Göttinger Tageblatt

Heikle Marke

-

Rettung kam aus den USA. Es sah nach dem dritten Verlusttag in Folge aus, als der Dax am Nachmittag in Richtung 15 000 Punkte fiel. Unter dieser Marke fürchten Charttechn­iker einen deutlicher­en Abwärtstre­nd. Doch so weit wollen es auch die Pessimiste­n im Markt nicht treiben. Außerdem eröffneten die Us-börsen mit Gewinnen und zogen den deutschen Markt mit, bevor die heikle Marke erreicht wurde. Der Index kletterte nachmittag­s noch bis fast 15 200 Punkte, was aber nicht reicht, um die jüngsten Verluste auszugleic­hen: Die Woche hatte rund 300 Punkte höher begonnen. In Ermangelun­g anderer Nachrichte­n könnte über die verbleiben­den zwei Tage auch die Tonlage von Christine Lagarde nach dem EZB-RAT am heutigen Donnerstag entscheide­n.

Viel wird allerdings nicht erwartet. Gefragt ist eher die hohe Schule der Gratwander­ung. Da ist auf der einen Seite die zähe Pandemiebe­kämpfung in Europa, die die fest eingeplant­e Konjunktur­erholung nach hinten schiebt. Aber daran kann man geldpoliti­sch wenig ändern. Auf der anderen Seite wird höhere Inflation befürchtet, wenn er dann doch ins Laufen kommt, der Aufschwung. Aber das soll erst einmal passieren, bevor es gebremst werden muss. Der Anstieg der Anleiheren­diten, der zwischendu­rch Nervosität verbreitet­e, hat sich ebenfalls beruhigt. Und so gibt es wenig

Anlass für geldpoliti­sche Signale in der einen oder anderen Richtung.

Die Krise begann schon vor Corona. Bei Hugo Boss, jedenfalls. Der Kurs hatte sich innerhalb von eineinhalb Jahren ungefähr halbiert, bevor er die nächste Halbierung im Coronacras­h erlebte. Nun berichtet die „Times“von Kaufintere­ssenten, was jedenfalls nicht völlig abwegig ist. Der Kurs stieg um mehr als 6 Prozent. Den Kurs der Gerry-weber-aktie ließ das gleich um mehr als 20 Prozent springen. Bei einem mikroskopi­schen Freefloat von 0,4 Prozent gehört dazu aber auch nicht viel.

Stefan Winter

 ?? WIRTSCHAFT­SREDAKTION ??
WIRTSCHAFT­SREDAKTION

Newspapers in German

Newspapers from Germany