Göttinger Tageblatt

Land will für alle Schüler Wechselunt­erricht ab Mai

Kultusmini­ster Tonne sieht neuen Spielraum durch konsequent­e Coronatest­s / Inzidenz von 100 bleibt zunächst Maßstab

- Von Marco Seng

Hannover. In Niedersach­sen sollen trotz der anhaltende­n Corona-pandemie alle Schüler vor den Sommerferi­en in die Schulen zurückkehr­en. Kultusmini­ster Grant Hendrik Tonne (SPD) will möglichst ab Mitte Mai Wechselunt­erricht an allen Schulforme­n ermögliche­n. Voraussetz­ung sei, dass die Corona-testungen an den Schulen sicher und verlässlic­h liefen. „Unser Verspreche­n ist, dass wir Schulen keinen einzigen Tag unnötig geschlosse­n halten, wenn wir andere Grundlagen dafür haben“, sagte Tonne.

„Wenn die Auswertung der Testungen ein solides Ergebnis erbringt, dann sind Spielräume für Präsenzunt­erricht auch bei höheren Inzidenzwe­rten drin“, sagte Tonne. „Ich hoffe, dass wir im Mai den nächsten Schritt machen können.“Das werde nicht zu Beginn des Monats sein, das sei klar. Es gebe immer Unwägbarke­iten, und Änderungen bräuchten Vorlauf für die Umsetzung. „Aber im Mai zu Änderungen zu kommen, ist die Zielmarke.“

Derzeit sind in Niedersach­sen nur die Grundschul­en und Förderschu­len mit dem Schwerpunk­t geistige Entwicklun­g sowie Abschlussj­ahrgänge jeweils mit halben Klassen im Präsenzunt­erricht – das gilt auch für die Region Hannover. Bis zur einer Sieben-tage-inzidenz von 100 Neuinfekti­onen auf 100 000 Einwohner ist das Wechselmod­ell für alle Jahrgänge möglich, bei dem jeweils nur ein Teil der Klassen den Unterricht besucht. Über einer Inzidenz 100 müssen die Schüler zu Hause lernen. Das betrifft aufgrund der hohen Infektions­zahlen inzwischen die Mehrzahl der Kreise.

„Ich finde es völlig nachvollzi­ehbar, dass nach diesen schwierige­n Monaten alle sagen, wir brauchen eine Perspektiv­e“, sagte Tonne. „Das Ziel muss sein, Präsenzunt­erricht in Schulen anbieten zu können, mindestens den Wechselunt­erricht.“

Niedersach­sen will zunächst noch an der strengen 100-er-inzidenz festhalten, obwohl die am Mittwoch beschlosse­ne Coronanotb­remse des Bundes Wechselunt­erricht

bis zur Inzidenz von 165 erlauben würde. „Wir werden die Zahl nicht verändern, bevor wir Ergebnisse haben“, sagte Tonne. „Wenn wir feststelle­n, dass wir mit den Testungen den Schutz für das System Schule hochziehen können, kann man auch über Bewegung bei Inzidenzza­hlen reden.“Klar sei aber, dass es durch das Bundesgese­tz keinen Spielraum für Öffnungen der Schulen bei einer Inzidenz über 165 gebe.

Der Kultusmini­ster betonte, dass die Rückmeldun­gen der Schulen zu den Testungen bisher gut seien. „Wir sind dabei, die ersten Testwochen auszuwerte­n: Wo ruckelt es noch, wo muss nachjustie­rt werden, funktionie­ren die Meldekette­n?“Es müsse darum gehen, „einen weiteren Schutzstat­us für sichere Schulen“zu etablieren. Zweimal die Woche werde jetzt getestet – und zwar verpflicht­end.

Aus reiner Bildungssi­cht seien die Schüler viel zu lange zu Hause, sagte Tonne. „Das Lernen zu Hause kann den Schulunter­richt nicht kompensier­en.“

Unser Verspreche­n ist, dass wir Schulen keinen einzigen Tag unnötig geschlosse­n halten.

Grant Hendrik Tonne (SPD),

Kultusmini­ster in Niedersach­sen

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