Grü­nen-Frak­ti­on wirft dem Spaichin­ger Bür­ger­meis­ter Will­kür vor

In ei­nem of­fe­nen Brief nimmt Alex­an­der Efin­ger zur Rats­sit­zung vom 16. De­zem­ber Stel­lung

Graenzbote - - SPAICHINGE­N -

SPAICHIN­GEN (sz) - In ei­nem Of­fe­ner Brief hat sich die Grü­nen-Frak­ti­on im Spaichin­ger Ge­mein­de­rat an Bür­ger­meis­ter Hans Ge­org Schuh­ma­cher, al­le Spaichin­ger Ge­mein­de­rä­te und das Land­rats­amt ge­wandt. Dar­in wen­den sich die Grü­nen ge­gen die öf­fent­li­che Darstel­lung Schuh­ma­chers über den Ab­bruch der Ge­mein­de­rats­sit­zung vom 16. De­zem­ber (wir ha­ben über die Sit­zung be­rich­tet).

Der Sit­zungs­ab­bruch der Ge­mein­de­rats­sit­zung am 16. De­zem­ber in Spaichin­gen sei ein ekla­tan­ter Ver­stoß ge­gen die Ge­mein­de­ord­nung ge­we­sen, so Frak­ti­ons­spre­cher Alex­an­der Efin­ger in dem Schrei­ben. Die Ver­ant­wor­tung hier­für der Frak­ti­on Bünd­nis 90/Die Grü­nen zu­zu­schie­ben sei falsch und „setzt dem Gan­zen die Kro­ne auf“.

Die am 19. De­zem­ber von Bür­ger­meis­ter Schuh­ma­cher auf der Home­page der Stadt so­wie im städ­ti­schen Schau­kas­ten am Markt­platz ver­öf­fent­li­che Mit­tei­lung zu die­sem Vor­fall sei „ir­re­füh­rend und falsch“, schrei­ben die Grü­nen: „Hier wer­den die städ­ti­schen Mit­tei­lungs­platt­for­men ge­nutzt, um Ge­mein­de­rä­te und ei­ne freie Pres­se zu dif­fa­mie­ren, Tat­sa­chen wer­den ver­dreht und fal­sche Aus­sa­gen ge­macht.“

Da Bür­ger­meis­ter Schuh­ma­cher die öf­fent­li­chen städ­ti­schen In­for­ma­ti­ons­me­di­en er­neut für sei­ne per­sön­li­chen In­ter­es­sen nut­ze und da­mit „miss­brau­che“, so Efin­ger, se­he sich die Frak­ti­on ge­zwun­gen, die­sen of­fe­nen Brief zu schrei­ben.

„Wir er­klä­ren: Die Be­richt­er­stat­tung im Heu­ber­ger Bote vom 18. De­zem­ber 2019 ent­spricht den Tat­sa­chen, die Kom­men­tie­rung auf der Home­page der Stadt und im Schau­kas­ten auf dem Markt­platz sind stim­mungs­ma­chend und teil­wei­se falsch.“

So schil­dert Efin­ger die tat­säch­li­chen Vor­gän­ge: Der Bür­ger­meis­ter ha­be am 16. De­zem­ber auf 18 Uhr zu der Ge­mein­de­rats­sit­zung ge­la­den. Zu Be­ginn die­ser öf­fent­li­chen Sit­zung ha­be er dann al­len An­we­sen­den öf­fent­lich mit­ge­teilt, dass er die Sit­zung früh­zei­tig (ge­gen 19.45 Uhr) schlie­ßen wol­le, da noch ei­ne nicht­öf­fent­li­che Sit­zung fol­ge und da­nach ein Es­sen statt­fin­det (die Weih­nachts­und Jah­res­ab­schluss­fei­er des Ge­mein­de­ra­tes um 20.30 Uhr im Re­stau­rant Och­sen­stü­b­le).

Al­ler­dings ha­be der Bür­ger­meis­ter die Sit­zung dann nicht wie an­ge­kün­digt ge­gen 19.45 Uhr ge­schlos­sen. Aus die­sem Grund ha­be Alex­an­der Efin­ger in der Sit­zung dann ge­gen 20 Uhr nach­ge­fragt, wie die Sit­zung wei­ter ge­plant sei. Auf die Aus­füh­run­gen des Bür­ger­meis­ter hin, dass die Ge­mein­de­rä­te, wenn sie ef­fek­tiv ar­bei­te­ten, noch zir­ka 20 Mi­nu­ten brau­chen wür­den, ha­be Efin­ger den Sinn in­fra­ge ge­stellt, sich ei­nem sol­chen Zeit­druck aus­zu­set­zen, an­ge­sichts der Tat­sa­che, dass noch et­wa 40 Haus­halts­än­de­rungs­an­trä­ge und neun nicht be­han­del­te Ta­ges­ord­nungs­punk­te (von ins­ge­samt 13) und ei­ne nicht­öf­fent­li­che Sit­zung auf der Ta­ges­ord­nung stan­den.

Schuh­ma­cher ha­be dann oh­ne Be­tei­li­gung des Ge­mein­de­rats die Sit­zung ei­gen­mäch­tig ab­ge­bro­chen. Es ha­be kei­ne Ab­stim­mung über die Ver­ta­gung der of­fe­nen Ta­ges­ord­nungs­punk­te oder das Be­en­den der Sit­zung ge­ge­ben. „Auch ha­ben Sie nicht er­klärt,“schreibt Efin­ger in dem of­fe­nen Brief an den Bür­ger­meis­ter, „wie Sie wei­ter ver­fah­ren wol­len. Per­sön­lich ha­be ich nach Ih­rem plötz­li­chen Ab­bruch der Sit­zung so­gar noch be­tont, dass ich ei­nen sol­chen we­der ge­wünscht noch be­an­tragt ha­be.“

We­der ein ein­zel­ner Ge­mein­de­rat noch ei­ne Frak­ti­on, aber auch nicht der Bür­ger­meis­ter kön­ne nach Ein­tre­ten in die Ta­ges­ord­nung ei­ne Sit­zung al­lein ab­bre­chen. Über ei­nen ent­spre­chen­den An­trag ha­be der Ge­mein­de­rat ab­zu­stim­men.

So­mit sei die Darstel­lung des Bür­ger­meis­ters („Je­der weiß, dass der Sit­zungs­ab­bruch des­we­gen er­folgt ist, weil sich der Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de der Grü­nen, Alex­an­der Efin­ger, in­mit­ten des Sit­zungs­ver­laufs dar­über be­schwert hat­te’“, zi­tie­ren die Grü­nen Schuh­ma­chers Mit­tei­lung) „ein­deu­tig falsch und wie wei­te­re Be­haup­tun­gen nur ein Ver­such mei­ne Per­son und un­se­re Frak­ti­on in der Öf­fent­lich­keit zu schä­di­gen“. Rich­tig sei viel­mehr: We­der er selbst, so Efin­ger, noch die Grü­nen-Frak­ti­on sei­en Ur­sa­che des Sit­zungs­ab­bruchs ge­we­sen.

Auch die Be­haup­tung „weil die Frak­ti­on der Grü­nen an die­sem Abend nicht mehr über ih­re ei­ge­nen An­trä­ge ab­stim­men woll­te“sei „schlicht weg falsch. Dies wur­de nie von un­se­rer Frak­ti­on ge­sagt oder be­an­tragt.“Es mute ihm wie per­sön­li­che Ver­schwö­rungs­theo­ri­en und An­fein­dun­gen an, wenn Schuh­ma­cher der frei­en Pres­se „Wahl­kampf­mo­dus“

un­ter­stel­le, so Efin­ger. „Es scheint fast so“, so das Schrei­ben wei­ter, „als miss­brau­chen Sie die städ­ti­schen Ein­rich­tun­gen eben gera­de für Ih­ren per­sön­li­chen Wahl­kampf. Des­halb soll­ten ent­spre­chen­de Pas­sa­gen un­ver­züg­lich zu­rück­ge­nom­men wer­den und nicht mehr öf­fent­lich in den In­for­ma­ti­ons­me­di­en (Home­page; Schau­kas­ten, Aus­hang…) un­se­rer Stadt er­schei­nen.“

Die Rechts­auf­sicht im Land­rats­amt bit­tet Efin­ger in dem of­fe­nen Brief um recht­li­che Klä­rung we­gen „will­kür­li­cher Ab­bruch der Ge­mein­de­rat­sit­zung und un­sach­ge­mä­ße Nut­zung der städ­ti­schen Home­page für An­grif­fe auf Ge­mein­de­rä­te und öf­fent­li­che Pres­se“.

Un­se­re Zei­tung hat Bür­ger­meis­ter Hans Ge­org Schuh­ma­cher um ei­ne Stel­lung­nah­me zu dem Of­fe­nen Brief der Grü­nen-Frak­ti­on ge­be­ten. Dies kön­ne er aber erst nach den Weih­nachts­fe­ri­en tun, schreibt Schuh­ma­cher.

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