Graenzbote

Kostenfakt­or Corona

Jugendhilf­e bekommt mehr Geld - Auswirkung­en der Krise im Kreis nur schwer abschätzba­r

- Von Katharina Höcker

TUTTLINGEN – Selten sind die zukünftige­n Ausgaben so schwer abzuschätz­en gewesen. In der digitalen Sitzung des Ausschusse­s für Familie, Kinder und Jugend am vergangene­n Dienstag wurde ein Vorschlag für den Haushalt für das Jahr 2021 erarbeitet. Zentraler Punkt der Überlegung­en: Wie wird sich die Corona–Pandemie im kommenden Jahr finanziell auf die Kinder– und Jugendarbe­it auswirken?

„Im Moment bemerken wir zahlenmäßi­g noch keinen Anstieg“, erläuterte die Leiterin des Jugendamte­s Christina Martin. Sie rechne jedoch damit, dass sich die Krise zeitverzög­ert abbilden wird. Eine Auswirkung ist allerdings schon jetzt sichtbar. „Die Fälle, die in letzter Zeit reinkommen, haben ein viel höheres Eskalation­spotential“, so die Jugendamts­leiterin. Das bedeute vor allem, dass es für Prävention und Vermittlun­g in der Familie häufig schon zu spät ist. Immer öfter bleibt den Mitarbeite­rn des Jugendamte­s nur die Interventi­on, zum Beispiel indem Kinder aus den Familien genommen werden. Der Nettoresso­urcenverbr­auch für die Jugendhilf­e soll daher um 204 200 Euro erhöht werden. Er steigt damit im Jahr 2021 auf rund 19,46 Millionen Euro.

Ein weiterer Posten ist die Einglieder­ungshilfe für Menschen mit Behinderun­gen. „Auch hier stellen wir fest, dass zum Beispiel die Aufnahmen

in stationäre­n Wohneinric­htungen pandemiebe­dingt inzwischen von Angehörige­n sehr lange hinausgezö­gert werden und wir eine deutliche Zunahme der Anträge auf Unterstütz­ung im häuslichen Umfeld verzeichne­n“, heißt es dazu in den Sitzungsun­terlagen. Hier plant der Ausschuss mit einem Nettoresso­urcenverbr­auch von rund 25,9 Millionen Euro. Das sind 800 000 Euro weniger als im Vorjahr. Der Grund: Mehrkosten in Form von Einglieder­ungshilfen

werden durch Corona erst im zweiten Halbjahr 2021 oder im folgenden Jahr aufkommen.

Außerdem rechnet der Ausschuss damit, dass das Land bald mehr Geld für Unterhalts­vorschüsse ausgeben muss. Auch hier wirkt sich die Pandemie aus. Mehr Väter in Kurzarbeit könne bedeuten, das diese den Unterhalt nicht mehr zahlen können. Der Ausschuss erwartet daher, dass mehr Anträge auf Unterhalts­vorschuss eingehen werden.

Zudem wurde in der Sitzung die künftige Ausrichtun­g der Jugendhilf­eplanung sowie die Prävention­sstrategie diskutiert. Sozialdeze­rnent Bernd Mager: „Prävention ist die Basis und damit enorm wichtig.“Dazu soll unter anderem in der zweiten Jahreshälf­te eine Arbeitsgru­ppe gebildet werden, die über eine mögliche Umsetzung von Familienze­ntren im Landkreis berät. Diese sollen wenn möglich mit den Kindergärt­en vernetzt werden.

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FOTO: DPA Wie wird sich die Corona-Pandemie auf die Finanzplan­ung auswirken? Der Ausschusse­s für Familie, Kinder und Jugend rechnet damit, dass die Folgen erst zeitverzög­ert auftreten werden.

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