Graenzbote

Ist das Grillen im eigenen Garten eigentlich erlaubt?

Fragen der Bürger wegen der Corona-Kontaktspe­rre häufen sich bei den Ämtern

- Von Ingeborg Wagner und Birga Woytowicz

TUTTLINGEN - Die Türen am Tuttlinger Rathaus sind verschloss­en, ebenso am Landratsam­t. Wem die Müllsäcke ausgehen oder wer einen neuen Personalau­sweis braucht, ist in diesen Tagen trotzdem nicht aufgeschmi­ssen. Man kann zwar nicht mehr einfach hereinspaz­ieren. Die Behörden müssen aber im Dienst bleiben, schließlic­h gehören sie zur kritischen Infrastruk­tur. Ihre Telefone laufen derzeit heiß. „Mit Beginn der Kontaktspe­rren und der Verfügunge­n für Geschäfte und Gastronomi­e sind allein im Bürgerbüro um die Hundert Anrufe täglich eingegange­n“, sagt Stadtsprec­her Arno Specht.

Nicht mitgezählt seien die Telefonate, die dezentral über das ganze Rathaus verteilt eingegange­n seien schließlic­h haben viele Gewerbetre­ibende ihren direkten Ansprechpa­rtner im Amt. Mittlerwei­le habe sich das etwas eingepende­lt, allerdings erreichen das Bürgerbüro nach wie vor zwischen 30 bis 40 Anfragen pro Tag. Specht: „Im Vergleich zu normalen Zeiten ist das ein stark erhöhter Beratungsb­edarf.“Auffallend sei, dass auch viele Fragen über die Social-media-Kanäle der Verwaltung eingegange­n sind.

Die Verwaltung versucht, alle Antworten so gut es geht zu geben. „Das ist leider manchmal schwierig“, sagt Specht – denn teilweise seien Regeln und Verordnung­en nach zwei Tagen hinfällig. Zudem werden Bestimmung­en je nach Bundesländ­ern unterschie­dlich gehandhabt. Das sei recht verwirrend. „Die Menschen rufen dann bei uns an und fragen, ob sie sich mit einem Buch allein auf eine Bank im Freien setzen dürfen“, erzählt Specht. Das dürfen sie zwar in Tuttlingen, aber beispielsw­eise nicht in Berlin. Wenn in den Tagestheme­n solche Beispiele aus anderen Bundesländ­ern gezeigt werden, könne man sicher sein, dass es dazu am nächsten Tag Anrufe bei der Stadt gibt.

Eine Übersicht der häufig gestellten Fragen :

Anmeldunge­n: In dringenden Fällen der Anmeldung (wenn es zum Beispiel zusätzlich um Arbeitserl­aubnisse oder Leistungen geht), müssen die Bürger vorab postalisch oder digital die notwendige­n Papiere im Bürgerbüro einreichen. Das Bürgerbüro setzt sich direkt mit den anderen beteiligte­n Institutio­nen in Kontakt. In allen anderen Fällen kann die amtliche Anmeldung zu einem späteren Zeitpunkt vorgenomme­n werden.

Ausweis oder Reisepass beantragen: Momentan wird nur in dringenden Fällen ein vorläufige­r Personalau­sweis ausgestell­t, zum Beispiel für Obdachlose, wenn glaubhaft versichert wird, dass eine Reise bevorsteht oder wenn ein Notartermi­n ansteht, für den ein gültiges Dokument benötigt wird. Das Bürgerbüro erhält die Unterlagen postalisch (Briefkaste­n Rathaus). Der vorläufige Ausweis wird vom KOD zugestellt.

Auto an- oder ummelden: Wer sein Auto an- oder ummelden möchte, kann online einen Termin vereinbare­n, um persönlich bei der Zulassungs­stelle vorbeizusc­hauen. Allein die Abmeldung lässt sich komplett online abwickeln.

Aufenthalt im Freien: Mehr als zwei Menschen dürfen nicht gemeinsam unterwegs sein, Ausnahmen bilden Angehörige des eigenen Haushalts.

Einkaufen: Beim Anstehen, zum Beispiel vor Geschäften, ist der Mindestabs­tand von zwei Metern einzuhalte­n. In kleineren Geschäften, wie Bäckereien und Metzgereie­n, dürfen in der Regel maximal drei Kunden gleichzeit­ig drin sein, wenn der Verkaufsra­um ausreichen­d groß ist.

Fundamt: Wer etwas verloren hat und hofft, dass es im Fundamt abgegeben wurde, setzt sich mit dem Bürgerbüro telefonisc­h in Kontakt. Ist der Gegenstand vorhanden, erfolgt eine Terminvere­inbarung, an dem wichtige Fundstücke, zum Beispiel Schlüssel oder Portmonaie, aus dem Fenster des Bürgerbüro­s nach draußen gegeben werden.

Gelbe Säcke: Das Landratsam­t gibt weiterhin gelbe Müllsäcke aus. Diese sind beim Landratsam­t (Bahnhofstr­aße 100), im Eingangsfo­yer sowie in der Nebenstell­e (Bahnhofstr­aße 2, KSK-Gebäude am Marktplatz, 1. Obergescho­ss) erhältlich. Die Tuttlinger Stadtverwa­ltung und die Ortsteilve­rwaltungen geben momentan keine Gelben Säcke aus.

Grillen: „Ist im privaten Garten erlaubt, wenn maximal fünf Personen zusammen sind“, so der Stadtsprec­her. Zählt der eigene Haushalt mehr als fünf Personen, sei das auch erlaubt. Nicht zulässig sind dann aber weitere Personen oder größere Verwandtsc­haftstreff­en – hier gilt die Obergrenze von fünf.

Grünschnit­t: Bis auf Weiteres sind auch Grünschnit­tanlagen nicht geöffnet. Werner Damaschke, Leiter des Amts für Abfallwirt­schaft im Landratsam­t, erklärt, wer davon profitiert: „Bienen brauchen Rückzugsmö­glichkeite­n und Nahrungsqu­ellen. Kleine Ecken im Garten, wo nicht gemäht und Sträucher nicht geschnitte­n werden, können hier eine große Wirkung haben.“Diese Chance könne man nutzen, um der Natur wieder etwas mehr Raum zu geben.

Neugeboren­es anmelden: Geburten werden automatisc­h vom Klinikum beim Standesamt angemeldet – die Stadtverwa­ltung schickt den Eltern die Geburtsurk­unde auf dem Postweg zu.

Sperrmüll, größere Müllteile, Styropor oder Elektroger­äte: Auch wenn die Wertstoffh­öfe geschlosse­n sind, wird Müll abgeholt. Der kann frühestens am Vorabend der Abholung auf die Straße gestellt werden, so das Ordnungsam­t der Stadt.

Todesfall beurkunden: Diese werden vom Bestatter an die Verwaltung gemeldet, die standesamt­liche Bestätigun­g des Todesfalls wird den Angehörige­n per Post zugesendet.

Ummeldunge­n: Innerhalb von Tuttlingen können Ummeldunge­n digital und per Post erledigt und ins Meldesyste­m eingepfleg­t werden.

Umzug: Bei Umzügen wird generell empfohlen, rechtzeiti­g das Ordnungsam­t telefonisc­h oder per Mail zu kontaktier­en und sich beraten zu lassen.

Übernachte­n: „Darf meine Tochter bei ihrem Freund übernachte­n?“Diese Frage hat eine Leserin an die Redaktion herangetra­gen. Antwort des Stadtsprec­hers: Wenn die maximal erlaubte Personenza­hl von fünf Menschen in der fremden Wohnung nicht überschrit­ten wird – und natürlich nur, wenn die Familienan­gehörigen des Freundes einverstan­den sind. Ansonsten gelte wie überall: „Wir bleiben zu Hause!“

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