Ab­schied von Jan Fed­der

Trau­er­fei­er im Mi­chel: Ham­burg ver­ab­schie­det sich von dem Volks­schau­spie­ler Jan Fed­der

Göttinger Tageblatt - - ERSTE SEITE - Von Tho­mas Kielhorn und Mat­thi­as Halbig

Ham­burg sagt Tschüss: In ei­ner be­we­gen­den Trau­er­fei­er ha­ben Fa­mi­lie, Freun­de und Fans am Di­ens­tag im Mi­chel Ab­schied von Schau­spie­ler Jan Fed­der ge­nom­men.

Ham­burg. „So­lan­ge das Le­ben Spaß macht, kann man das auch wei­ter ger­ne ma­chen“, sag­te der le­bens­lus­ti­ge Jan Fed­der ein­mal. Zum 65. Ge­burts­tag, so hat­te er noch im No­vem­ber 2018 dem „Ham­bur­ger Abend­blatt“ver­ra­ten, wün­sche er sich ei­nen Auf­tritt der bri­ti­schen Hard­rock­le­gen­de Deep Pur­p­le. Dann starb er an Krebs. Ges­tern nun fand im Ham­bur­ger Mi­chel die Trau­er­fei­er für Fed­der statt – am Ge­burts­tag und wie ge­wünscht mit: Deep Pur­p­le. Zu Be­ginn sang die Ham­bur­ger Sän­ge­rin Jes­sy Mar­tens „Child in Ti­me“.

Un­ter den 2000 ge­la­de­nen Gäs­ten wa­ren nicht nur Fa­mi­lie und Freun­de, son­dern auch zahl­rei­che pro­mi­nen­te Tv-ge­sich­ter: Mo­de­ra­tor Jörg Pi­la­wa, Schau­spie­ler Ben Be­cker, Ko­mi­ker Mi­ke Krü­ger, Sän­ger H. P. Ba­xx­ter, „Groß­stadt­re­vier“-kol­le­ge Till Dem­trö­der, Schau­spie­ler Heinz Ho­enig, Exndr-in­ten­dant Lutz Mar­mor und vie­le mehr. Men­schen, die mit Fed­der ge­ar­bei­tet, ge­lebt und ge­fei­ert hat­ten. Schon zu­vor hat­ten Hun­der­te Ham­bur­ger drau­ßen ge­war­tet, um ih­ren Jan zu eh­ren. Für sie gab es ei­nen rie­si­gen Bild­schirm. In den ver­gan­ge­nen Ta­gen soll es noch zahl­rei­che An­fra­gen ge­ge­ben ha­ben, wie man denn Kar­ten für die Trau­er­fei­er er­wer­ben kann – man konn­te nicht.

Zu Be­ginn des Trau­er­got­tes­diensts hör­te man Fed­ders Stim­me vom Band. Rau­chig sang er die See­manns­hym­ne „La Pa­lo­ma“. Bei der Zei­le „Früh oder spät schlägt je­dem von uns die St­un­de“stan­den vie­len Trau­er­gäs­ten Trä­nen in den Au­gen. Um den Sarg her­um ver­teilt la­gen vie­le Krän­ze. Auf ei­ner Staf­fe­lei stand ein Por­trät des Schau­spie­lers. Das be­rühm­te Lä­cheln, da­ne­ben der Satz „Fed­der geht’s nicht“.

In die­ser Kir­che al­ler Ham­bur­ger Kir­chen woll­te er sei­ne Trau­er­fei­er ha­ben. Hier im ba­ro­cken Ge­prä­ge war Fed­der ge­tauft und kon­fir­miert wor­den, hier hat­te er sei­ne Frau Ma­ri­on ge­hei­ra­tet. Und hier hat­te er auch je­des Jahr die Weih­nachts­ge­schich­te vor­ge­le­sen, wie Pas­tor Alex­an­der Rö­der in sei­ner An­spra­che be­ton­te. „Er war so ner­vös, dass er in der Sa­kris­tei ei­ne Zi­ga­ret­te nach der an­de­ren ge­raucht hat“, er­in­ner­te sich der Geist­li­che. „Ver­bo­ten hat ihm das nie­mand – es hät­te sich aber wohl auch nie­mand ge­traut.“

Vom „gro­ßen Volks­schau­spie­ler“war vor der Kir­che oft die Re­de. Das ist die Sor­te Darstel­ler, de­ren Auf­trit­te zwar Lo­kal­ko­lo­rit ver­sprü­hen, die aber Men­schen im gan­zen Land be­rüh­ren. Dem Pu­bli­kum er­schien Fed­der in den 22 Jah­ren als brud­de­li­ger Bau­er Bra­kel­mann in „Neu­es aus Büt­ten­war­der“wie ei­ner von ne­ben­an. In 30 Jah­ren als Dirk Mat­t­hies vom „Groß­stadt­re­vier“war er ein Tv-po­li­zist, den so­gar die ech­ten Po­li­zis­ten lieb­ten, wie es Ham­burgs Po­li­zei­prä­si­dent Ralf Mar­tin Mey­er im Mi­chel zum Aus­druck brach­te. Fed­der – das war ein Ori­gi­nal, ein Un­ver­stell­ter und ein Freund. „Haupt­be­ruf­lich bin ich Mensch. Ne­ben­be­ruf­lich dann Schau­spie­ler“, pfleg­te er zu sa­gen.

Fed­der wird blei­ben. Und wahr­schein­lich wird es auch ei­nen Janfed­der-platz ge­ben. So will es die Ham­bur­ger Cdu-frak­ti­on und reich­te am Mon­tag­abend ei­nen ent­spre­chen­den An­trag ein.

„Der Him­mel be­kommt jetzt ei­nen Schutz­mann“, sag­te Ardpro­gramm­di­rek­tor Vol­ker Her­res. Die letz­ten, die be­we­gends­ten Wor­te aber ge­hör­ten Fed­ders Wit­we Ma­ri­on: „Das ist der schwers­te Gang, den ich je ma­chen muss­te. Du warst mei­ne Fa­mi­lie, mein Mann, mein Fels, mein engs­ter Ver­trau­ter, mein Al­les. Es wird nie wie­der je­man­den ge­ben so wie dich. (...) Ein­mal noch über die Ree­per­bahn, das hast du dir ge­wünscht. Und dann heißt es schla­fen. Für ei­ne lan­ge, lan­ge Zeit. End­lich Ru­he ha­ben und träu­men. Von all den schö­nen Din­gen, die du er­lebt hast. Mein ge­lieb­ter Jan. Schlaf gut.“

Ich ha­be so viel von dir ge­lernt, wir ha­ben ge­lacht und ge­weint, sind durch dick und dünn ge­gan­gen.

Ma­ri­on Fed­der in ih­rer Re­de über Ehe­mann Jan

FOTOS: DA­NI­EL REIN­HARDT/DPA; THORS­TEN JAN­DER/ARD

Der Sarg von Jan Fed­der (li.) wird nach der Trau­er­fei­er aus der Kir­che ge­tra­gen – zur letz­ten Fahrt über die Ree­per­bahn.

FOTO: DA­NI­EL REIN­HARDT/DPA

„Mein ge­lieb­ter Jan“: Wit­we Ma­ri­on Fed­der mit Jörg Paw­lik, Pro­duk­ti­ons­lei­ter der Se­rie „Groß­stadt­re­vier“, vor dem Mi­chel.

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Schau­spie­le­rin Uschi Glas und Mo­de­ra­tor Rein­hold Beck­mann vor dem Ein­gang der Ham­bur­ger Kir­che St. Michaelis.

FOTO: CHRIS­TI­AN CHA­RI­SI­US/DPA

Schau­spie­ler Ben Be­cker auf dem Weg in den Trau­er­got­tes­dienst.

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