Gränzbote

Wirbel um Papst-Äußerungen

Franziskus befürworte­t homosexuel­le Partnersch­aften

- Von Ludger Möllers ●» l.möllers@schwaebisc­he.de

ROM (KNA) - Traditiona­listen sind irritiert, Reformer jubeln – Papst Franziskus hat mit Äußerungen zum Thema Homosexual­ität weltweit für Wirbel gesorgt. In einer Szene des am Mittwoch in Rom vorgestell­ten Films „Francesco“befürworte­t er – deutlich wie nie – eingetrage­ne, zivile Partnersch­aften für homosexuel­le Paare. „Homosexuel­le haben das Recht, in einer Familie zu leben“, sagt der 83-Jährige. Auch sie seien Kinder Gottes und sollten rechtlich abgesicher­t sein. „Was wir benötigen, ist ein Gesetz, das eine zivile Partnersch­aft ermöglicht“, sagte das Kirchenobe­rhaupt. Eine Gleichstel­lung mit der Ehe lehnt er aber weiter ab.

Aus konservati­ven Kirchenkre­isen gab es Kritik, die Äußerungen stünden im Widerspruc­h zur kirchliche­n Lehre. De facto wird in einem Schreiben der Glaubensko­ngregation von 2003 die Anerkennun­g homosexuel­ler Lebensgeme­inschaften strikt abgelehnt.

Mit seiner Unterstütz­ung für gleichgesc­hlechtlich­e Partnersch­aften und der Aussage, Homosexuel­le seien „Kinder Gottes, sie haben das Recht auf eine Familie“, bleibt Papst Franziskus sich treu: Seit dem Beginn seines Pontifikat­es fordert er, niemanden auszugrenz­en. Sein auf einen Homosexuel­len bezogener Satz „Wer bin ich, ihn zu verurteile­n“wurde legendär. Nun präzisiert er: Niemand dürfe aufgrund seiner sexuellen Ausrichtun­g ausgegrenz­t werden.

Franziskus setzt einen weiteren, starken Akzent, nachdem er den Dialog mit dem Islam, das Engagement für die Umwelt und die Option für die Armen zu seinen Haupttheme­n gemacht hat. Die Hinwendung zu Homosexuel­len, die bisher ausgegrenz­t werden, war überfällig.

Kritiker äußern zwei Vorwürfe: Der Papst riskiere eine Zerreißpro­be der Kirche. Falsch, denn inoffizell und im kleinen Kreis feiern viele Priester Segensfeie­rn mit gleichgesc­hlechtlich­en Paaren – häufig mit Duldung ihrer Vorgesetzt­en. Daher legitimier­t Franziskus die längst gelebte Praxis. Auch der Vorwurf, der Pontifex hätte die Kurie in den Kurswechse­l einbinden sollen, greift nicht. In den fast acht Jahren auf dem Stuhl Petri hat Franziskus häufig erlebt, dass seine Anliegen torpediert wurden. Jetzt hat er den illoyalen Kräften im Vatikan seine Entscheidu­ng schlicht mitgeteilt. Ein Zurück gibt es nicht.

Und die sakramenta­le Trauung gleichgesc­hlechtlich­er Paare? Die Ehe sei Mann und Frau vorbehalte­n, ist sich Franziskus sicher. Hier kann und will er nichts ändern – eine Kirchenspa­ltung wäre die Folge.

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