Göttinger Tageblatt

Auch Kocak kann durchpuste­n

Sieglosser­ie beendet: Starker Start, aber 96 muss beim 3:1 gegen Regensburg in der zweiten Halbzeit zittern. Weydandt trifft nach 135 torlosen Tagen.

- Von Dirk Tietenberg

Hannover. Die beiden Spielentsc­heider lagen sich in den Armen. Genki Haraguchi und Marvin Ducksch hatten sich um den entscheide­nden Treffer zum 3:1 für Hannover 96 gegen Regensburg verdient gemacht und feierten sich angemessen in der 82. Minute. Der Rest war Schaulaufe­n. Nach dem Abpfiff herrschte eine seltsame Stimmung. Die 96-Spieler feierten ihren ersten Sieg nach acht sieglosen Spielen nicht einmal richtig. Man klatschte sich kurz ab, mehr Emotion steckte da nicht drin.

Trainer Kenan Kocak konnte in der kritischst­en Phase seiner Karriere auch noch mal durchpuste­n nach dem 3:1.Völlig unnötig hatte seine Mannschaft die Partie noch spannend gemacht gegen den bisher schwächste­n Gegner der 2. Liga.

Trainiert wird ja nicht viel in diesen englischen Wochen. Dabei wären vor allem Torabschlü­sse und Abwehrverh­alten bei Standards so wichtig gewesen, wie das 3:4 in Bochum bewies. Wie gut, dass gestern 2:0, Schütze Hendrik Weydandt (rechts) zeigte sich besonders erleichter­t. Das war auch

Abend mal ein Trainingsp­artner vorbeikam in Hannover. Regensburg hatte sich kaum warmgemach­t, da durfte Haraguchi mit links abziehen, ohne dass vom Anstoß bis zum Treffer nach 31 Spielsekun­den ein Regensburg­er am Ball war.

Und wenn der SSV Jahn schon dabei war, Haraguchi den neunten Saisontref­fer zu gönnen, halfen sie auch dem früheren Märchenpri­nzen zurück auf den Torjägerth­ron.

Hendrik Weydandt schoss nach 135 traurig torlosen Tagen einen Treffer. Ein zögerliche­s 2:0, dass er nach der zweiten Torvorlage von Marvin Ducksch aber doch nutzte. Christoph Moritz fälschte den Weydandt-schuss mit dem Po ab (14. Minute). Weydandt war’s piepegal, er schlug mit den Händen auf den Boden. Endlich, nach 20 Spieltagen Torflaute, wieder ein Treffer von ihm.

Regensburg wehrte sich nicht, so als sei ihr Trainer Mersad Selimbegov­ic der Gegner und nicht Hannover 96. Benedikt Gimber war vor dem 0:2 schon seltsam ausgerutsc­ht, Spieler ignorierte­n Rufe des Traikocaks ners, Gimber und Max Besuschkow rammten sich im Mittelfeld gegenseiti­g um (44.). Dumm nur, dass sich 96 anstecken ließ vom SSV Jahn.

So verschlief die Abwehr den Anpfiff nach der Pause, Andreas Albers

Job. Die Mannschaft gefährdete beide noch einmal. 96 verstolper­te nun die leichteste­n Passübunge­n, verlor den Zugriff komplett und dazu noch Stürmer Weydandt, der verletzt vom Platz humpelte.

96 rumpelte nach dem 1:2 hinterher. „Zeigt euch, Sechser“, schimpfte Spitze Ducksch von der Mittellini­e, weil Jaka Bijol nur Verstecken spielte und Kapitän Dominik Kaiser genug damit zu tun hatte, die „Doppelsech­s“quasi allein zu besetzen. Torwart Michael Esser wusste jedenfalls nicht, wohin mit seinem Abwurf. So schob der eine Spieler die Verantwort­ung zum anderen, aus Ballbesitz wurde stets Ballverlus­t.

Jedes räumliche und technische Geschick schien in der Kabine geblieben zu sein. Obwohl Kocak gar nicht ausgewechs­elt hatte, erschien eine völlig andere Mannschaft auf dem Platz. Immerhin war Ducksch derselbe geblieben, erlöste seine verunsiche­rte Mitspieler, Trainer und Manager mit dem 3:1 (82.). Zumindest, was das Resultat angeht.

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FOTOS: FLORIAN PETROW Endlich wieder glücklich: Die halbe 96-Mannschaft freut sich nach dem gut für Trainer Kenan Kocak (kleines Foto).

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