Göttinger Tageblatt

„Ich stech’ dich ab“

Nach spektakulä­rem Einbruch in Juwelierge­schäft: 21-Jähriger wegen räuberisch­en Diebstahls angeklagt

- Von Heidi Niemann

Göttingen. Rund ein Jahr nach einem Einbruch in ein Göttinger Juwelierge­schäft hat die Staatsanwa­ltschaft jetzt Anklage gegen den Tatverdäch­tigen erhoben. Ein 21-jähriger Mann aus dem Landkreis Northeim muss sich demnächst wegen des spektakulä­ren Einbruchs und verschiede­ner weiterer Delikte vor dem Jugendschö­ffengerich­t Einbeck verantwort­en.

Der Heranwachs­ende soll Ende März 2020 mit einem rund 30 Kilogramm schweren Betonfuß eines Bauzauns die Schaufenst­erscheibe eines Juwelierge­schäfts in der Weender Straße eingeworfe­n haben. Anschließe­nd soll er zahlreiche hochwertig­e Schmuckstü­cke und Uhren aus der Auslage zusammenge­rafft und in einem Müllsack verstaut haben. Mehrere Zeugen hatten dies bemerkt und waren zum Tatort gelaufen. Gemeinsam gelang es den couragiert­en Männern, den 21-Jährigen zu überwältig­en und zu fixieren, bis die Polizei eintraf. Die Staatsanwa­ltschaft hat die Tat als räuberisch­en Diebstahl angeklagt.

Beute im Wert von 216 000 Euro im Müllsack

Die Tat hatte sich am 27. März gegen 21.40 Uhr ereignet. Nach Angaben der Ermittler soll der 21-Jährige zunächst die Schaufenst­erscheibe mit einem Betonfuß

eingeschla­gen haben. Anschließe­nd habe er das entstanden­e Loch noch mit einem Metallrohr vergrößert und sich dann an der Auslage bedient. Insgesamt habe er Uhren und Schmuck im Gesamtwert von 216 000 Euro herausgeho­lt und in einen grauen Müllsack befördert.

Während er noch die Beute zusammenra­ffte, sei ein Zeuge hinzugekom­men und habe ihn aufgeforde­rt, dies zu unterlasse­n. Daraufhin soll der 21-Jährige gesagt haben: „Verpiss dich, oder ich stech’ dich ab.“Als der Zeuge ihn daraufhin von hinten ergriff und wegzuziehe­n versuchte, habe der Angeklagte ihm mit der Faust gegen den Kopf geschlagen. Dann seien noch drei weitere Zeugen hinzugekom­men, die ebenfalls durch das laute Klirren der Schaufenst­erscheibe auf den Einbruch aufmerksam geworden waren. Gemeinsam hätten sie den 21-Jährigen zu Boden gebracht und bis zum Eintreffen der Polizei festgehalt­en.

Angeklagte­r soll unter Drogen gestanden haben

Der 21-Jährige war damals nach Angaben der Polizei aufgrund von Verhaltens­auffälligk­eiten nach seiner Festnahme in eine psychiatri­sche Fachklinik gekommen. Er habe vermutlich unter Alkohol- und Drogeneinf­luss gestanden.

Gegen den 21-Jährigen ist außerdem noch eine zweite Anklage

wegen Erschleich­ens von Leistungen, Beleidigun­g, Körperverl­etzung und Nötigung anhängig. Der Angeklagte war fünf Tage vor dem Juwelierei­nbruch ohne Fahrschein im Intercity-zug von Rheine nach Osnabrück unterwegs gewesen. Als ihn ein Kontrolleu­r darauf hinwies, dass er wegen des fehlenden Fahrschein­s den Zug an der nächsten Station verlassen müsse, habe der Angeklagte ihn mehrfach beleidigt und derart heftig am Arm gepackt, dass der Kontrolleu­r ein Hämatom erlitt. Als eine weitere Kontrolleu­rin hinzukam, habe er auch diese mit sexistisch­en und obszönen Schimpfwör­tern beleidigt und ihr das Mobiltelef­on aus der Hand geschlagen.

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