Göttinger Tageblatt

Alina und die Finsternis

Fantasy, die lohnt: „Shadow and Bone“

- Von Matthias Halbig

Die drachenart­igen Volkra sind nie richtig zu sehen, schwarze Monster, die mit ledernem Flattern den Mast des „Skiffs“umkreisen, eines Schiffs, das mittels magisch erzeugten Windes über Sand zu gleiten vermag. An Bord ist die junge Kartografi­n Alina (Jessie Mei Li), passiert wird die finstere Schattenfl­ur, die das Zarenreich Ravka seit Jahrhunder­ten teilt. Was niemand – nicht einmal Alina selbst – weiß: Sie ist eine Grisha, ein Mensch mit besonderen Kräften, ja, sie ist sogar die wichtigste Person in der Fantasywel­t der Autorin Leigh Bardugo, bedeutsame­r selbst als der feiste Zar. Sie könnte die Schattenfl­ur vernichten, damit Kriege beenden und auch die Sezession des Westens von Ravka.

Gut, die Uniformen sind arg bunt hier, die Höhlen plastikhaf­t, die Dialoge, nun ja, nicht erlesen, der Realismus und die erzähleris­che Grandezza von „Game of Thrones“werden nie erreicht in der neuen Netflix-serie „Shadow and Bone“. Und trotzdem hat man das Gefühl, hier in eine sehenswert­e, komplexe Sphäre einzutauch­en.

Die Serienmach­er um Eric Heisserer haben zur Story der „Grisha“-trilogie Personal aus Bardugos „Krähen“-romanen gesellt. Am Anfang ist man überforder­t von all dem Personal und der üppigen Fantasyter­minologie einer Welt, die dem Russland des 19. Jahrhunder­ts ähnelt.

Aber wenn erst einmal alle Interessen­sgruppen an ihren Fäden ziehen, die ersten Geheimniss­e zu ranken beginnen, ist man im Binge-flow. Der Moment, in dem diese Serie zuschnappt und uns zappeln lässt, kommt indes spät – in der fünften Episode. Nicht aufgeben!

„Shadow and Bone: Legenden der Grisha“, bei Netflix, acht Episoden, von Eric Heisserer, mit Jessie Mei Li, Freddy Carter, Ben Barnes (ab 23. April) ★★★☆☆

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FOTO: COURTESY OF NETFLIX Eine junge Frau mit besonderer Gabe: Alina Starkow (Jessie Mei Li).

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