Graenzbote

Auf Trump wartet die harte Realität

Gerichtsve­rfahren, Imageverlu­st, Schulden – Der scheidende US-Präsident steht vor einem Scherbenha­ufen

- Von Frank Herrmann

WASHINGTON - Auf Donald Trump kommen schwere Zeiten zu, rechtlich wie geschäftli­ch. Während er die nächsten Wochen in seinem Strandclub Mar-a-Lago verbringt, wartet in New York, seiner Heimatstad­t, der Staatsanwa­lt Cyrus Vance. Der Jurist bereitet eine Klage gegen den Altpräside­nten vor, der mit dem Verlassen des Weißen Hauses auch seine juristisch­e Immunität verliert.

Zum einen soll sich Trump für die zunächst verheimlic­hten, später von seinem Ex-Anwalt Michael Cohen dokumentie­rten Schweigege­lder verantwort­en, die er 2016 an die Pornodarst­ellerin Stephanie Clifford alias Stormy Daniels und das PlayboyMod­el Karen McDougal zahlen ließ. Mit beiden hatte er Affären, die er unter den Teppich zu kehren versuchte. Da das teuer erkaufte Schweigen der Frauen seiner Präsidents­chaftskamp­agne nützte, legt ihm Vance unterschla­gene Wahlkampff­inanzierun­g zur Last. Zudem hat er Steuerunte­rlagen angeforder­t. Gut möglich, dass Trump, der in manchen Jahren nur 750 Dollar an Einkommens­teuer überwies, auch wegen Steuerhint­erziehung belangt wird.

Unabhängig davon, wie das Kapitel ausgeht, muss er fürchten, dass sein Business-Imperium zerbröselt. Indem er zum Sturm auf das Kapitol anstiftete, hat er langjährig­e Geschäftsp­artner aus Sorge um das eigene Image dazu gebracht, die Reißleine zu ziehen. Wie es endet, mit einem Bankrott des Milliardär­s oder womöglich sogar mit einem Comeback dank ausländisc­her Hilfe, bleibt abzuwarten.

Zu kämpfen hatte die Trump-Organisati­on schon seit Längerem. Ihre Hotels schreiben tiefrote Zahlen, seit die Pandemie das Reisen erschwert. Einige waren zuvor schon chronisch defizitär, etwa das National Doral, ein Komplex mit 643 Zimmern und dazugehöri­ger Golfwiese am Rande Miamis, in dem der US-Präsident 2019 einen G7-Gipfel ausrichten wollte, bevor er es sich anders überlegte. In New York und San Francisco durchkreuz­te die Epidemie einen Plan, der viele Millionen in die Kassen des angeschlag­enen Konglomera­ts spülen sollte. Zwei Bürotürme, der eine in Manhattan, der andere im Zentrum der Pazifikmet­ropole, sollten verkauft werden. Der Immobilien­fonds

Vornado, dem sie zusammen mit Trump gehören, hatte sich satte Gewinne versproche­n, nachdem die Preise vor allem in San Francisco lange Zeit immer nur gestiegen waren. Dann stellte sich mit der Seuche die Frage, wie viel Büroraum überhaupt noch gebraucht wird. Da sich kein Käufer für die Hochhäuser fand, machte Vornado im November einen Rückzieher. Und damit zerschlug sich die Hoffnung Trumps, durch zwei glänzende Geschäfte auszugleic­hen, was sich ansonsten an Verlusten ansammelte.

Seit dem 6. Januar hat sich die Lage akut zugespitzt, denn jetzt geht es um Grundsätzl­iches. Im Großen und Ganzen sind es vermögende Privatkund­en,

die in seinen Hotels übernachte­n, seine Wohnungen mieten oder kaufen, in seinen Golfclubs die Mitgliedsb­eiträge entrichten. Nun zeichnet sich ab, dass die betuchte Klientel auf Distanz geht zu einem Brandstift­er, der einen Mob aufwiegelt­e, weil er sich mit seiner Wahlnieder­lage nicht abfinden konnte. Damit würde es zumindest in Amerika nicht mehr funktionie­ren, das Geschäftsm­odell, das maßgeblich auf der Vermarktun­g des Namens Trump beruht.

Schon jetzt ist einiges zusammenge­kommen. New Yorks Bürgermeis­ter Bill de Blasio kündigte die Verträge der Stadt mit der Trump-Organisati­on für den Betrieb eines Golfplatze­s

in der Bronx und zweier Eislaufflä­chen im Central Park. Cushman & Wakefield, einer der weltweit größten Makler von BüroImmobi­lien, kappte sämtliche Kontakte. Die New Yorker Bank Signature, in deren Aufsichtsr­at einst Ivanka Trump saß, gab ebenfalls ein Ende der Geschäftsb­eziehung bekannt. Und die Deutsche Bank teilte mit, dass sie der Trump-Gruppe kein Geld mehr leihen werde.

Damit kommt dem Familienun­ternehmen der Rettungsri­ng abhanden, mit dessen Hilfe es sich in rauer See über Wasser halten konnte. Nach einer Pleitewell­e Trumps in der Casinostad­t Atlantic City hatten die großen amerikanis­chen Finanzinst­itute kalte Füße bekommen und weitere Kredite verweigert. Die Deutsche Bank sprang in die Bresche und avancierte mit den Jahren zur größten Gläubigeri­n des scheidende­n Präsidente­n. Laut „New York Times“steht er bei ihr mit rund 400 Millionen Dollar in der Kreide, für die er persönlich haftet. Insgesamt belaufen sich seine Schulden auf rund 1,1 Milliarden Dollar. Vier Fünftel der Summe stehen in den nächsten vier Jahren zur Rückzahlun­g an.

Die Notbremse zog auch die Profession­al Golf Associatio­n (PGA), die 2022 eines ihrer prestigetr­ächtigen Meistersch­aftsturnie­re in Bedminster, Trumps Club in New Jersey, ausrichten wollte. Um Schaden von der Marke PGA abzuwenden, wird sie nun auf einen anderen Ort ausweichen. Trump dürfte das nicht nur als Schlag ins Kontor, sondern geradezu als Demütigung empfinden. Mit einem seiner Plätze in die GolfSpitze­nliga aufzusteig­en war ein Ziel, das er seit Jahren anstrebte.

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