Mei­len­stein 1995! New Po­wer Ge­ne­ra­ti­on: Exo­dus

1995

Gitarre & Bass - - Inhalt -

Prin­ce! Der Sän­ger, Song­wri­ter, Mul­ti­in­stru­men­ta­list, En­ter­tai­ner und Pro­du­zent aus Min­nea­po­lis hat in vie­ler­lei Hin­sicht Maß­stä­be ge­setzt. In den 80ern avan­cier­te er mit sei­ner Fu­si­on aus Pop, Funk, Rock und Soul zu ei­nem der Su­per­stars, be­feu­ert von sei­nem gla­mou­rö­sen Stil und sei­nen En­ter­tai­ner-qua­li­tä­ten. Die Hits aus die­ser Pha­se – dar­un­ter ,Sign The Ti­mes‘, ,Kiss‘ und die Über­bal­la­de ,Pur­p­le Rain‘ – sind ge­nau­so zahl­reich wie die An­ek­do­ten über den Ex­zen­tri­ker. Zu den be­kann­tes­ten ge­hört wohl je­ne, in der Prin­ce ein An­ge­bot von Micha­el Jack­son ab­lehn­te, mit ihm den spä­te­ren Hit ,Bad‘ ge­mein­sam auf­zu­neh­men. Die 90er-jah­re wur­den für Prin­ce zu ei­ner Pha­se des Um­bruchs. So koch­te der Är­ger mit sei­nem La­bel War­ner Bro­thers Re­cor­ds so rich­tig hoch. Zu­dem hat­te er mit New Po­wer Ge­ne­ra­ti­on ei­ne neue Band am Start, die zu­neh­mend in den Vor­der­grund sei­nes Schaf­fens rück­te. Das ers­te Al­bum oh­ne den Vor­satz „Prin­ce & The ... “er­schien 1993, wur­de je­doch nur auf Kon­zer­ten und per Te­le­fon ver­kauft – heu­te ist die LP ,Gold­nig­ga‘ ein ge­such­tes Samm­ler­stück. Erst mit ,Exo­dus‘ von 1995 wur­de die New Po­wer Ge­ne­ra­ti­on als ei­gen­stän­di­ges Pro­jekt ei­ner brei­ten Öf­fent­lich­keit be­kannt. Und das star­te­te mit fet­tem Funk: ,Get Wild‘ wur­de strai­ght an­ge­trie­ben von Drum­mer Micha­el B. (Bland), Bas­sist Son­ny T. (Thomp­son) und den kna­cki­gen New Po­wer Ge­ne­ra­ti­on Hornz. Alt­mo­di­scher ging‘s mit dem In­stru­men­tal ,DJ Gets Jum­ped‘ in Rich­tung 70erFunk. Auch die Soul-bal­la­de ,Cher­ry Cher­ry‘ strahlt klas­si­sches Pa­thos aus. Die Schlei­cher konn­te Prin­ce ja schon im­mer be­son­ders gut, zu den bes­ten Bal­la­den zähl­te auch ,Count The Days‘, des­sen wirk­lich schö­ne Stim­mung durch den in­fla­tio­nä­ren Ge­brauch des Kraft­worts – Ach­tung lie­be El­tern, es folgt ei­ne von vie­len Un­zwei­deu­ti­gen auf die­sem Al­bum – „Mo­ther­fu­cker“hu­mor­voll un­ter­lau­fen wur­de. Den für Prin­ce ty­pi­schen Pop-funk, den er in den 80ern er­fun­den hat­te, spie­gel­ten Songs wie ,Re­turn Of The Bump Squad‘ oder ,The Good Life‘. Ei­ner der Hö­he­punk­te war das lang­sa­me ,Hal­lu­ci­na­ti­on Rain‘ mit sei­nem hyp­no­ti­schen Bass, über den sich Vo­cals, ei­ne elek­tri­sche Gei­ge und Key­boards re­gel­recht aus­brei­ten. Wirk­lich scharf, wie die Mu­si­ker spä­ter an­zie­hen und der Groo­ve ro­ckig ab­hebt. Auf ,Exo­dus‘ rück­ten die Prin­ce-be­glei­ter in den Vor­der­grund. So über­nahm Bas­sist Son­ny T. hier teil­wei­se die Le­ad-vo­cals. Auch Tom­my Bar­ba­rel­la am Pia­no und der von Prin­ce er­fun­de­nen Pur­ple­a­x­xe (ein Key­board das man wie ei­ne Gi­tar­re über die Schul­ter hän­gen kann, auch Key­tar) und Mr. Hayes an Synth und Or­gel hat­ten viel Raum. Und was spiel­te nun Prin­ce, der sich hin­ter dem Pseud­onym „To­ra To­ra“ver­steck­te? Nun, in den Li­ner No­tes steht „dou­ble bass, vox and ot­her shit“. Der vir­tuo­se und spek­ta­ku­lä­re Gi­tar­rist, als den man ihn spä­tes­tens seit dem Mei­len­stein , Pur­p­le Rain‘ kann­te, hielt sich weit­ge­hend zu­rück. Viel­mehr muss man die For­mu­lie­rung „dou­ble

bass“(dt. ei­gent­lich Kon­tra­bass) wört­lich neh­men, denn er spiel­te hier auch E-bass, teil­wei­se zu­sam­men mit Son­ny T. Und das funk­tio­nier­te wohl auch li­ve. In ei­nem ,Get Wild‘-mit­schnitt vom April 1995 der Chan­nel-4-mu­sik­sen­dung ‘The Whi­te Room’ hör­te und sah man, wie Son­ny, der be­kannt da­für war, meist War­wick-dol­phin-mo­del­le zu be­nut­zen, aus dem Hin­ter­grund die tie­fen tra­gen­den Li­ni­en setz­te, wäh­rend Prin­ce vor­ne mit ei­nem kom­pri­mier­te­ren Klang in ho­hen La­gen die­se dop­pel­te oder Fills spiel­te. Hier sah man ihn mit ei­nem vier­sai­ti­gen wei­ßen War­wick-thumb-bas­sMo­dell, mit der auf­fäl­li­gen ex­tra an­ge­fer­tig­ten La­ckie­rung ei­nes über­di­men­sio­na­len Au­ges. Üb­ri­gens: iro­ni­scher­wei­se war es Son­ny T., der sei­nem Fan Prin­ce viel über das Bass-spie­len bei­ge­bracht hat­te. Mit ei­nem teils er­di­gen Band-sound kehr­te Prin­ce ein Stück weit zu sei­nen Wur­zeln zu­rück, wie et­wa zu Ge­or­ge Cl­in­ton And Par­li­a­ment/funk­ade­lic. Ähn­lich wie die­se, mach­te es die Po­wer Ge­ne­ra­ti­on dem Hö­rer nicht ganz ein­fach. Das Al­bum ist durch­zo­gen von hör­spiel­ar­ti­gen Se­quen­zen, und auch in den Songs über­ra­schen im­mer wie­der schrä­ge Sounds, ver­frem­de­te Stim­men, Über­lap­pun­gen und Sam­ples. Mit sei­nem Ex­pe­ri­men­tier­wil­len, der über­bor­den­den Mu­si­ka­li­tät und sei­ner Rück­be­sin­nung war ,Exo­dus‘ viel­leicht ge­nau das rich­ti­ge Funk-al­bum im Jahr­zehnt von Cross­over und Grun­ge. n [6748]

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