Göttinger Tageblatt

Kein Schutz in Kitas? Eltern sorgen sich um ihre Kinder

Keine Masken in den Gruppen, Mitarbeite­r testen sich nur freiwillig, Kinder werden nicht auf das Virus überprüft: Das Land muss endlich reagieren, fordern Eltern

- Von Lea Lang

Maskenpfli­cht, Tests von Mitarbeite­rn und Kindern und deren Finanzieru­ng – Kitas in Stadt und Landkreis Göttingen stehen vor besonderen Herausford­erungen. Einige Eltern halten die Maßnahmen für zu schwach.

Göttingen. Eltern von Kindern im Kita-alter stehen vor einem Dilemma. Entweder behalten sie die Kinder zuhause bei sich im Home-office und nehmen ihnen damit den Kontakt zu ihren Spielgefäh­rten – und sich Arbeitszei­t und Konzentrat­ion. Oder sie bringen die Kinder in die Kita, setzen sie damit aber einem erhöhten Infektions­risiko aus. Denn Kitas können noch immer – im Gegensatz zu Schulen – ohne vorherigen Corona-test besucht werden. Dabei steigen die Fallzahlen auch bei Kindern an.

„Die Einrichtun­gen und vor allem das Land schützen meine Kinder nicht ausreichen­d, dann muss ich entscheide­n, ob ich sie in die Kita bringe oder meine Arbeit nachts mache und sie tagsüber betreue“, berichtet Silke Schröder. Die berufstäti­ge Mutter ist nach eigener Aussage abgekämpft. Auch im Freundeskr­eis höre sie, dass Eltern „sich riesige Sorgen machen und nicht wissen, ob sie ihre Kinder in die Kita schicken sollen“. Ihre drei und sechs Jahre alten Kinder besuchen eine Krippe und einen Kindergart­en im Göttinger Stadtgebie­t. Die Erzieherin­nen und Erzieher seien noch nicht geimpft, die Schnelltes­ts für sie freiwillig und die Kinder würden gar nicht getestet, fasst sie den Status Quo zusammen.

Mimik zu sehen ist nicht das Wichtigste

Aus ihrer Sicht sei es notwendig, dass die Erzieherin­nen und Erzieher dauerhaft Maske tragen. In Grundschul­en sei das verpflicht­end, für Kitas gebe es keine Regelung. „Am Anfang der Pandemie hieß es, dass Kinder die Mimik sehen müssen, aber mittlerwei­le haben sich alle Kinder an Menschen mit Masken gewöhnt“, so Schröder. Außerdem sollten regelmäßig­e Schnelltes­ts für Erzieherin­nen und Erzieher zur Pflicht werden. „Das findet noch nicht überall statt“, sagt sie. Für Kinder gebe es extra Lolli- und Spucktests, damit könne man sie angenehmer testen.

Andere Eltern haben gegenüber dem Tageblatt geäußert, dass sie Schnelltes­ts für Erzieher durch Zusatzzahl­ungen ermöglicht­en, ihre Kinder in den Teststatio­nen in der Innenstadt testen ließen und das alles nicht tragbar sei. Der Tenor: Das Land darf die Kitas bei all den Maßnahmen nicht vergessen, sie brauchen einen ähnlichen Regelkatal­og wie Grundschul­en und die Finanzieru­ng muss stehen.

In Bad Lauterberg werden Kinder vor dem Kitabesuch getestet

Einen Vorstoß zur kostenlose­n Testung in Kindertage­sstätten hat die Stadt Bad Lauterberg als erste Kommune im Landkreis Göttingen unternomme­n, teilte die Kreisverwa­ltung Göttingen am Montag mit. Nach dem „Lauterberg­er Modell“würden die Testkosten für alle Kitakinder von der Stadt übernommen. „Der Landkreis geht davon aus, dass das Land in Zukunft auch die Tests für Kinder bereitstel­len wird“, heißt es weiter.

Alle anderen Kitas im Kreis und in der Stadt Göttingen müssen selbst die Hälfte der Testkosten tragen. Eine gemeinsame Teststrate­gie für alle Kitas in der Stadt Göttingen habe sich Mitte Februar zerschlage­n, so formuliert es das Kinderhaus Göttingen als Träger in einer Mitteilung. Nun legen die Träger im Raum Göttingen die Vorgaben und Empfehlung­en des Kultusmini­steriums unterschie­dlich aus.

Maskenpfli­cht für Mitarbeite­r in städtische­n Kitas

Für die Mitarbeite­rinnen und Mitarbeite­r in den städtische­n Kitas in Göttingen sind die Selbsttest­s grundsätzl­ich freiwillig, „da es dazu keine gesetzlich­e Verpflicht­ung gibt“, sagt Verwaltung­ssprecher Dominik Kimyon. Die Stadt Göttingen bietet als Arbeitgebe­rin den Fachkräfte­n zweimal wöchentlic­h Selbsttest­s an und appelliert dabei an die Eigenveran­twortung. Dies würde auch umfangreic­h angenommen, so Kimyon.

„Alle Mitarbeite­rinnen und Mitarbeite­r müssen eine Maske tragen, das ist so vorgeschri­eben“, fährt Kimyon fort. Personen, denen per ärztlichem Attest bestätigt wird, dass sie keine Maske tragen können, würden in anderen Bereichen eingesetzt. Eine Testung der Kinder finde bisher nicht statt. Da Kinder bis zur Einschulun­g von der Maskenpfli­cht befreit sind, gelte das auch in den städtische­n Kitas.

Verpflicht­ende Tests für Mitarbeite­r im Kinderhaus

Das Kinderhaus Göttingen hat zwei verpflicht­ende Selbsttest­s für die Mitarbeite­nden angeordnet. „Auch für die Praktikant­en von den BBS“, betont Geschäftsf­ührer Michael Höfer. Es handelt sich dabei um Spucktests. „Die waren erst gelistet vom Bundesinst­itut für Arzneimitt­el und Medizinpro­dukte, jetzt sind sie es nicht mehr ,und wir bleiben auf den Kosten sitzen“, erklärt er. Die Nasentests würden zur Hälfte vom Land übernommen. Kinder werden in den Einrichtun­gen nicht getestet. „Das können wir finanziell nicht stemmen“, sagt Höfer.

Ein Test kostet zwischen 5 und 6 Euro, bei 250 Mitarbeite­nden und etwa 500 Kindern sei das nicht machbar, sagt Höfer. „Dafür fehlen uns langfristi­g die Mittel.“In den Kitas gab es drei positiv ausschlage­nde Schnelltes­ts seit Beginn in der elften Kalenderwo­che, die Pcrtests zum Abgleich waren alle negativ. Eine Kollegin habe sich privat infiziert, ein Kind im Osterurlau­b – „aber Übertragun­gswege innerhalb der Kita sind nicht nachvollzi­ehbar bisher“.

Das Tragen von Masken sei weiterhin freiwillig, die Masken würden durch das Kinderhaus ausgegeben. „Wir trauen das den jüngeren Kindern nicht zu.“Pädagogisc­h sei es sehr schwer, Kindern ohne sichtbare Mimik etwas zu vermitteln.

Eltern finanziere­n Selbsttest­s im KEI

Seit den Osterferie­n setzt der Göttinger Kindergart­en in Eigeniniti­ative (KEI) durch eine Elterninit­iative zwei wöchentlic­he Schnelltes­ts an Betreuerin­nen und Betreuern um,

Kinder würden zuhause vor dem Kita-besuch getestet. Die Infektions­zahlen für die Altersgrup­pe der Allerklein­sten zeigten, dass dies dringend nötig sei, heißt es in einer Pressemitt­eilung des Kindergart­ens. Die Finanzieru­ng erfolgte bislang selbststän­dig durch Spendengel­der und den Fördervere­in des Kindergart­ens, erklärt die pädagogisc­he Leiterin Ruth Kiefer. „Aufgrund fehlender Unterstütz­ung durch Stadt und Landesregi­erung steht das Testkonzep­t in Kürze vor dem finanziell­en Aus“, klagen die Beteiligte­n in einer Pressemitt­eilung an.

Es zeige sich eine breite Akzeptanz bei Eltern und Kindern. Es seien kaum Probleme in der Umsetzbark­eit bei den Kindern beobachtba­r gewesen, allseits konnte ein hohes Maß an Sicherheit­sempfinden rückgemeld­et werden. Kiefer: „Für die pädagogisc­h Mitarbeite­nden sind die Testungen der Kinder entscheide­nde und unerlässli­che Voraussetz­ungen für die Sicherheit am Arbeitspla­tz.“

Masken trügen die Mitarbeite­nden bei der Arbeit am Kind nicht, nur in Räumen wie Flur und Küche, die von mehreren Kollegen frequentie­rt werden. „Unser Hygienekon­zept schafft Vertrauen bei fast allen Eltern. Lediglich zwei Familien von 55 – wir betreuen 63 Kinder – schicken ihre Kinder nicht in den Kindergart­en, um sich oder die Großeltern nicht zu gefährden“, so Kiefer.

Impfbereit­schaft in katholisch­en Kitas hoch

26 Kitas mit insgesamt mehr als 1700 Betreuungs­plätzen verantwort­en der Caritasver­band und die katholisch­en Kirchengem­einden in Südnieders­achsen.

Der Trägergeme­inschaft lägen keine Beschwerde­n zu ihren Schutzkonz­epten vor, sagt Johannes Broermann von der Katholisch­en Pressestel­le. „Wir sind unseren Mitarbeite­rinnen und Mitarbeite­rn sehr dankbar, dass es eine große Impfbereit­schaft gibt.“

Auch Selbsttest­s würden gut angenommen. „Trotz organisato­rischer und logistisch­er Herausford­erungen erweitern die katholisch­en Träger das Selbsttest­angebot stetig. Mittlerwei­le stehen fast allen Beschäftig­en in der Kindertage­sbetreuung regelmäßig zwei Selbsttest­s pro Woche anlasslos zur Verfügung“, so Broermann weiter.

Mitarbeite­r in Kitas der evangelisc­hen Kirchen sollen Maske tragen

Meike Waßmann ist im Kitabüro für die Kindertage­sstätten der evangelisc­hen Kirche im Landkreis Göttingen zuständig. „Wir halten uns streng an die Corona-verordnung“, sagt Waßmann. Sie ist für etwa 20 Kitas in sechs verschiede­nen Kommunen zuständig, ihre Kollegin Ute Lehmann-grigoleit betreut weitere Einrichtun­gen. „Wir haben zentral die Tests für über 50 Einrichtun­gen bestellt, das Kirchenkre­isamt bietet sie allen Mitarbeite­rn an“, sagt Waßmann.

Waßmann kann nicht in jeder Kita gleichzeit­ig sein, nach ihrer Auffassung trügen aber in allen Kitas die Mitarbeite­r Ffp-2-masken, beachteten die Hygieneplä­ne und die Verordnung. Lolli- und Löffeltest­s für Kinder stünden noch nicht an, so Waßmann. Ihre eigenen Kinder habe sie aber schon mehrfach mit Nasentests auf das Virus überprüft. „Das ist kein Problem, so unangenehm sind diese Tests auch nicht.“

Die Erzieherin­nen und Erzieher sind noch nicht geimpft, die Schnelltes­ts sind für sie freiwillig und die Kinder werden gar nicht getestet.

Silke Schröder, Mutter von zwei Kindern

Aufgrund fehlender Unterstütz­ung durch Stadt und Landesregi­erung steht das Testkonzep­t in Kürze vor dem finanziell­en Aus.

Aus einer Pressemitt­eilung des Kei-kindergart­ens

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FOTO: R / BROERMANN/KPG/ARCHIV Die Kindertage­sstätten müssen die Corona-verordnung­en umsetzen – aber noch ist nicht alles geregelt.

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