ten Bäs­sen, prä­gnan­ten Mit­ten, kla­ren sei­di­gen Hö­hen und brei­tem Ober­ton­s­pek­trum. Wäh­rend sich der Alu­ma De­a­th­bar am Steg bei al­ler Trans­pa­renz kraft­voll, forsch und of­fen­siv im Band-ge­fü­ge be­haup­tet, weckt der X-bar As­so­zia­tio­nen zu ei­ner tra­di­tio­nel­len Kom­bi aus Ste­gund Hals-hum­bu­cker. Wun­der­bar glo­ckig, luf­tig und le­ben­dig perlt er aus den Laut­spre­chern. So­mit macht es durch­aus Sinn, dass Andre­as Claas hier le­dig­lich ei­nen Zwei­weg­schal­ter zur Pick­up-wahl ver­wen­det. Lässt man den Ver­stär­ker mit High Gain zer­ren, lau­fen die LacePick­ups zur Hoch­form auf. Fett drü­cken­de aber stets straff de­fi­nier­te Bäs­se, warm sin­gen­de Mit­ten und Hö­hen, de­nen stei­gen­de An­schlags­in­ten­si­tät zu­neh­mend Biss und Durch­schlags­kraft ver­leiht. Breit auf­ge­stell­te Ak­kor­de en­den nicht im Sound-brei, son­dern lö­sen trans­pa­rent und de­fi­niert auf. Über­haupt zei­gen die (pas­si­ven) Pick­ups reich­lich He­adroom und un­ter­stüt­zen mit ex­zel­len­ter Dy­na­mik je­de Form von Ton­bil­dung. Ne­ben sei­nen Clean-qua­li­tä­ten bei Ar­peg­gi­os, Sweeps, Me­lo­die- oder Rhyth­mus­spiel fin­det auch der Hals-pick­up sei­nen Platz im High-gain-are­al, wo er mit sam­tig sin­gen­den Lead­sounds oder an­ge­crunch­ten Chor­ds über­zeugt und dank sei­ner Viel­sei­tig­keit ein brei­tes Gen­re­spek­trum von Jazz bis Me­tal be­dient.

re­sü­mee

Im der­zei­ti­gen Boom von Ex­ten­de­dRan­ge-gi­tar­ren hebt sich die nie­der­säch­si­sche Fir­ma Claas Gui­tars von der Mas­se der An­bie­ter mit ei­gen­stän­di­gen, in­no­va­ti­ven De­signs und in­ter­es­san­ten De­tail­lö­sun­gen ab. Schließ­lich er­hielt sie be­reits 2016 für die „kopf­lo­se elek­tri­sche Gi­tar­re Mo­by Dick“den Bay­ri­schen Staats­preis für be­son­de­re tech­ni­sche Leis­tun­gen im Hand­werk. Das op­tisch, vor al­lem aber preis­lich, ab­ge­speck­te Pro­duc­tion- Li­neMo­dell PL6 kann hin­sicht­lich Klang, Dy­na­mik und Sustain ab­so­lut über­zeu­gen. Wäh­rend sich trotz kom­pak­ter Di­men­sio­nen und ge­rin­gen Ge­wichts zu­min­dest für mich die Spiel­bar­keit der obe­ren Griff­brett­re­gio­nen als ech­te Her­aus­for­de­rung ent­puppt, ha­ben of­fen­bar an­de­re da­mit we­ni­ger Pro­ble­me. Mit der Ver­ar­bei­tung kann man im Gro­ßen und Gan­zen zu­frie­den sein, ob­gleich die bu­cke­lig ge­säg­ten Tail­len­zar­gen, die bis­wei­len un­ter dem Null­bund ein­klem­men­de E1-sai­te, die ex­trem schwer­gän­gi­ge Head­less-tu­ner und die bei aus­la­den­den Fin­ger-ben­dings aus ih­ren Rei­ter­ker­ben rut­schen­den Sai­ten ein Ge­schmäck­le hin­ter­las­sen. n

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.