HAM­BUR­GER DRECKSKERLE

Ground FX Burning Sunn & Ko­loss Ground FX aus Ham­burg ist zwar ei­ne recht jun­ge Fir­ma, sorgt aber mit ih­ren ziem­lich cool aus­se­hen­den Tre­tern für or­dent­lich Wir­bel in der Pe­dalSze­ne. Da­bei weht der schrof­fe Wind aus ei­ner ziem­lich ein­deu­ti­gen Rich­tung: Dr

Gitarre & Bass - - News - TEXT Chris­ti­an Braun­schmidt FO­TOS Die­ter Stork

Bei der Flut an klei­nen Bou­tique-fir­men, wel­che der­zeit wie Pil­ze aus dem Bo­den sprie­ßen, ist es manch­mal schwie­rig, den Über­blick zu be­wah­ren und die am­bi­tio­nier­ten Jung-fir­men von den eher kurz­le­bi­gen Ein­tags­flie­gen zu un­ter­schei­den. So geis­tern die Pe­da­le von Ben La­ging (der Mann hin­ter Ground FX) schon ei­ne Wei­le durch di­ver­se Face­book-pe­dalG­rup­pen und sor­gen dort für ei­ni­ges Auf­se­hen. Zeit al­so, sich die Tei­le mal et­was ge­nau­er an­zu­schau­en.

düs­te­rer look

Zum Test ein­ge­trof­fen sind der Burnin­gSunn-preamp und das Ko­loss-dis­tor­ti­onPe­dal. Die bei­den Ge­rä­te kom­men in ei­nem fei­nen, be­druck­ten Stoffsäck­chen und ma­chen auf den ers­ten Blick ei­nen sehr gu­ten Ein­druck. Die Ge­häu­se sind sand­ge­strahlt (der Mann hat sich al­len Erns­tes ei­ne Sand­strahl­ka­bi­ne zu­ge­legt um sei­ne Ge­häu­se zu be­han­deln) und wer­den an­schlie­ßend mit ei­nem sehr ge­nau­en Sieb­druck ver­se­hen. Die Op­tik macht ei­nen wirk­lich hoch­wer­ti­gen Ein­druck und ich fin­de es er­staun­lich, wie de­tail­liert die je­wei­li­gen Gra­phi­ken ab­ge­bil­det wer­den. Bei­de Tre­ter wei­sen ein ta­del­lo­ses In­nen­le­ben auf und sind aus­ge­spro­chen hoch­wer­tig ver­ar­bei­tet. Wen­den wir uns zu­nächst dem äl­tes­ten Pe­dal des Her­stel­lers, dem Burning-sun­nP­reamp, zu. Hier han­delt es sich um ei­ne Nach­bil­dung des le­gen­dä­ren Mo­del-tVer­stär­kers der Fir­ma Sunn, wel­cher vor al­lem durch die gleich­na­mi­ge Band zu ex­tre­mer Po­pu­la­ri­tät ge­lang­te (sie­he Aus­ga­be 03/2016) und auf dem Ge­braucht­markt zu­wei­len völ­li­ge Mond­prei­se er­zielt. Beim Burning-sunn-pe­dal han­delt es sich nun um ei­ne Jfet-ba­sier­te Ver­si­on der Vor­stu­fe des Ver­stär­kers, wo­bei in der Schal­tung des Ge­rä­tes auch die Si­mu­la­ti­on ei­ner End­stu­fe ver­baut wur­de. Dies hat den Hin­ter­grund, dass der Ver­stär­ker mit den gi­gan­ti­schen Tra­fos und sei­nen 120 Watt erst bei irr­sin­nig ho­hen Laut­stär­ken in die Sät­ti­gung geht, hier aber sei­nen mit­tig-grol­len­den Cha­rak­ter voll zu Ta­ge tre­ten lässt. Um die­sen Ef­fekt zu si­mu­lie­ren, wur­de dem Burning-sun­nPe­dal zum ei­nen be­sag­te Mi­ni-end­stu­fen-si­mu­la­ti­on ver­passt, zum an­de­ren wur­de der Gain-ge­halt im Preamp er­höht, um et­was mehr Zerr-re­ser­ven zu er­hal­ten. Ne­ben der ty­pi­schen Drei­band­klan­g­re­ge­lung und dem Mas­ter-vo­lu­me, ist das Burning-sunn-pe­dal mit zwei Gain-po­tis aus­ge­stat­tet, wel­che die Vo­lu­me-reg­ler des Nor­mal- und des Brigh­tChan­nels des Ori­gi­nals si­mu­lie­ren (der Ver­stär­ker hat ei­nen se­pa­ra­ten Ein­gang

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pro Ka­nal so­wie ei­nen In­put für bei­de Ka­nä­le zu­sam­men). Die Gra­fik des Burning Sunn zeigt ei­ne gänz­lich bren­nen­de Kir­che, de­ren Flam­men hoch in den nächt­li­chen Him­mel schla­gen. Beim Ko­loss fin­den wir ein ähn­lich de­tail­lier­tes Bild, wel­ches den Ko­loss von Rho­dos zeigt. Das in sei­nen Gr­und­zü­gen auf dem Big Muff ba­sie­ren­de Pe­dal, hat ne­ben den bei­den üb­li­chen Si­li­zi­um Di­oden noch ei­ne wei­te­re Ger­ma­ni­um-zer­rStu­fe, wel­che mit ei­nem zwei­ten Fuß­schal­ter ak­ti­viert wer­den kann. Ne­ben den Muff-ty­pi­schen Vo­lu­me-, Gain-, und To­ne-po­tis, wur­de der Ko­loss noch mit ei­nem ak­ti­ven Jfet-blen­dreg­ler aus­ge­stat­tet, mit wel­chem man das Ef­fekt­si­gnal dem tro­cke­nen Sound hin­zu­mi­schen kann – ge­ra­de für Bas­sis­ten ist dies na­tür­lich ein über­aus sinn­vol­les Fea­tu­re. Au­ßer­dem ist di­rekt an den To­ne-reg­ler ein wei­te­res Mit­ten-po­ti an­ge­schlos­sen, wel­ches für ei­ne er­heb­li­che ge­gen­sei­ti­ge Be­ein­flus­sung sorgt. Zu gu­ter Letzt wur­de dem Ko­loss-dis­tor­ti­on ei­ne Sa­tu­ra­ti­on-schal­tung spen­diert, wel­che dar­über be­stimmt, wie viel Bass­ge­halt des Si­gnals in den Schalt­kreis darf. Al­les in al­lem ha­ben wir es mit zwei ziem­lich durch­dach­ten und durch­aus in­ter­es­sant auf­ge­bau­ten Pe­da­len zu tun, die nicht nur hübsch aus­se­hen, son­dern ab­so-

lut ta­del­los ver­ar­bei­tet sind. Le­dig­lich die feh­len­de Be­schrif­tung der Fuß­schal­ter beim Ko­loss-pe­dal und die ge­ne­rell sehr klein ge­hal­te­ne Schrift un­ter den Reg­ler­Knöp­fen fällt mir hier ne­ga­tiv auf.

let’s get dir­ty

Zu­nächst darf der Burning-sunn- Preamp zei­gen, was er so zu bie­ten hat. Schon bei den ers­ten Po­wer­chor­ds mit al­len Reg­lern auf zwölf Uhr wird deut­lich, in wel­che Rich­tung die­ses Teil mar­schiert. Ein dunk­ler, in den Tief­mit­ten un­heim­lich bel­len­der, knur­ri­ger Ton brüllt da aus dem Amp und ich muss sa­gen, dass der Klang mich tat­säch­lich an Ver­stär­ker wie den Mo­del T oder auch den al­ten V4 von Am­peg er­in­nert. Die­sen un­heim­li­chen, ja fast schon er­drü­cken­den Schub in den Mit­ten hört man bei mo­der­nen Gi­tar­ren­ver­stär­kern lei­der nur noch sehr sel­ten. Ge­nau die­se Ei­gen­schaft hat das Burning-sunn-pe­dal wun­der­bar ein­ge­fan­gen. Aber auch in den Hö­hen weiß un­ser Test-ge­rät zu über­zeu­gen. Es ist ei­ne Freu­de, mit dem Ver­hält­nis zwi­schen dem Bright-gain-po­ti und dem Hö­hen­reg­ler zu spie­len und so die ver­schie­de­nen Schat­tie­run­gen der Ober­tö­ne un­ter­schied­lich stark zu be­to­nen. Mit dem Mit­ten- und dem Bass­reg­ler lässt sich das Fun­da­ment des Tons schön ab­stim­men und auch hier macht es ab­so­lut Sinn zu schau­en, wie sich der Equa­li­zer im Zu­sam­men­spiel mit den bei­den Ka­nal-laut­stär­ke- bzw. Gain-reg­lern ver­hält. Dreht man das Bright-po­ti auf Voll­gas, er­hält der Sound auf dem al­ler­letz­ten Stück des Re­gel­wegs ei­ne un­ge­ahn­te Gif­tig­keit, wel­che ge­ra­de mit Sing­le­coils rich­tig gut kommt. Auch bei­de Gain-reg­ler zu­sam­men voll auf­ge­dreht, klin­gen ab­so­lut ho­mo­gen und stim­mig, oh­ne dass ein be- stimm­tes Fre­quenz­spek­trum hier über­frach­tet wir­ken wür­de. Da­bei ha­ben wir es mit ei­nem sat­ten Over­dri­ve mit leich­ten Fuzz-an­lei­hen, kei­nes­wegs aber mit sä­gen­den Dis­tor­ti­on-sounds zu tun. Wer auf der Su­che nach ei­ner eben sol­chen, fie­sen Sä­ge ist, der dürf­te mit dem Ko­loss- Dis­tor­ti­on-pe­dal glück­lich wer­den. Schon mit al­len Po­tis in der neu­tra­len Mit­tel­stel­lung, fin­den wir hier ei­nen fet­ten und dre­cki­gen Zerr­sound, wel­cher viel räu­di­ger und mit­ten­är­mer als der des Burning-sunn-pe­dals ist. Mit dem Sa­tu­ra­ti­on- Reg­ler lässt sich sehr ge­nau fest­le­gen, wie fett das Si­gnal wer­den darf – hier ist es mög­lich, den Ton ent­we­der et­was schlan­ker zu ge­stal­ten oder aber ihn ge­wal­tig auf­zu­pum­pen. Ich fin­de, dass vor al­lem die ers­te Hälf­te des Re­gel­wegs ge­ra­de bei tie­fer ge­stimm­ten Gi­tar­ren sehr gut kommt. Das ab­so­lu­te High­light des Ko­loss- Pe­dals ist aber das Zu­sam­men­spiel von To­ne- und Mit­ten-po­ti. Al­lei­ne durch die­se bei­den Reg­ler er­ge­ben sich so dras­ti­sche Ve­rän­de­run­gen, die den Grund­cha­rak­ter des Ge­räts ex­trem ver­for­men kön­nen. Von völ­lig ge­s­co­op­ten Ba­de­wan­nen-sounds bis zum drü­cken­den Re­tro-mit­ten­brett ist hier im Grun­de al­les mög­lich. Wer nun glaubt, mit dem Ko­loss ein­fach nur ei­ne et­was fle­xi­ble­re Big-muff-va­ria­ti­on vor sich zu ha­ben, der irrt ge­wal­tig. Das Teil ist eher ein viel­sei­ti­ges Dis­tor­ti­on-pe­dal, wel­ches ne­ben den klas­si­schen Muff-sounds noch ei­ne gan­ze Pa­let­te an­de­rer, dre­cki­ger Zerr­klän­ge auf La­ger hat. Wem all dies noch nicht ge­nug ist, der kann mit­tels des zwei­ten Fuß­schal­ters ei­ne zu­sätz­li­che Ger­ma­ni­um-stu­fe ak­ti­vie­ren. Der Ton wird noch­mal deut­lich fet­ter und in den Mit­ten et­was ge­zü­gel­ter; die Ver­zer­rung nimmt da­ge­gen er­heb­lich zu. Ge­ne­rell ist hier ein we­nig Vor­sicht ge­bo­ten, da der Sound wirk­lich un­heim­lich fett wird und der Bass­ge­halt den Laut­spre­chern das Fürch­ten lehrt. Trotz­dem bleibt das Gan­ze nutz­bar und ge­ra­de die Doo­mund Sludge-frak­ti­on wird für die­se zu­sätz­li­che Sound-op­ti­on dank­bar sein.

al­ter­na­ti­ven

Die Fra­ge nach mög­li­chen Al­ter­na­ti­ven zu un­se­ren bei­den Test­pe­da­len lässt sich im Grun­de recht ein­fach be­ant­wor­ten. Im Be­zug auf den Burning-sunn-preamp wä­re da zum ei­nen das Door-stop-pe­dal von Lo­ne Wolf Au­dio, wel­ches ähn­lich viel­sei­tig aus­ge­stat­tet, aber auch ein we­nig teu­rer ist. Auch das Al­ca­pul­co Gold von Ear­t­h­qua­ker De­vices könn­te man ins Au­ge fas­sen – hier hat man je­doch viel we­ni­ger Re­gel­mög­lich­kei­ten. Beim Ko­loss-dis­tor­ti­on-pe­dal fällt mir so­fort das De­ad Stagg von KMA Au­dio Ma­chi­nes aus Ber­lin ein. Wer et­was we­ni­ger Geld in die Hand neh­men möch­te, könn­te das Ger­ma­ni­um Muff von EHX mit in die Aus­wahl neh­men – klang­lich geht es hier zwar in ei­ne et­was an­de­re Rich­tung, trotz­dem han­delt es sich um ein sehr viel­sei­ti­ges Muff Pe­dal mit zu­sätz­li­cher Boost-op­ti­on.

re­sü­mee

€Mit den bei­den zum Test vor­lie­gen­den Tret­mi­nen ist der Markt mal wie­der um zwei wirk­lich tol­le Pe­da­le rei­cher ge­wor­den. Die­se bei­den Ham­bur­ger Dreckskerle leis­ten gan­ze Ar­beit und las­sen kei­ner­lei Zwei­fel dar­an auf­kom­men, dass wir es mit zwei hoch­pro­fes­sio­nel­len Ge­sel­len zu tun ha­ben, die ih­ren Job ver­ste­hen. Hier stimmt von der Ver­ar­bei­tung, über das De­sign und die Aus­stat­tung bis hin zum Sound ein­fach al­les und ich möch­te je­dem, der auf dre­ckig-räu­di­ge Doom-sounds steht ra­ten, die­se bei­den Tre­ter ein­mal an­zu­tes­ten. In­ter­net: www.ground-fx.sto­re Preis ( Street): Burning Sunn ca. Ko­loss ca. 220 n

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