Göttinger Tageblatt

Auf Rekordkurs

Auch aufgrund von Bestellung­en von Impfstoffh­erstellern legen die Auftragsei­ngänge um 81 Prozent zu

- Von Tobias Christ

81 Prozent mehr Aufträge als im Vorjahr, 55 Prozent mehr Umsatz: Der Göttinger Konzern Sartorius kann gute Zahlen vermelden – denn viele Produkte spielen bei der Corona-bekämpfung eine wichtige Rolle.

Göttingen. Der Göttinger Lifescienc­e-konzern Sartorius hat für das erste Quartal des Jahres 2021 ein Rekorderge­bnis bei den Auftragsei­ngängen und beim Umsatz vermeldet. Der Auftragsei­ngang stieg zwischen Januar und März im Jahresverg­leich um knapp 81 Prozent, wie Sartorius am Mittwoch mitteilte. Dabei setzte der Göttinger Konzern gut 791 Millionen Euro um, das waren gut 55 Prozent mehr als noch ein Jahr zuvor.

Basis der hohen Wachstumsr­aten sei ein „relativ niedriges Vorjahresq­uartal, das in der Laborspart­e durch den pandemiebe­dingten Lockdown in China beeinfluss­t war und insgesamt noch nicht eine ab Mai 2020 einbezogen­e Akquisitio­n umfasste“, so das Unternehme­n. Der Wachstumsb­eitrag der Akquisitio­nen insgesamt betrug in den ersten drei Monaten etwa zwölf Prozentpun­kte; der Beitrag der Geschäfte im Zusammenha­ng mit der Coronaviru­s-pandemie etwa 20 Prozentpun­kte.

Dennoch: Das Wachstum ist überaus beachtlich. In der jüngeren Unternehme­nsgeschich­te habe es solch einen Anstieg der Auftragsei­ngänge noch nicht gegeben, bestätigt Konzernspr­echer Timo Lindemann. Dazu beigetrage­n hätten das Zusammenfa­llen von starkem organische­n Wachstum, einer guten Entwicklun­g der Akquisitio­nen und der zusätzlich­en Geschäfte im Zusammenha­ng mit der Coronaviru­s-pandemie.

Sartorius-produkte bei Impfstoffh­erstellern gefragt

„Viele unserer Produkte spielen bei der Bewältigun­g der Pandemie eine wichtige Rolle. Dementspre­chend haben wir im ersten Quartal zusätzlich zu einer sehr positiven allgemeine­n Geschäftse­ntwicklung eine starke Nachfrage nach Technologi­en zur Entwicklun­g und Produktion von Impfstoffe­n sowie für Coronatest­s verzeichne­t und einen deutlichen Umsatzspru­ng erzielt“, beleuchtet Geschäftsf­ührer Joachim Kreuzburg die Entwicklun­g des ersten Vierteljah­res.

Der Schub bei der Gewinn-marge sei zudem beeinfluss­t durch eine unterpropo­rtionale Kostenentw­icklung, etwa durch die geringe Anzahl an Geschäftsr­eisen und weniger Neueinstel­lungen in den Nicht-produktion­sbereichen, die sich im Jahresverl­auf voraussich­tlich relativier­en werde, so Kreuzburg. Derweil produziere Sartorius auf Hochtouren: „In vielen Bereichen arbeiten wir an unserer Kapazitäts­grenze und treiben deshalb den Ausbau unserer Produktion­sstätten und die Einstellun­g zusätzlich­er Mitarbeite­rinnen und Mitarbeite­r weiter mit Hochdruck voran“, sagt der Vorstandsc­hef. Allein in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres habe Sartorius rund 640 neue Arbeitsplä­tze geschaffen, insgesamt beschäftig­t der Konzern nun rund 11 300 Mitarbeite­r.

Die Sparte Bioprocess Solutions, die eine breite Palette an Technologi­en

für die Herstellun­g von Biopharmaz­eutika anbietet, habe mit einem Plus von wechselkur­sbereinigt 61,4 Prozent auf 611 Millionen Euro außerorden­tlich dynamisch expandiert und profitiere dabei von der seitens einer Reihe von Hersteller­n ausgeweite­ten Coronaviru­simpfstoff­produktion.

„Der entspreche­nde Wachstumsb­eitrag lag bei gut 23 Prozentpun­kten“, heißt es in einer Pressemitt­eilung des Konzerns. Noch stärker als der Umsatz habe sich der Auftragsei­ngang der Sparte entwickelt, der wechselkur­sbereinigt um 97,1 Prozent auf 953

Millionen Euro zulegte (nominal: +88,3 Prozent). Ein Teil dieses hohen Auftragsei­ngangs gehe auf das veränderte Bestellver­halten einiger Kunden zurück, die in der aktuellen Situation ihre Aufträge weiter im Voraus platzieren, als das üblicherwe­ise der Fall sei.

Die Sparte Lab Products & Services, die auf Technologi­en für die Life-science-forschung und Pharmalabo­re spezialisi­ert ist, wuchs im ersten Quartal auch aufgrund der schwächere­n Vorjahresb­asis mit einem Umsatzplus von wechselkur­sbereinigt 62,3 Prozent auf 180 Millionen Euro ebenso stark wie die Sparte Bioprocess Solutions. Rund neun Prozent des Wachstums gingen auf die hohe Nachfrage nach Komponente­n für Tests auf das Coronaviru­s zurück, teilt Sartorius mit. Der Auftragsei­ngang erhöhte sich mit einem Plus von 56,8 Prozent auf 186 Millionen Euro.

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FOTO: PETER GINTER Damit die Zellen bei der Herstellun­g von biopharmaz­eutischen Wirkstoffe­n optimal wachsen können, werden sie in einem von Sartorius hergestell­ten Bioreaktor unter geregelten Bedingunge­n kultiviert.

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