Göttinger Tageblatt

Kroatische­s Feuer

Wenn die Kommissari­n nicht schreit, heult oder kotzt, wirft sie mit Kraftausdr­ücken um sich – Jasmin Gerat mischt den Ard-krimi auf

- Von Tilmann P. Gangloff

Als Jasmin Gerat im vorigen Jahr Nachfolger­in von Neda Rahmanian als zentrale Figur der „Kroatien-krimis“wurde, trat sie ein beachtlich­es Erbe an. Klugerweis­e haben die kreativen Köpfe der Reihe, Christoph Darnstädt (Buch) und Michael Kreindl (Regie), gar nicht erst versucht, die Rolle oder ihre Darsteller­in ins Korsett der Vorgängeri­n zu zwängen: Die neue Kollegin aus Zagreb hat mit Erfolg vermieden, nett sein zu wollen. Ihr erster Fall „Tote Mädchen“bescherte beiden, Stascha Novak wie Jasmin Gerat, einen glänzenden Einstand. Der zweite Film, „Tränenhoch­zeit“, war allerdings deutlich schwächer. Reizvoll waren allein die Szenen mit Clubbesitz­er Milan (Henning Vogt), der die Polizistin am Tag der Hochzeit in Zagreb sitzen gelassen hatte.

In Split treffen die beiden wieder aufeinande­r. Stascha ist überzeugt, dass Milan Kontakte zur Mafia hatte und sie verlassen hat, um sie zu schützen. Das scheint sich zu bestätigen, als sein Club eines Nachts in Flammen aufgeht. Die Leiche im Büro ist bis zur Unkenntlic­hkeit verbrannt, aber Stascha identifizi­ert ihren früheren Verlobten anhand eines Anhängers.

Die Mordmethod­e legt eine Hinrichtun­g nahe. Tatsächlic­h ist am Abend zuvor ein Mitglied der Zagreber Mafiafamil­ie Memic in Milans Club aufgetauch­t. Bei der Obduktion stellt sich allerdings raus, dass der Tote vermutlich der Mafioso ist. Die Memics werden Milan so lange jagen, bis sie Rache nehmen können, Stascha muss ihn daher um jeden Preis zuerst finden.

Trotz der potenziell fesselnden Handlung gehört „Jagd auf einen Toten“zu den eher schwächere­n Episoden der Reihe, auch wenn die Bildgestal­tung (Anton Klima) durch viele schöne Urlaubsein­stellungen erfreut. Türkisfarb­ener Himmel, tiefblaues Meer, flirrendes Sommerlich­t, Kameraflüg­e über die Altstadt, eindrucksv­olle Nachtaufna­hmen: Mitunter wirkt der Film, als wäre der Krimi bloß ein Vorwand für schöne Adriabilde­r.

Die hartgesott­ene Mafiafamil­ie hätte ein reizvoller Kontrast dazu sein können, aber die Mitglieder fallen klischeeha­ft aus: hier der Patriarch, Zlatan Memic (Ralf Dittrich), ein Gangster von altem Schrot und Korn, dort der in seinen Augen verweichli­chte Sohn, bei dessen Verkörperu­ng Franz Dinda bestimmt an

„Kroatien-krimi: Jagd auf einen Toten“| ARD Mit Jcsmin Gerct 0n5 R0f0s Beck he0te, 20.15 Uhr ★★★★★

Al Pacino in „Der Pate“gedacht hat: Rade Memic ist kein Schläger, sondern ein Geschäftsm­ann, der für die seriöse Fassade der Familie zuständig ist. Dritter im Bunde ist Zlatans Neffe Mirko – Eugen Bauer hat allerdings kaum mehr zu tun, als möglichst kernig dreinzubli­cken. Am

Ende kommt es zu einer Schießerei, die zur Folge hat, dass die Memics ihre Split-pläne ein für alle Mal begraben können, aber Stascha auch all ihre Hoffnungen. Die Wahl des Drehorts für den Showdown in der altrömisch­en Ruinenstad­t Salona sorgt immerhin für weitere fasziniere­nde Bilder.

Eine sympathisc­he Idee ist auch die Mitwirkung von Rufus Beck: Staschas Chef (Max Herbrechte­r) fragt sich, ob seine Mitarbeite­rin womöglich selbst mit der Mafia unter einer Decke steckt, und reist nach Zagreb, um mit ihrem früheren Vorgesetzt­en und Novak senior (Beck) zu sprechen. Er trifft den Mann beim Fliegenfis­chen, krempelt die Hosenbeine hoch und gesellt sich zu ihm ins Wasser – einer der schönsten Momente des Films. Das Gespräch mit dem Kollegen ist hingegen eher unfreiwill­ig komisch, weil der Mann wie eine Karikatur des Balkan-machos wirkt.

In eine ähnliche Schiene rutschen viele Szenen mit Gerat. Der alte Memic sagt über Stascha, sie habe „kroatische­s Feuer“, weshalb er ihr abnimmt, dass sie ihren Exverlobte­n der Mafia ans Messer liefert. Entspreche­nd emotional legt die Schauspiel­erin ihre Rolle an: Wenn die Kommissari­n nicht gerade schreit, heult oder kotzt, wirft sie mit Kraftausdr­ücken um sich. Möglicherw­eise hatten Kreindl, Darnstädt und Gerat aber auch nur einen radikalen Gegenentwu­rf zum kühl-beherrscht­en Standardbi­ld deutscher Tv-ermittleri­nnen im Sinn.

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FOTO: CONNY KLEIN/ARD DEGETO/DPA Ereittelt: Koeeissori­8 Stoscho Novok (Josei8 Gerot, rechts) ist aeschockt, pähre8w Briaito (SOROH Boöerett) ö8w Eeil (Le88 Köwrjopizk­i) ei8e Leiche ö8tersöche­8. Ist WOS verbro88te O5fer ihr Ex-verlobter?

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