Auf den Bau­stel­len wird der Sand knapp

Eng­päs­se bei be­stimm­ten Sor­ten zur Her­stel­lung von Be­ton trei­ben die Im­mo­bi­li­en­prei­se

Göttinger Tageblatt - - ERSTE SEITE - Von Alex­an­der Sturm

Deutsch­land hat von Na­tur aus viel Sand, doch An­woh­ner und Um­welt­schüt­zer weh­ren sich ge­gen neue Ab­bau­gru­ben. Nun warnt die Bau­wirt­schaft vor Eng­päs­sen in Städ­ten. Denn im Im­mo­bi­li­en­boom geht man­cher­orts der Sand für Be­ton aus. Je­der Deut­sche ver­braucht pro Jahr neun Ton­nen Sand.

Frankfurt. Er la­gert in Au­en am Rhein, in Nord- und Ost­deutsch­land und im baye­ri­schen Al­pen­vor­land: Das an­sons­ten roh­stoff­ar­me Deutsch­land hat ge­wal­ti­ge Sand­vor­kom­men; und un­be­merkt be­stim­men die win­zi­gen Kör­ner zwi­schen 0,063 und 2 Mil­li­me­tern Grö­ße den All­tag der Ver­brau­cher. Sand steckt in Glas, Au­to­schein­wer­fern, Smart­pho­ne-dis­plays, Kos­me­tik und so­gar Zahn­pas­ta. Er wird ge­nutzt, um Was­ser zu fil­tern oder Zü­ge bes­ser zu brem­sen.

„Rech­ne­risch ver­braucht je­der Deut­sche ein Ki­lo Gestein pro St­un­de“, sagt Bert Vul­pi­us, Ge­schäfts­füh­rer des Un­ter­neh­mer­ver­bands Mi­ne­ra­li­sche Bau­stof­fe. Pro Jahr sei­en das fast neun Ton­nen. Doch Sand und der grö­be­re Kies sind knapp; vor al­lem am Bau, wo sie für Be­ton, Zie­gel, As­phalt und Mör­tel ge­braucht wer­den. Im Im­mo­bi­li­en­boom, der nun schon seit fast zehn Jah­ren an­hält, ist die Nach­fra­ge nach dem Roh­stoff ra­sant ge­stie­gen. Schon warnt die Bau- und In­ge­nieur­bran­che vor Sand-man­gel. Er ver­teu­re Be­ton und trei­be die Bau­prei­se hoch, und da­mit die Mie­ten in den Städ­ten. Bei be­stimm­ten Sor­ten für die Be­ton-pro­duk­ti­on ge­be es „aku­te Pro­ble­me“bei der Lie­fe­rung, er­klär­te der Zen­tral­ver­band Deut­sches Bau­ge­wer­be (ZDB). Die Fol­ge sei­en kräf­ti­ge Preis­an­stie­ge: Be­ton ha­be sich et­wa in Ber­lin in den ver­gan­ge­nen neun Mo­na­ten um rund zehn Pro­zent ver­teu­ert. Auch in Köln und Düs­sel­dorf ge­be es im­mer wie­der zeit­lich be­grenz­te Eng­päs­se.

Bei frisch ge­misch­tem Be­ton bei­spiels­wei­se wird es eng. Bei die­sem Trans­port­be­ton ge­be es Pro­ble­me in der Ver­sor­gung mit Zu­schlag­stof­fen wie Sand oder Kies, sagt Vul­pi­us, vor al­lem in Bal­lungs­räu­men, wo La­ger­stät­ten fehl­ten. Gera­de im dicht be­sie­del­ten Süd­deutsch­land wer­de es im­mer schwe­rer, Flä­chen für den Roh­stoff­abbau zu be­kom­men. Zwar hat Deutsch­land rei­che na­tür­li­che Vor­kom­men an Sand, er­klärt die Bun­des­an­stalt für Geo­wis­sen­schaf­ten und Roh­stof­fe (BGR). Die rund 2000 Sand- und Kies­gru­ben hier­zu­lan­de ge­win­nen 240 Mil­lio­nen Ton­nen Bau­sand und Kies pro Jahr. Ein Groß- teil der Vor­kom­men lie­ge al­ler­dings in Na­tur­schutz­ge­bie­ten, un­ter Wohn- und Ge­wer­be­flä­chen und sei da­mit nicht ab­bau­bar. Auch Bau­ern wol­len in Zei­ten stei­gen­der Grund­prei­se kei­ne Äcker ver­kau­fen. Auch Im­por­te sei­en kaum ei­ne Lö­sung, sagt Vul­pi­us. Denn die ton­nen­schwe­re Last des San­des macht Trans­por­te perlkw­teu­er.

Mit dem Sand-man­gel steht Deutsch­land nicht al­lei­ne da. Welt­weit schwin­den die Vor­kom­men, et­wa in den boo­men­den Schwel­len­län­dern Asi­ens. „Sand und Kies sind die am meis­ten ab­ge­bau­ten Res­sour­cen der Welt“, so Au­ro­ra Tor­res, Wis­sen­schaft­le­rin am Deut­schen Zen­trum für in­te­gra­ti­ve Bi­o­di­ver­si­täts­for­schung in Leip­zig. In In­di­en zeig­ten sich schon ex­tre­me Fol­gen: Dort füh­re Sand­knapp­heit zum Aus für Bau­pro­jek­te.

FO­TO: CANDY WELZ/DPA

Be­stimm­te Sandsor­ten sind Man­gel­wa­re. För­der­bän­der in ei­ner Kies­gru­be bei Leip­zig.

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