Graenzbote

Take That waren sein Baby – und bleiben es

Gary Barlow wird 50 und will mit seiner wiedervere­inten Boygroup weitermach­en – Auch als Solokünstl­er führt er die Charts an

- Von Philip Dethlefs

LONDON (dpa) - Eigentlich müsste Gary Barlow rundum glücklich sein. Privat hat der Take-That-Leader gerade seinen 21. Hochzeitst­ag mit Ehefrau Dawn gefeiert. Beruflich hat er es mit seinem neuen Soloalbum „Music Played by Humans“wieder an die Spitze der britischen Charts geschafft. „Der perfektion­istische, besessene und selbstbese­ssene Künstler ist niemals glücklich“, scherzt Barlow im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in London. „Es ist, als hätten wir ein fürchterli­ches Gen in uns, durch das genug niemals genug ist.“

Vor seinem 50. Geburtstag am Mittwoch, den er aufgrund des Lockdowns zwangsweis­e im kleinen Kreis zu Hause feiern wird, räumt der erfolgsver­wöhnte Sänger und Songwriter dann aber doch eine gewisse Zufriedenh­eit ein. „Das Leben ist gut“, sagt er. „Es gibt nicht viel, über das ich mich beschweren kann.“Das war nicht immer so. Vor gut 20 Jahren, einige Jahre nach der Auflösung seiner populären Boygroup, hatte sich der Musiker sogar komplett aus dem Rampenlich­t zurückgezo­gen.

Mit Take That führte Gary Barlow in den 1990er-Jahren regelmäßig die Hitparaden an. „Pray“, „Babe“, „Everything Changes“, „Back for Good“– die Hits kamen am Fließband. Auch in Deutschlan­d hatte die Band eine riesige Fangemeind­e. Kaum eine Woche verging, in der die „Bravo“kein Take-That-Poster im Heft hatte. Als sich die Boygroup 1996 auflöste, richtete „Bravo“für trauernde Fans eine Hotline ein.

Der Musikmanag­er Nigel MartinSmit­h hatte Take That in Manchester gegründet. Er war auf den vielseitig­en Barlow aufmerksam geworden und formierte die Boyband um den 18-Jährigen. Howard Donald, Mark Owen, Jason Orange und zuletzt Robbie Williams komplettie­rten Take That. „Es war alles nur Zufall“, sagt Barlow viel zu bescheiden. „Es ist einfach so passiert, und dann lief es.“Doch das stimmt nicht ganz.

Talent und Beharrlich­keit waren maßgeblich. Schon als Teenager stand Gary Barlow regelmäßig auf der Bühne. Und immer wieder setzte sich der Junge aus der Kleinstadt

Frodsham bei Liverpool in den Zug nach London, um sich bei Plattenfir­men zu empfehlen. „Ich saß da manchmal acht Stunden in der Hoffnung, dass jemand vorbeikomm­t, dem ich eine Kassette oder ein Foto in die Hand drücken kann“, sagt er. „Es gab ja kein YouTube, um die Leute auf dich aufmerksam zu machen.“

Heute findet man auf der Videoplatt­form einen Ausschnitt von Barlows erstem Musikvideo „Love is in the Air“von 1990. Unter dem Pseudonym Kurtis Rush tanzte er und bewegte den Mund zum Gesang eines anderen. „Ich glaube, Kurtis Rush war ein Künstler, der sich mit dem Label zerstritte­n hatte. Die wollten einen jungen Typen für das Video. Und das war ich.“

Beim Dreh lernte er seine spätere Frau Dawn kennen, die als Tänzerin im Video auftrat. Es dauerte ein paar Jahre und weitere Auftritte mit Take That, bis es funkte. „1995 haben wir etwa 20 Tänzerinne­n mit auf Tournee genommen, und sie war eine davon, da sind wir endlich zusammenge­kommen.“ 2000 heiratete das Paar. Im selben Jahr wurde ihr Sohn Daniel geboren. Später kamen die Töchter Emily und Daisy hinzu.

Kurz vorher hatte Barlow seine schwerste berufliche Krise erlitten und seine Sängerkarr­iere beendet. Sein zweites Soloalbum war gefloppt, der Plattenver­trag futsch. „Darüber wurde in den Medien viel berichtet, für mich als Künstler war das echt peinlich“, sagt er. „Gleichzeit­ig lief es für Robbie astronomis­ch. Er galt als Gewinner, ich war der Verlierer. Ich habe mich geschämt und wollte nicht raus in die Öffentlich­keit. Es war eine schrecklic­he Zeit.“

Das Take-That-Comeback 2005 bezeichnet Barlow – neben der ersten Begegnung mit Martin-Smith – als einen der wichtigste­n Momente seiner Karriere. Seitdem ist die musikalisc­h gereifte Band mit Barlow als kreativem Kopf wieder überaus erfolgreic­h und füllte in Großbritan­nien vor der Pandemie die Fußballsta­dien. Auch Robbie Williams, mit dem sich Barlow heute gut versteht, war vorübergeh­end dabei. Aktuell ist Take That ein Trio, bestehend aus Gary Barlow, Mark Owen und Howard Donald.

Im Lockdown arbeitet der erklärte Workaholic mit Filmkompon­ist Hans Zimmer an einem noch geheimen Soundtrack. In sozialen Medien postet er seine „Crooner Sessions“, musikalisc­he Duette übers Internet mit Stars wie Rod Stewart, Jessie J, Rick Astley oder seinen Bandkumpel­s.

Apropos „Back for Good“: Nach einer Solotour mit dem Orchestera­lbum „Music Played by Humans“soll es mit Take That weitergehe­n. „Take That steht für mich an erster Stelle, das ist mein Baby“, betont der Bandleader. „Das ist das, was unser Publikum am glücklichs­ten macht.“

 ?? FOTO: SOEREN STACHE/DPA ?? Man in Blue: Gary Barlow, Sänger von „Take That“und selbsterna­nnter Workaholic.
FOTO: SOEREN STACHE/DPA Man in Blue: Gary Barlow, Sänger von „Take That“und selbsterna­nnter Workaholic.

Newspapers in German

Newspapers from Germany