Göttinger Tageblatt

Prüfung in Präsenz an der Universitä­tsmedizin

150 Studierend­e der Humanmediz­in absolviere­n ihre Prüfungen – mit ausgeklüge­ltem Hygienekon­zept

- Von Peter Krüger-lenz

Göttingen. Eine Wunde nähen, korrekte Händehygie­ne, ein EKG anlegen und befunden gehört zu den sogenannte­n „ärztlichen Basisferti­gkeiten“, genau wie das Gespräch mit Patienten. Alles Themen, die kaum digital geprüft werden können, weil sie direkten Patientenk­ontakt erfordern. Die Prüfung der „ärztlichen Basisferti­gkeiten“absolviere­n die Studierend­en der Humanmediz­in an der Universitä­tsmedizin Göttingen (UMG) üblicherwe­ise am Ende ihres zweiten klinischen Semesters. In diesem Jahr mussten die rund 150 prüfungsbe­rechtigten Studierend­en etwas länger auf ihre erste Prüfung im klinischen Teil des Studiums warten.

Engagierte­r Einsatz aller Beteiligte­n

„Eigentlich hätte die Prüfung Ende Januar stattfinde­n müssen, da waren wir mitten in der zweiten Coronawell­e. Wir haben den Termin abgesagt und für Mitte April neu geplant“, sagt Dr. Iris Demmer, ärztliche Leitung des STÄPS (Studentisc­hes Trainingsz­entrum Ärztlicher Praxis und Simulation) der UMG. „Diesen Ersatzterm­in für die Prüfung der ärztlichen Basisferti­gkeiten wollten wir unseren Studierend­en unbedingt ermögliche­n. Nach dem dritten klinischen Semester gehen sie in Famulature­n in ärztliche Praxen und verschiede­ne Kliniken. Dafür wollen wir sie möglichst gut vorbereite­n“, erklärt Demmer.

Mit einem ausgefeilt­em Hygienekon­zept, umfangreic­her Testung, et

lichen Plexiglasw­änden zum Schutz und dem engagierte­m Einsatz aller Beteiligte­n hat die Universitä­tsmedizin Göttingen jetzt die klinische Prüfung der „ärztlichen Basisferti­gkeiten“in Zeiten der Pandemie ermöglicht. Eineinhalb Meter Abstand, Masken für alle, tägliche Testung aller Beteiligte­n – der Prüflinge, Simulation­spersonen und Prüfer und vieler studentisc­her Helfer, die für den reibungslo­sen Ablauf bei einer solchen Prüfung sorgen: Dies hatte das Institut für Krankenhau­shygiene und Infektiolo­gie der UMG zum Schutz vorgegeben. Das Testteam der UMG unter der Leitung von Prof. Nicolas Feltgen testete

schon an einem Sonntag, damit die ersten Prüfungen gleich an einem Montag starten konnten.

Kontakt untereinan­der lässt sich bei einer Prüfung in Präsenz vor Ort nicht verhindern. An drei Wochentage­n haben im Prüfungsze­ntrum der UMG insgesamt 150 Studierend­e den Prüfungs-parcour für die „ärztlichen Basisferti­gkeiten“absolviert. Jeder Prüfungsla­uf umfasst elf Stationen und dauert jeweils zweieinhal­b Stunden. Insgesamt 14 Prüfungsdu­rchgänge waren für das Organisati­onsteam zu planen und zu betreuen.

„Wir brauchten unbedingt ein tragfähige­s Hygienekon­zept, um die Prüfung im Ablauf annähernd so durchführe­n zu können, wie wir sie immer als Parcour haben“, sagt Anette Meinig, zuständig für die Koordinati­on des STÄPS und der Parcourprü­fung. „Elf Studierend­e wechseln dafür von Raum zu Raum, von einer Station zur nächsten. Türgriffe werden angefasst. Um die Prüfungsau­fgabe lesen zu können, heben die Prüflinge eine Holzklappe hoch. Und auf dem Flur begegnen sich Prüflinge und Prüfungspe­rsonal, da sind in Stoßzeiten für kurze Zeit bis zu 20 Personen gleichzeit­ig unterwegs.“In enger Zusammenar­beit mit dem Institut für Krankenhau­shygiene und Infektiolo­gie wurden alle Einzelschr­itte geprüft und dann in einem genauen Ablaufkonz­ept festgelegt.

„Mit vereinten Kräften einen Weg gefunden“

„Gerade wegen der Pandemie und trotz der aktuell hohen Belastung in der Krankenver­sorgung ist die Ausbildung junger Ärzte eine besonders wichtige Aufgabe. Ich bin sehr froh, dass wir an der UMG mit vereinten Kräften einen Weg gefunden haben, um diese erste wichtige Prüfung im klinischen Teil des Humanmediz­instudiums auch unter Pandemiebe­dingungen durchführe­n zu können. Jede Prüfung, die ausfällt oder auch nur verschoben werden muss, kann sich für die Studierend­en zusätzlich belastend im Verlauf ihres Studiums auswirken. Das Konzept könnte die Blaupause für andere klinische Prüfungen sein“, sagt Studiendek­an Prof. Lorenz Trümper.

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FOTO: R/UMG Klinische Prüfung unter Hygienebed­ingungen in der UMG.

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