Die Ba­sis ist ge­teil­ter Mei­nung

„AKK“kommt vor Ort gut an, ei­ni­ge hät­ten aber lie­ber Merz vor­ne ge­se­hen

Graenzbote - - TUTTLINGEN - Von Chris­ti­an Ger­ards, Do­ro­thea Hecht, Re­gi­na Braun­gart und Sa­bi­ne Fel­ker

TUTT­LIN­GEN - Es war knapp, aber doch deut­lich: An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er ist am Frei­tag zur neu­en Vor­sit­zen­den der CDU ge­wählt wor­den. Was sagt die Ba­sis zu die­sem Er­geb­nis? Ei­ni­ge Re­ak­tio­nen aus dem Land­kreis Tutt­lin­gen.

Ro­land Strö­be­le, Vor­sit­zen­der der Se­nio­ren­uni­on im Kreis Tutt­lin­gen, ehe­ma­li­ger Land­tags­ab­ge­ord­ne­ter und lang­jäh­ri­ger Bür­ger­meis­ter von Fri­din­gen und Bä­ren­thal, be­grüßt die Wahl von An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er: „Ich glau­be, dass sie die rich­ti­ge Frau im rich­ti­gen Amt ist“, sagt er. Sie kom­me aus dem Volk und ha­be das not­wen­di­ge Emp­fin­den, um die Par­tei zu­sam­men­zu­hal­ten. „Sie wird mit ge­ball­ter Kraft an ih­re Ar­beit ge­hen und an der Spit­ze da­für sor­gen, dass kei­ne un­nö­ti­gen Dis­kus­sio­nen ent­ste­hen“, sagt Strö­be­le. Die neue star­ke Frau in der CDU sei auch sei­ne Wahl ge­we­sen. Das Stim­mungs­bild sah in der Se­nio­ren­uni­on im Kreis aber ganz an­ders aus: „Bei ei­ner Ab­stim­mung ha­ben von 25 Mit­glie­dern 20 für Fried­rich Merz ge­stimmt“, sagt er.

„Mein Wunsch­kan­di­dat wä­re Fried­rich Merz ge­we­sen“, sagt auch

Ben­ja­min Bach, stell­ver­tre­ten­der Tutt­lin­ger Stadt­ver­bands­vor­sit­zen­der der CDU.

Er schät­ze Merz‘ Wirt­schafts­kom­pe­tenz und sei­ne trans­at­lan­ti­schen Be­zie­hun­gen – „ich hof­fe, Frau Kramp-Kar­ren­bau­er kann die­se Kom­pe­ten­zen jetzt auf­bau­en“.

Für ihn ste­he sie al­ler­dings eher für ein „Wei­ter so“der Po­li­tik von An­ge­la Mer­kel. Die neue Vor­sit­zen­de müs­se nun „schau­en, dass kein Riss durch die Par­tei geht“. Die ers­te Ge­le­gen­heit da­zu sei die Er­nen­nung ei­nes neu­en Ge­ne­ral­se­kre­tärs.

Et­was an­ders sieht das

To­bi­as Kell­ner, Kreis­vor­sit­zen­der der Jun­gen Uni­on.

„Kramp-Kar­ren­bau­er ist kei­ne Mer­kel 2.0“, glaubt er. Zwar hät­te auch er gern Merz als neu­en Vor­sit­zen­den ge­se­hen, „aber wir hat­ten drei gu­te Kan­di­da­ten“. Er hofft, dass Kramp-Kar­ren­bau­er es schafft, die Dy­na­mik und den Auf­schwung, der in der Par­tei ent­stan­den sei, zu hal­ten. Ge­punk­tet ha­be sie in den Re­gio­nal­kon­fe­ren­zen

mit ih­rer Nä­he zur Ba­sis, das kön­ne der CDU nun zu­gu­te kom­men: „Wir müs­sen wie­der nä­her an den Bür­gern ste­hen, nä­her auf sie ein­ge­hen“, meint Kell­ner. Zu­dem hofft er auf ei­ne stär­ke­re Ab­gren­zung von der SPD.

Cle­mens Henn, CDU-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­der im Tros­sin­ger Ge­mein­de­rat, freut sich über den Aus­gang der Wahl. „Ich den­ke, sie ist am bes­ten ge­eig­net, die CDU als Volks­par­tei in der Mit­te zu­sam­men zu hal­ten. Wir müs­sen schau­en, dass wir für Frau­en und für Grü­ne wähl­bar sind und nicht im­mer nur auf die AfD schie­len. An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er ga­ran­tiert am ehes­ten, dass die Gro­Ko mit Mer­kel bis zum Schluss wei­ter­ma­chen kann. Sie hat Kin­der groß­ge­zo­gen, im Ge­gen­satz zu vie­len an­de­ren Po­li­ti­kern. Sie weiß, was Fa­mi­lie be­deu­tet und das fin­de ich wich­tig.“

Die Vor­sit­zen­de des Spaichin­ger CDU-Stadt­ver­bands, Eva Bur­ger, sieht noch wei­te­re Plus­punk­te: „Mir hat An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er sach­lich und per­sön­lich gut ge­fal­len. Ich fin­de die Art, wie sie Po­li­tik ge­macht hat, gut und bin mit dem Er­geb­nis zu­frie­den.“

Hans-Hein­rich Ahl­feld, ehe­ma­li­ger Bür­ger­meis­ter von Hau­sen ob Ve­re­na und lang­jäh­ri­ges CDU-Mit­glied, hat­te sich im Vor­feld sehr ak­tiv ge­gen Merz ge­äu­ßert – we­gen der wirt­schaft­li­chen Ver­flech­tun­gen und weil er ei­nen ähn­li­chen Kurs aus per­sön­li­chen, wirt­schaft­li­chen Er­wä­gun­gen be­fürch­tet hat­te wie in den USA, „wo ei­ner ge­ra­de die USA und die hal­be Welt an die Wand fährt“. Er meint des­halb: „Mir fällt ein Rie­sen­stein vom Her­zen. Nicht weil ich AKK als nächs­te Kanz­le­rin se­hen will, son­dern weil wir jetzt mehr Zeit ha­ben. Bei Merz wä­re das ge­lau­fen ge­we­sen.“

Die CDU-Vor­sit­zen­den des Be­reichs Spaichin­gen-Heu­berg hat­ten sich eher für Merz aus­ge­spro­chen. Ak­tu­ell wa­ren Ver­tre­ter der grö­ße­ren Ver­bän­de aber nicht zu er­rei­chen oder woll­ten sich nicht äu­ßern.

AR­CHIV­FO­TO: CHRIS­TI­AN GER­ARDS

Die neue CDU-Par­tei­vor­sit­zen­de An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er (Zwei­te von rechts) mach­te im Ja­nu­ar 2016 in Gun­nin­gen Wer­bung im Land­tags­wahl­kampf für Gui­do Wolf.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.