Kin­ga Głyk: Bloß nicht be­rühmt wer­den

B l o ß n i c h t b e r ü hmt w e r d e n Die pol­ni­sche Bas­sis­tin Kin­ga Głyk ist für vie­le die Ent­de­ckung des Jazz- Jah­res 2018! Ihr ak­tu­el­les Al­bum ‚ Dream‘ hat in der Fach­pres­se für Fu­ro­re ge­sorgt, ih­re Kon­zer­te sind um­ju­bel­te De­mons­tra­tio­nen ei­ner über

Gitarre & Bass - - Inhalt - Sto­ry & Fo­tos: Mat­thi­as Mi­n­eur

Ge­ra­de des­halb ist jetzt der per­fek­te Zeit­punkt, um der jun­gen Mu­si­ke­rin ei­nen Be­such ab­zu­stat­ten und sie ein we­nig nä­her ken­nen­zu­ler­nen. Es lohnt sich, wie un­ser Tref­fen mit ihr im Wil­helms­ha­ve­ner Pump­werk zeigt, denn au­ßer ih­ren fa­bel­haf­ten Fin­ger­fer­tig­kei­ten und ei­ner in­tui­ti­ven Be­ga­bung für ihr In­stru­ment ist die Po­lin auch noch au­ßer­or­dent­lich freund­lich. Kein Zwei­fel: Kin­ga hat ei­ne gro­ße Kar­rie­re vor sich, auch wenn sie sich da­vor ein we­nig fürch­tet. Wir wer­den sie ganz ge­nau im Au­ge be­hal­ten.

in­ter­view

Kin­ga, fan­gen wir zu­nächst ganz vor­ne an: Wie bist du über­haupt zur Mu­sik ge­kom­men? Sind dei­ne El­tern auch Mu­si­ker? Ja. Ich stam­me aus ei­ner au­ßer­or­dent­lich mu­si­ka­li­schen Fa­mi­lie. Mein Va­ter spielt Vi­bra­phon und Schlag­zeug, mein Bru­der ist eben­falls Drum­mer und Ton­tech­ni­ker. Mit zwölf spiel­te ich mit den bei­den in ei­ner Art Fa­mi­li­en­band. Wir ha­ben so­gar ei­ne CD auf­ge­nom­men, die vor ei­ni­gen Jah­ren ver­öf­fent­licht wur­de. Ich hat­te al­so qua­si ei­nen Bilderbuch-start ins mu­si­ka­li­sche Le­ben, ich be­kam al­le nur er­denk­li­che Un­ter­stüt­zung und wuchs gleich­zei­tig sehr be­hü­tet auf. Heu­te ist mein Va­ter der Schlag­zeu­ger mei­ner Band und mei­ne wich­tigs­te künst­le­ri­sche In­spi­ra­ti­on. In wel­chem Al­ter hast du zum ers­ten Mal ei­nen Bass in die Hand ge­nom­men? Mit elf Jah­ren. Es war al­so nur ein knap­pes Jahr zwi­schen mei­nen ers­ten Geh­ver­su­chen als Bas­sis­tin und mei­nem Büh­nen­de­büt mit mei­ner Fa­mi­li­en-band.

Klingt nach Lie­be auf den ers­ten Blick. Ja, manch­mal den­ke ich, dass sich da zwei ge­sucht und ge­fun­den ha­ben. Zu­mal ich nie­mals auch nur an­satz­wei­se mit ir­gend­ei­nem an­de­ren In­stru­ment ge­lieb­äu­gelt hät­te. We­der mit dem Schlag­zeug, ob­wohl mein Va­ter ein erst­klas­si­ger Drum­mer ist, noch mit Gi­tar­re oder Kla­vier. Es stand im­mer fest, dass ich nur Bass spie­len woll­te. Ich kann mich noch gut dar­an er­in­nern, dass ich schon als klei­nes Mäd­chen stän­dig vor dem Ra­dio ge­stan­den und die Be­we­gun­gen ei­ner Bas­sis­tin nach­ge­ahmt ha­be. Mei­ne Fa­mi­lie dach­te nur: „Wie son­der­bar, dass ein jun­ges Mäd­chen so auf den Bass ab­fährt!“Als ich äl­ter war, bat ich mei­nen Va­ter, mir ei­nen Bass zu kau­fen. Ich bin sehr dank­bar, dass er mir ei­nes Ta­ges ein Kin­der­in­stru­ment ge­schenkt hat. Kannst du dich an die Mar­ke er­in­nern? Oh ja, na­tür­lich. Es war ein Fen­der-bass. Was sonst? (lä­chelt) Und dei­ne ers­te Lieb­lings­band? Ganz klar: To­to. Bei To­to fin­det man vie­le tol­le Songs mit über­ra­gen­den Bass-parts. Mein gro­ßes Vor­bild ist al­ler­dings Ja­co Pas­to­ri­us. Ich ha­be schon sehr früh sei­ne Vi­de­os auf Youtu­be an­ge­schaut und da­bei ge­merkt, dass er nicht nur mu­si­ka­lisch, son­dern in je­der Hin­sicht et­was Be­son­de­res mit­zu­tei­len hat. Ja­co Pas­to­ri­us hat mich von Be­ginn an tief be­ein­druckt. Bis heu­te ist er der Mu­si­ker, vor dem ich den größ­ten Re­spekt ha­be. Zwi­schen To­to und Ja­co Pas­to­ri­us gibt es al­ler­dings ei­ni­ge si­gni­fi­kan­te sti­lis­ti­sche Un­ter­schie­de. Wann hast du dich ge­gen Pop und Main­stream und statt­des­sen für den Jazz ent­schie­den? Ich den­ke, dass ich mich nicht ge­gen Pop und für den Jazz ent­schie­den ha­be, denn ich mag je­de Art von gu­ter Mu­sik. Zeig mir ei­nen Song, der mir ge­fällt, und ich möch­te ihn spie­len kön­nen. Ich wür­de mein De­büt­al­bum auch nicht un­be­dingt als rei­ne Jazz-schei­be klas­si­fi­zie­ren, son­dern als Mi­schung aus Soul, Funk, Jazz und so­gar ein we­nig Blues. Ich möch­te in mei­nen Songs ein­fach nur mei­ne Ge­füh­le aus­drü­cken und sie mit dem Pu­bli­kum tei­len. Wie sind die Songs dei­nes Al­bums ent­stan­den? Wie kom­po­nierst du? Der wich­tigs­te As­pekt ei­nes Songs ist für mich der Rhyth­mus. Ich glau­be, dass man die Auf­merk­sam­keit der Leu­te vor al­lem durch ei­nen gu­ten Groo­ve be­kommt. Wenn der stimmt, kannst du die Zu­schau­er mit ei­ner star­ken Me­lo­die um­so leich­ter be­rüh­ren. Au­ßer­dem ha­be ich fest­ge­stellt, dass es für mich ein­fa­cher ist, Bal­la­den zu kom­po­nie­ren an­statt schnel- le­re Num­mern. Des­we­gen sind die Mehr­zahl der Stü­cke, die ich ge­schrie­ben ha­be, ru­hi­ge­re Num­mern. Brauchst du ei­ne be­stimm­te Stim­mung, um krea­tiv sein zu kön­nen? Am leich­tes­ten fällt mir das Kom­po­nie­ren, wenn ich ein we­nig trau­rig bin, denn dann bin ich ganz na­he an mei­nen Ge­füh­len. Manch­mal greift man sich ja ein­fach sei­nen Bass und spielt et­was, oh­ne da­bei et­was Be­son­de­res zu füh­len. Aber wenn man trau­rig oder be­son­ders glück­lich ist, fühlt man das, was man spielt, noch in­ten­si­ver. Mu­sik be­steht ja vor al­lem aus Emo­tio­nen, des­halb sind sie beim Song­wri­ting so hilf­reich. Wie se­hen dei­ne Zu­kunfts­er­war­tun­gen aus? Wo willst du hin, als Mensch und als Künst­ler? Hast du kon­kre­te Zie­le? Ehr­lich ge­sagt: Ich weiß es nicht. Mich schreckt ein we­nig der Ge­dan­ke ab, mög­li­cher­wei­se be­rühmt zu wer­den. Denn ich mag zwar Men­schen, aber ich kann nur schwer da­mit um­ge­hen, wenn man be­stimm­te Er­war­tun­gen an mich hat. In mei­nen jun­gen Jah­ren hat­te ich ei­ne Band mit mei­nem Bru­der am Schlag­zeug und ei­nem sei­ner Freun­de an der Gi­tar­re. Die bei­den Jungs träum­ten da­von, be­rühmt zu wer­den. Ich da­ge­gen woll­te das nie. Ich woll­te im­mer nur mei­ne Mu­sik spie­len, al­les an­de­re fällt mir eher schwer. Du gehst nicht ger­ne auf die Büh­ne? Doch, ich lie­be die Büh­ne, denn dort bin ich aus­schließ­lich auf mei­ne Mu­sik fo­kus­siert. Ich schal­te mei­nen Kopf aus und füh­le mich kom­plett in der Mu­sik ver­sun­ken. Des­we­gen lie­be ich es, auf der Büh­ne zu ste­hen. Auch den Kon­takt zu mei­nem Pu­bli­kum nach der Show mag ich, aber all die an­de­ren Aspek­te des Mu­si­ker­da­seins, al­so In­ter­views und so wei­ter, ängs­ti­gen mich eher. Ich weiß es zu schät­zen, dass Men­schen wie du In­ter­es­se an mir und mei­ner Mu­sik ha­ben und mir auf die­se Wei­se bei mei­ner Pas­si­on hel­fen. Ich weiß auch, dass vie­le an­de­re jun­ge Künst­ler al­les da­für ge­ben wür­den, um jetzt hier mit dir zu sit­zen und ein In­ter­view für GI­TAR­RE & BASS ge­ben zu dür­fen. Zu­mal ich es je­dem gön­ne, der gu­te Mu­sik macht. Denn es gibt so un­glaub­lich vie­le gu­te Mu­si­ker, die nie­mals wirk­lich be­kannt wer­den. Sie al­le brau­chen Men­schen wie dich, die über sie be­rich­ten. Und da­für müs­sen sie an die Öf­fent­lich­keit ge­hen. Ich weiß, und des­halb spie­le ich so vie­le Kon­zer­te wie mög­lich, weil ich das ei­ner­seits lie­be und ich an­de­rer­seits da­durch die Mög­lich­keit be­kom­me, von mei­ner Mu­sik le­ben zu kön­nen. Ich muss nur auf­pas­sen, dass ich von al­le­dem, was ge­ra­de um mich her­um pas­siert, nicht über­rollt wer­de. Denn ich bin jung und muss noch viel ler­nen, zu­mal die Leu­te so viel von mir er­war­ten. Ich muss al­so hart ar­bei­ten, viel

ler­nen und gleich­zei­tig die Gunst der Stun­de nut­zen und al­les das, was der­zeit pas­siert, ge­nie­ßen. Ein ganz schön di­cker Bro­cken für ei­ne 21-Jäh­ri­ge. Ja, so fühlt es sich manch­mal auch an. Zum Glück ha­be ich noch ein we­nig Zeit für das kom­men­de Al­bum, das erst 2019 er­schei­nen soll. Ich ha­be be­reits die ers­ten Songs da­für kom­po­niert und hof­fe, dass sich die Schei­be vom ak­tu­el­len Al­bum ein we­nig un­ter­schei­den wird. Wich­tig ist, dass sie zu 100% nach mir klingt, und nicht wie die Ko­pie ei­nes an­de­ren Künst­lers.

gear

Dein ers­tes In­stru­ment war ein Fen­der-kin­der­bass, was war dein ers­ter „rich­ti­ger“Tief­tö­ner? Auch ein Fen­der! (lacht) Ich lie­be Fen­derBäs­se! Dein zwei­ter Bass heu­te Abend stammt al­ler­dings von Gre­co, ei­ne Art Gib­son-eb-3-ko­pie. Ja, das stimmt. Er hat den per­fek­ten Sound für mei­ne Bal­la­den. Mein Fen­der ist Bau­jahr 2006 und da­mit noch re­la­tiv jung. Im Mo­ment su­che ich nach ei­nem äl­te­ren Mo­dell, das schon et­was ab­ge­schabt sein und ein paar Jah­re und Er­leb­nis­se auf dem Bu­ckel ha­ben soll. Wel­chen Bass-amp be­vor­zugst du? Zur­zeit spie­le ich ein Topteil der pol­ni­schen Fir­ma JK und den U5 von Ava­lon, ein Di-preamp, den mein Bru­der ent­deckt hat. Mein Bru­der ist zugleich un­ser TonMann und schwört auf den Sound des Ava­lon. Aus­ge­ge­ben wird das Si­gnal über zwei Agui­lar-bo­xen. Was gibt es über dei­ne ak­tu­el­len Ef­fekt­ge­rä­te zu sa­gen? Ich ver­wen­de nur we­ni­ge Pe­da­le, aber die sehr ger­ne. Wich­tig sind na­tür­lich die Oc­ta­ver- und Pitchs­hif­ter-funk­tio­nen im NA­NO-POG, hin­zu kommt ein Agui­larCho­rus und ein Leh­le-swit­cher, um mit meh­re­ren Bäs­sen in den glei­chen Ka­nal des Amps ge­hen zu kön­nen. n

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