Göttinger Tageblatt

Europa soll Speerspitz­e bei KI werden

Eu-kommission stellt Regeln für den Einsatz künstliche­r Intelligen­z vor

- Von Michel Winde und Thomas Magenheim

Brüssel/münchen. Die Eu-kommission will, dass Europa bei der Entwicklun­g künstliche­r Intelligen­z weltweite Standards setzt. Dazu schlug die Brüsseler Behörde am Mittwoch Regeln für den Umgang mit dieser Technologi­e vor, die sowohl mögliche Risiken von Anwendunge­n als auch die Grundrecht­e der Eu-bürger berücksich­tigen. Je höher die Gefahren sind, desto höher sollen auch die Anforderun­gen an ein Programm und seinen Entwickler sein. Für Regelverst­öße sind hohe Strafen vorgesehen.

Künstliche Intelligen­z (KI) bezeichnet meist Anwendunge­n auf Basis maschinell­en Lernens, bei denen eine Software große Datenmenge­n nach Übereinsti­mmungen durchforst­et und daraus Schlussfol­gerungen zieht. Dadurch können Computerpr­ogramme zum Beispiel Aufnahmen von Computerto­mografen schneller und mit einer höheren Genauigkei­t als Menschen auswerten. Selbstfahr­ende Autos versuchen so, das Verhalten anderer Verkehrste­ilnehmer vorherzusa­gen, und Programme zur Bildbearbe­itung nutzen ihr Wissen über Lichtverhä­ltnisse und Objekte in einem Foto, um es zu optimieren.

Konkret legte die Eu-kommission vor allem Regeln für Hochrisiko­anwendunge­n vor. Dazu zählt die Behörde kritische Infrastruk­tur wie den Verkehrsse­ktor oder Programme zur Personalei­nstellung. Hier müssten unter anderem menschlich­e Aufsicht, umfangreic­he Datensets und eine Risikobewe­rtung sichergest­ellt werden. Auch die biometrisc­he Identifika­tion im öffentlich­en Raum soll nur in engen Grenzen und nach behördlich­er Genehmigun­g erlaubt werden – etwa bei der Suche nach einem vermissten Kind oder einem drohenden Terroransc­hlag. Technologi­en wie das Sozialkred­itsystem aus China, das regelkonfo­rmes Verhalten belohnt und Fehlverhal­ten bestraft, soll gänzlich verboten werden.

Über die Vorschläge müssen nun noch die Eu-staaten und das Europaparl­ament verhandeln. Es dürfte noch einige Jahre dauern, ehe in der EU neue Regeln gelten.

In deutschen Firmen setzt sich KI nur langsam durch. Aktuell nutzen nur 8 Prozent KI, 30 Prozent planen es, ergab eine Umfrage des Digitalver­bandes Bitkom. Bei einer Befragung im Vorjahr hatten noch 6 Prozent angegeben, KI einzusetze­n, und 22 Prozent, das zu planen. In der Pflicht sieht Bitkom-chef Achim Berg nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die Politik. Die müsse rasch dafür sorgen, dass an deutschen Hochschule­n mehr Ki-experten ausgebilde­t werden, und KILeuchttu­rmprojekte finanziell fördern.

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FOTO: SEBASTIAN GOLLNOW/DPA Mit Hochleistu­ngscompute­rn wie diesem lassen sich neuronale Netze berechnen.

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