Göttinger Tageblatt

Nutzen der Reform ist fraglich

- Von Frank-thomas Wenzel

Nach zähem Ringen ist es geschafft. Das umstritten­e Nebenkoste­nprivileg soll verändert werden. Bisher ist es eine Zwangsumla­ge für das Kabelferns­ehen, die alle Mieter eines Wohnhauses zahlen müssen – gleichgült­ig, ob sie den Kabelansch­luss nutzten oder nicht. Künftig soll es eine Zwangsumla­ge für neue superschne­lle Glasfaserl­eitungen sein, die alle Mieter zahlen sollen – gleichgült­ig ob sie den Glasfasera­nschluss für schnelles Internet und hochauflös­endes Fernsehen nutzen oder nicht. Die Bundesregi­erung will damit den Wettbewerb in der Telekommun­ikationsbr­anche beleben.

Konkret soll dies bessere Chancen für die Deutsche Telekom bedeuten, ihre Dienstleis­tungen an Mieter zu verkaufen. Vodafone hingegen soll in einem dominieren­den Geschäftsf­eld zurückgedr­ängt werden. Dieser Konzern ist der mit Abstand größte Betreiber von Kabelnetze­n; dies war bisher eine gute Basis, um schnelle Internetan­schlüsse zu vermarkten.

Ob mit der Neuregelun­g tatsächlic­h der Wettbewerb in der Branche zusätzlich angeheizt wird, ist jedoch nicht sicher. Studien von Wirtschaft­sforschern haben ergeben, dass sich der Konkurrenz­kampf der Telekommun­ikationsfi­rmen um Mieter und langfristi­ge Verträge mit Immobilien­unternehme­n in jüngster Zeit ohnehin verschärft hat. Das hat vor allem mit der technische­n Entwicklun­g zu tun, die eine immer höhere Übertragun­gsgeschwin­digkeit im Internet erlaubt.

Gut möglich, dass es unter dem Strich nur sehr schwache Impulse für den Wettbewerb gibt. Das alles steht in keinem Verhältnis zu dem Aufwand und dem Ärger, der durch die Umstellung kommen wird. Zumal es für viele Mieter sogar teurer werden könnte.

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