SPEEDMASTER Mar­leaux Vo­tan P30

Ei­ne kur­ze Bass­men­sur macht die Fin­ger schnell – und klingt auch stark, wenn das In­stru­ment or­dent­lich ge­baut ist. Mar­leaux bie­tet jetzt ei­nen grif­fi­gen, grad­li­ni­gen Short­s­ca­le für den un­ge­brems­ten Spiel­spaß, und das na­tür­lich auf ho­hen Ni­veau.

Gitarre & Bass - - News - TEXT Dirk Groll FO­TOS Pe­tia Cht­ar­ko­va

Die auf­ge­räum­te Er­schei­nung des P30Short­s­ca­les soll nicht dar­über hin­weg­täu­schen, dass auf den Bau des In­stru­ments grund­sätz­lich die glei­che Sorg­falt wie bei grö­ße­ren Mo­del­len ver­wen­det wur­de. Schließ­lich geht es auch dar­um, den einst durch Bil­lig­bäs­se lä­dier­ten Ruf der Kurz­men­sur zu re­ha­bi­li­tie­ren.

kurz und bün­dig

Auch bei ei­nem kur­zen Hals kommt es auf die Sta­tik an, wes­halb beim P30 har­ter ka­na­di­scher Ahorn ver­wen­det wird, mit Mar­leaux-ty­pisch sta­bi­ler Kopf­plat­te und sechs­fa­cher Ver­schrau­bung am Kor­pus. Das Griff­brett be­steht aus schö­nem ost­in­di­schem Pa­li­san­der, selbst­ver­ständ­lich stammt das mitt­ler­wei­le ge­schütz­te Holz aus zer­ti­fi­zier­tem Alt­be­stand. Um den Klang der Leer­sai­ten an ge­grif­fe­ne Tö­ne an­zu­glei­chen, ist au­ßer den 22 Jum­bos noch ein Null­bund vor­han­den, der da­hin­ter ein­ge­las­se­ne Kno­chen­sat­tel lenkt die Sai­ten ge­ra­de zu den Stimm­me­cha­ni­ken. Ein vier­fa­cher Nie­der­hal­ter sorgt für op­ti­ma­len Sai­ten­druck und ist so kon­stru­iert, dass er beim Sai­ten­wech­sel nicht stört. Die ge­kap­sel­ten Schal­lerTu­ner sind ex­tra­leich­te Ty­pen mit Kunst­stoff­flü­geln. Für den Kor­pus kommt das Lieb­lings­ma­te­ri­al von Mar­leaux zum Ein­satz, näm­lich Di­be­tou. Knall­or­an­ge la­ckiert, und das mit ei­ner de­zen­ten Me­tal­lic-schicht, stahlt der Short­s­ca­le auch op­tisch aus, was von ihm zu er­war­ten ist. Schi­cke Zu­tat ist das „Ma­kas­sar“-schlag­brett von Al­pi, wo­bei es sich frei­lich nicht wirk­lich um das no­ble Eben­holz han­delt, son­dern um ei­ne per­fek­te Nach­bil­dung aus hei­mi­schen Höl­zern, die sehr ge­schickt ein­ge­färbt sind. Grund­so­li­de Mas­se bie­tet der Mar­leaux/ets-steg aus Mes­sing, sei­ne drei­di­men­sio­nal jus­tier­ba­ren Sai­ten­rei­ter wer­den zu­dem fest­ge­klemmt, so­dass sich

y flinks­ter [6764]

das Ge­bil­de schwin­gungs­tech­nisch wie ein Stück ver­hält. Eben­falls vom Feins­ten ist der Ton­ab­neh­mer, näm­lich die Häus­sel-in­ter­pre­ta­ti­on des klas­si­schen P-split­coils mit Al­ni­co-5-ma­gne­ten. Beim Test­bass wur­de die Schal­tung schlicht und grad­li­nig pas­siv be­las­sen, mit ei­nem Vo­lu­me-reg­ler und ei­ner Hö­hen­blen­de. Das gro­ße Elek­tro­nik­fach im Bo­dy lässt aber auch pro­blem­los die Aus­stat­tung mit ei­ner ak­ti­ven Klan­g­re­ge­lung zu, die ge­ge­be­nen­falls nach­ge­rüs­tet oder di­rekt mit­be­stellt wer­den kann. So kurz sich die We­ge auf dem P30-hals mit sei­ner 764-mm-men­sur auch an­füh­len – man hält den­noch ei­nen er­wach­se­nen Bass in den Hän­den. Das liegt nicht nur an der Sat­tel­brei­te von knapp 41 mm, son­dern auch an den wei­ten Sai­ten­ab­stän­den von 20 mm, die am Steg ein­jus­tiert sind und vol­les Rein­la­gen er­lau­ben. Selbst­ver­ständ­lich hängt der Short­s­ca­le an­ge­nehm aus­ba­lan­ciert in je­der ge­wünsch­ten Spiel­hal­tung, Schal­ler Se­cu­ri­ty Locks hal­ten den agi­len 3,5- Ki­loPlay­er auch bei wil­der Bühnen-ac­tion si­cher am Gurt. Einst hat­te man mit Kurz­men­sur-bäs­sen vor al­lem An­fän­ger und Um­stei­ger von der Gi­tar­re im Vi­sier, ent­spre­chend wa­ren vie­le his­to­ri­sche Short­s­ca­les eher im Bil­ligs­eg­ment an­ge­sie­delt. De­ren li­mi­tier­te Klangleis­tun­gen präg­ten fort­hin das zä­he Vor­ur­teil, dass es sich ge­gen­über

Longs­ca­les nicht um ganz voll­wer­ti­ge Bäs­se han­deln kön­ne. Dass ex­klu­si­ve No­bel­mar­ken wie Alem­bic schon früh das Ge­gen­teil be­wie­sen, muss­te na­tür­lich auf­grund des ex­or­bi­tan­ten Preis­ni­veaus den al­ler­meis­ten ent­ge­hen. Doch in den letz­ten Jah­ren rü­cken ver­kürz­te Bas­sMen­su­ren wie­der mehr in den Fo­kus, ge­ra­de weil sie mit hoch­wer­ti­ger Bau­wei­se kom­bi­niert wer­den – der P30 von Mar­leaux ge­hört ge­nau zu die­ser Spe­zi­es. Und so wird man hier ver­geb­lich nach ver­meint­li­chen Klang­nach­tei­len der Kurz­men­sur su­chen, die tie­fe E-sai­te schnurrt ge­nau­so de­fi­niert und schwing­freu­dig wie die an­de­ren, auch in der strah­len­den Ober­ton­ent­wick­lung und im Sustain braucht sich die­ser Vier­sai­ter nicht zu ver­ste­cken. Im Ge­gen­teil, hier fällt die be­son­ders kon­kre­te und di­rek­te Ton­an­spra­che auf, und be­son­ders für ei­ne P-bas­sVa­ri­an­te ist die kla­re Ar­ti­ku­la­ti­on mit prä­sen­ten Draht­schmat­zern be­mer­kens­wert. Ob­wohl hier elek­trisch nichts ak­tiv hoch­fri­siert ist, agiert der P30 aus­ge­spro­chen frisch und of­fen­siv, was na­tür­lich bes­tens zur flüs­si­gen Be­spiel­bar­keit passt, die flin­ke Läu­fe kin­der­leicht macht.

re­sü­mee

Mit stim­mi­ger Of­fen­si­vi­tät und fri­scher Draht­prä­senz zeigt der neue Mar­leaux-short­s­ca­le, wie ent­spannt man über die Sai­ten flit­zen kann. Da­bei bie­tet der P30 auf­grund sei­ner er­wach­se­nen Bau­wei­se auch für Män­ner­hän­de das an­ge­mes­se­ne Fleisch un­ter den Fin­gern, um oh­ne Hem­mun­gen rein­zu­lan­gen. Und ei­ne Klang­po­tenz, die sich nicht hin­ter ei­nem Longs­ca­le zu ver­ste­cken braucht – nur eben durch die kür­ze­ren Bund­ab­stän­de be­schleu­nigt und mit leicht­gän­gi­gem Spiel­spaß an­ge­rei­chert. n

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.