Göttinger Tageblatt

Wahlhelfer haben Anspruch auf eine Corona-impfung

Wirkt die Zusage als eine Art Lockmittel, um sich ehrenamtli­ch zu engagieren? Eine Umfrage

- Von Ulrich Meinhard

Wahlhelfer haben Anspruch auf eine Schutzimpf­ung gegen Corona. In Berlin entdeckten jetzt plötzlich Tausende ihr Interesse an diesem Ehrenamt. In der Region ist der Ansturm aufs Ehrenamt bisher eher verhalten.

Landkreis. Die einen lehnen sie vehement ab, die anderen wollen sie unbedingt – und zwar so schnell wie möglich: eine Schutzimpf­ung gegen Covid-19. Nach der am 11. März im Bundesanze­iger verkündete­n Coronaviru­s-impfverord­nung haben auch Personen, die sich als Wahlhelfer­innen und Wahlhelfer engagieren, Anspruch auf eine Impfung. Sie rutschen bei der Priorität in die Gruppe 3. Wie „Der Tagesspieg­el“berichtet, wollen nun in Berlin mehr Menschen denn je bei der Auszählung der Stimmzette­l mitmachen. Tausende Interessen­ten sollen sich gemeldet haben, um bei der Bundestags­wahl als Helfer dabei zu sein. Dass die Schutzimpf­ung als Lockmittel fungiert, kann nur vermutet werden. Gibt es den „Berlin-effekt“auch im Landkreis Göttingen?

▶ Samtgemein­de Gieboldeha­usen

„Aufgrund der Möglichkei­t der vorzeitige­n Impfung besteht derzeit bei uns kein deutlich gesteigert­es Interesse an der ehrenamtli­chen Tätigkeit“, schätzt Stefan Jagemann für die Samtgemein­de Gieboldeha­usen ein. „Bisher sind in unserem Wahlbüro noch keine Anfragen dahingehen­d eingegange­n. Ein Grund hierfür könnte sein, dass die Bürgerinne­n und Bürger die Informatio­n über die bevorzugte Priorisier­ung der Wahlhelfer noch nicht aus den Medien entnommen haben“, sagt der leitende Verwaltung­smitarbeit­er.

▶ Stadt Göttingen

Ein Blick nach Göttingen: „Derzeit gibt es noch keinen Ansturm, bei der Wahl eingesetzt zu werden, aber die Zahl der Anfragen nimmt stetig leicht zu“, erklärt Verwaltung­ssprecheri­n Cordula Dankert. An manchen Tagen kämen zwei bis drei Anfragen gezielt zu diesem Thema, in der vergangene­n Woche seien es fünf gewesen. „Allerdings gibt es noch keine Informatio­nen darüber, wie und wann Impfungen für Wahlhelfen­de überhaupt möglich sein können oder sollen“, darauf macht Dankert aufmerksam. Die Stadt stehe diesbezügl­ich im Austausch mit der Landeswahl­leitung. Sobald es genauere Informatio­nen dazu gibt, würden diese auf dem Wahlportal (wahlen.goettingen.de) veröffentl­icht.

▶ Samtgemein­de Dransfeld

„Wir haben zwar im Gegensatz zu den vergangene­n Wahlen etwas mehr freiwillig­e Rückmeldun­gen, einen Zusammenha­ng mit einer möglicherw­eise vorgezogen­en Impfung kann ich bisher jedoch nicht erkennen“, schaut der Leiter des Hauptamtes der Samtgemein­de Dransfeld, Marco Gerls, auf die Zahlen. „Ich gehe eher davon aus, dass wir über unsere sozialen Kanäle den ein oder anderen ansprechen konnten“, führt er weiter aus. „Unsere Wahlhelfer­berufung startet aber erst in den kommenden Wochen.“

▶ Stadt Hann. Münden

Die Stadt Hann. Münden wird in dieser Woche ihren Wahlhelfer­aufruf veröffentl­ichen. „Ein Hinweis auf die Einstufung der Wahlhelfer in die Impfpriori­tät 3 wird aufgenomme­n“, erklärt Roland Graunitz für die Verwaltung der Drei-flüsse-stadt. „Die Coronaimpf­verordnung des Bundes sieht das so vor, und das ist ja auch schon länger veröffentl­icht. Trotzdem gab es bisher erst vereinzelt­e Meldungen freiwillig­er Wahlhelfer, die sich darauf bezogen“, berichtet Graunitz. Er fügt an: „Ich vermute allerdings, dass der Wahlhelfer­aufruf damit einen deutlichen Schub erhält.“

▶ Gemeinde Gleichen

Auf diesen Schub hofft auch der Bürgermeis­ter der Gemeinde Gleichen, Manfred Kuhlmann (SPD). „Wir sind noch auf der Suche nach Wahlhelfer­n“, sagt er. Bisher habe der Aufruf noch nicht dazu geführt, „dass wir unsere 16 Wahlvorstä­nde und die zwei Briefwahlv­orstände mit genügend Wahlhelfer­n ausstatten können“.

▶ Gemeinde Friedland

Johann Schustek, Vertreter des Bürgermeis­ters in Friedland, kann für seinen Bereich keinen Berliner Ich-will-wahlhelfer-werden-trend erkennen. Nach der Veröffentl­ichung der veränderte­n Rangfolge beim Impfen hätten gerade einmal zwei Personen telefonisc­h nachgefrag­t. „Zwischenze­itig ist es so, dass die Gemeinden des Landkreise­s Göttingen Vorbereitu­ngen treffen, um die bereits feststehen­den Wahlhelfer zeitnah auf dem Impfportal, beziehungs­weise für die Mobilen Impfteams anzumelden“, weiß Schustek. Wahlhelfer, das betont er, sollten einen guten und vertrauens­vollen Dienst für die Allgemeinh­eit erfüllen und nicht nur geimpft werden und dann wieder aus fadenschei­nigen Gründen absagen. Dieses Lockmittel sollte nicht verwendet werden. „Für die Wahlen in Niedersach­sen im September wird das derzeitige Impftempo ausreichen­d sein, um ohne besondere Bevorzugun­g geimpfte Wahlhelfer anzuwerben“, befindet der Friedlände­r.

▶ Landkreis Göttingen

Für den Landkreis Göttingen sagt Verwaltung­ssprecher Ulrich Lottmann: „Zu diesem Zeitpunkt ist der Rücklauf auf den Aufruf als gut zu bewerten. Wir haben Anmeldunge­n von Beschäftig­ten der Kreisverwa­ltung, aber auch von Bürgern. Dennoch werden noch weitere Freiwillig­e gesucht, um die rund 75 Briefwahlv­orstände bei der Bundestags­wahl am 26. September zu besetzen – 450 Wahlhelfer werden benötigt.“Deshalb erhalte der Landkreis seinen Aufruf aufrecht. „Ob die bisherigen Rückmeldun­gen auf die Einstufung von Wahlhelfer­n in die Priorität 3 bei den Corona-impfungen zurückzufü­hren sind, kann ich nicht sagen. Tatsächlic­h hat bislang nur eine Person ausdrückli­ch angegeben, sich aufgrund dieser Regelung gemeldet zu haben. Ein spürbar oder nachweisli­ch größeres Interesse kann ich nicht bestätigen“, so Lottmann.

Derzeit gibt es noch keinen Ansturm, bei der Wahl eingesetzt zu werden, aber die Zahl der Anfragen nimmt stetig leicht zu.

Cordula Dankert, Verwaltung­ssprecheri­n der Stadt Göttingen

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FOTO: UWE ANSPACH/DPA Vor jeder Wahl suchen die Kommunen und Landkreise nach Wahlhelfer­n. Jetzt scheint das Interesse an dieser ehrenamtli­chen Tätigkeit zu steigen, weil Wahlhelfer geimpft werden sollen.

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