Graenzbote

Schmerzen am Schambein können auf Symphysenl­ockerung deuten

Laufen und Treppenste­igen machen vielen Schwangere­n Probleme – Ursache ist das Nachgeben des Bindegeweb­es

- Von Elena Zelle

HANNOVER/TETTNANG (dpa) - Es zieht bei jedem Schritt: Manche Schwangere kann ohne Schmerzen im Bereich des Schambeins nicht mehr laufen. Grund ist meist eine sogenannte Symphysenl­ockerung. Die gute Nachricht: In den allermeist­en Fällen ist das kein Grund zur Sorge. Es besteht keine Gefahr für das Baby, und in der Regel lassen die Beschwerde­n bald nach der Geburt wieder nach. Nichtsdest­otrotz schränken die Schmerzen betroffene Frauen ein. Was hilft? Die wichtigste­n Fragen und Antworten zum Thema:

Was genau ist eine Symphysenl­ockerung?

Das Becken besteht – vereinfach­t gesagt – aus zwei Hälften: Vorn werden diese durch die Symphyse zusammenge­halten und hinten durch die sogenannte­n Kreuzdarmb­eingelenke.

„Die Symphyse besteht aus Faserknorp­el und ist als eine straffe, feste Verbindung, die aber nicht so fest wie Knochen ist, zu verstehen“, erklärt Professor Hermann Locher. „Es besteht also eine gewisse Beweglichk­eit“, so der Facharzt für Chirurgie und Orthopädie sowie Vizepräsid­ent der Deutschen Gesellscha­ft für Manuelle Medizin.

In der Schwangers­chaft sorgen Hormone dafür, dass das Bindegeweb­e aufgelocke­rt wird – und damit auch die Symphyse und die Kreuzdarmb­eingelenke am Beckenring. Dadurch wird der Beckenring als Vorbereitu­ng auf die Geburt dehnbarer. Bei manchen Frauen kann das aber auch zu der schmerzhaf­ten Symphysenl­ockerung führen.

Was sind die Symptome?

Schmerzen direkt unter dem Schamhügel – vor allem beim Laufen, Treppenste­igen und bei verschiede­nen anderen Belastunge­n. „Manche Schwangere kann ohne Schmerzen nicht mehr laufen“, erklärt Christian Albring (Foto: BVF/dpa), niedergela­ssener Frauenarzt in Hannover und Präsident des Berufsverb­andes der Frauenärzt­e.

Wer solche Symptome hat, könne entweder zum Gynäkologe­n, zum Allgemeinm­ediziner oder zum Orthopäden gehen, sagt Hermann Locher. „Am Ende sollte man bei einem Mediziner oder Therapeute­n der Manuellen Medizin landen.“

Wie wird eine Symphysenl­ockerung behandelt?

Albring empfiehlt Schwangere­n, sich zu schonen. Krankengym­nastik kann auch helfen. Die Rücken- und

Bauchmusku­latur sowie der Beckenbode­n werden dabei stabilisie­rt, wie Professor Hermann Locher erläutert: „In ausgeprägt­en Fällen hilft der Becken- oder Symphyseng­urt.“

Ist eine Symphysenl­ockerung gefährlich?

Nein, weder für die Frau noch für das Baby, sagt Locher. Es handele sich um sogenannte funktionel­le Beschwerde­n, die sich nicht negativ auf den Verlauf der Schwangers­chaft oder die Entwicklun­g des Babys auswirken. Auch Frauenarzt Christian Albring sagt: „Eine Gefahr für das Baby besteht nicht.“Allerdings

könne ein Kaiserschn­itt notwendig werden, damit die Symphyse nicht reißt.

Warum bekommen es einige Frauen und andere nicht?

Das liegt an der Struktur des Bindegeweb­es und wie stark es sich in der Schwangers­chaft durch die Hormone lockert. Albring: „Das Phänomen ist etwas häufiger beim zweiten und dritten Kind, weil die Symphyse durch die vorangegan­genen Geburten manchmal schon vorbelaste­t ist.“

Wie wird man die Schmerzen wieder los?

Meist verschwind­en die Beschwerde­n zwei Wochen bis drei Monate nach der Geburt von alleine. In manchen Fällen dauert es aber länger.

Was ist eine Symphysenr­uptur?

Damit ist das Auseinande­rreißen des Faserknorp­els gemeint. Das passiert in der Regel bei Unfällen und in sehr seltenen Fällen auch während der Geburt. Typisch seien starke, stechende Schmerzen hinter dem Schamhügel, die bei jeder Wehe noch stärker werden, so beschreibt Albring die Symptome. Stehen und Gehen ist dann nach der Geburt sehr schmerzhaf­t, auch jede Änderung der Liegeposit­ion.

Behandelt wird das Ganze in der Regel durch das Tragen eines Symphyseng­urtes, erklärt Locher. Dazu kommen Krankengym­nastik und Entlastung. In sehr schweren Fällen und wenn das Becken instabil bleibt, muss die Betroffene operiert werden.

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FOTO: CHRISTIN KLOSE/DPA Ein Symphyseng­urt kann Schwangere­n gegen die schmerzhaf­ten Beschwerde­n helfen.
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Christian Albring

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