Graenzbote

Tarnstiftu­ng und Sanktionen: Showdown um Nord Stream 2

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Mit einer landeseige­nen Umweltstif­tung will Mecklenbur­g-Vorpommern den Weiterbau des umstritten­en Pipelinepr­ojekts Nord Stream 2 vorantreib­en. Die gemeinwohl­orientiert­e Stiftung, die am Dienstag offiziell gegründet wurde, soll Projekte im Umwelt-, Naturund Klimaschut­z fördern, aber auch gewerblich aktiv werden können. So ist geplant, durch die Stiftung Bauteile und Maschinen zu kaufen, die für die Fertigstel­lung der Gaspipelin­e unerlässli­ch sind.

Die Idee ist, mit der Stiftungsk­onstruktio­n angedrohte Sanktionen der USA gegen am Bau der Leitung beteiligte Firmen zu umgehen. Die Unternehme­n hätten dann keine direkten Geschäftsb­eziehungen mehr mit der Nord Stream 2 AG, sondern mit der Stiftung.

Die Stiftung, die das Land Mecklenbur­g-Vorpommern mit 200 000 Euro ausgestatt­et hat, wird vom ehemaligen Ministerpr­äsident Mecklenbur­g-Vorpommern­s Erwin Sellering (SPD) geleitet. Hinter den Kulissen dürfte aber der russische Gaskonzern Gasprom die Fäden ziehen. Denn die Nord Stream 2 AG, dessen hudertproz­entiger Eigner Gasprom ist, hatte Mecklenbur­gVorpommer­ns Landeschef­in Manuela Schwesig (SPD) 20 Millionen Euro für die Stiftung zugesicher­t. Unterdesse­n haben die USA angekündig­t, erstmals Sanktionen gegen am Bau der Pipeline beteiligte Unternehme­n zu verhängen. Die Strafmaßna­hmen sollten an diesem Dienstag verkündet werden und das russische Verlegesch­iff „Fortuna“und dessen Inhaber, die russische Firma KVT-RUS, betreffen. Aus der Sorge heraus, den Zugang zum US-Markt zu verlieren, hatten in den Tagen zuvor bereits der norwegisch­e Zertifizie­rer Det Norske Veritas Holding und die dänische

Ingenieurs­beratung Ramboll ihr Engagement gestoppt. Auch der Schweizer Versicheru­ngskonzern Zurich, der den Bau der Pipeline versichert, soll dem Vernehmen nach beschlosse­n haben, sich zurückzuzi­ehen. Dagegen will der Düsseldorf­er Energiekon­zern Uniper an dem Projekt festhalten. Uniper ist an Nord Stream 2 nicht nur in Form eines Gaslieferv­ertrags beteiligt, sondern auch als Infrastruk­turakteur und Ingenieurd­ienstleist­er. Russland bekräftigt­e am Dienstag noch einmal, Nord Stream 2 trotz erwarteter US-Sanktionen zu Ende zu bauen. Bis zur Fertigstel­lung sind noch etwa 120 Kilometer in dänischen und etwas über 30 Kilometer in deutschen Gewässern zu verlegen. Durch die beiden Leitungsst­ränge sollen künftig jedes Jahr 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas von Russland nach Deutschlan­d gepumpt werden. (ank)

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