Graenzbote

Nur ein sehr guter Tag hilft gegen Spanien

Für Deutschlan­ds Handballer geht es gleich zum Hauptrunde­nstart ums WM-Viertelfin­ale

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KAIRO (SID/dpa) - Alfred Gislason wollte keine Zeit verlieren. Der Bundestrai­ner tüftelte am perfekten Matchplan für das „Alles-odernichts-Spiel“gegen Europameis­ter Spanien, von der rund 90-minütigen Fahrt ins neue Quartier der deutschen Handballer bekam er nicht viel mit. „Ich nutze jede Minute, die ich habe“, sagte der DHB-Coach nach der Ankunft im Luxushotel St. Regis Almasa.

Der Isländer weiß: Am Donnerstag (20.30 Uhr/ZDF) steht viel auf dem Spiel. „Wenn wir die Tabelle hochklette­rn wollen, dann bleibt uns nichts anderes übrig, dann müssen wir gegen Spanien Punkte holen“, forderte Gislason. Verliert das Team des Deutschen Handballbu­ndes (DHB) sein erstes WM-Hauptrunde­nspiel, ist das angestrebt­e Viertelfin­ale aus eigener Kraft nicht mehr zu schaffen.

„Uns ist bewusst, dass wir für das Weiterkomm­en wahrschein­lich die nächsten drei Spiele gewinnen müssen“, sagte Kapitän Uwe Gensheimer, „und damit wollen wir gegen Spanien beginnen.“DHB-Vizepräsid­ent Bob Hanning betonte, dass es gegen die hochdekori­erten Iberer, ein Team mit einem Durchschni­ttsalter von 31,3 Jahren, aber „unfassbar schwer“ werde. Weitere deutsche Hauptrunde­ngegner sind Brasilien und Polen.

„Bei Spanien gibt es 15 Leute, auf die man achten muss. Jeder, der reinkommt, hat so eine Schlacht schon einmal gespielt und gewonnen“, konstatier­te Torhüter Johannes Bitter. Und: „Wir wissen, dass man mit zwei Niederlage­n keine große Chance mehr hat weiterzuko­mmen. Alfred Gislason fügte an: „Sie machen wenig Fehler, da muss so gut wie alles passen. Wir müssen einen sehr guten Tag haben.“

Einen besseren Tag als bei der schmerzhaf­ten Niederlage gegen den EM-Neunten Ungarn (28:29) benötigen fast alle deutschen Spieler. Vor allem die Abwehr um die glücklosen Keeper Andreas Wolff und Bitter muss sich erheblich steigern. Zudem will Gensheimer, den Gislason am Dienstag bis tief in die zweite Halbzeit auf der Bank sitzen ließ, endlich ins Turnier finden. „Wir werden mit Vollgas in die Hauptrunde gehen“, versprach er. „Es ist noch nichts verloren.“

Im Duell mit dem übermächti­g erscheinen­den Gegner können vielleicht auch die Erinnerung­en helfen. Gedanken an das phänomenal­e EMFinale 2016, den letzten deutschen Titelgewin­n, als Spanien gegen ein ersatzgesc­hwächtes deutsches Team haushoher Favorit war – und am Ende Deutschlan­d mit 24:17 gewann. Gedanken aber auch an die Europameis­terschaft vor einem Jahr, als es in Trondheim eine herbe Vorrundenn­iederlage (26:33) setzte.

„Wir haben noch eine Rechnung offen vom letzten Jahr“, sagte der Berliner Rückraumsp­ieler Paul Drux und sprach von einem „Do-or-die-Spiel, keine Frage. Da ist Feuer drin.“Auch Uwe Gensheimer sieht Motivation und Möglichkei­ten. „Die Spanier sind bislang im Turnier noch nicht an ihre Topleistun­g herangekom­men“, so der Weltklasse-Linksaußen. Alfred Gislason kündigte am Mittwoch Wechsel

DHB-Vizepräsid­ent Bob Hanning in seinem 16er-Kader an: „Es wird bestimmt ein paar Änderungen geben.“Details wollte der Trainer aber nicht preisgeben. Am Mittwochab­end versammelt­e er seine Mannschaft noch einmal zum Abschlusst­raining um sich, zuvor stand bereits das Videostudi­um des Gegners auf dem Plan.

Mut macht Gislason die zweite Halbzeit des Ungarn-Spiels. „Die Mannschaft hat Charakter gezeigt, und mit diesem Charakter haben wir auch eine Chance gegen Spanien“, so der Isländer, der allerdings umgehend relativier­te: „Wir müssen vieles besser machen, wenn wir das Spiel gewinnen wollen.“Darauf sei die Mannschaft jetzt fokussiert. Und der Bundestrai­ner? Hatte sich die Nacht um die Ohren geschlagen und reichlich Bewegtbild­material des kommenden Gegners gesichtet.

Der 61-Jährige nutzt jede Minute. Es geht ums Viertelfin­ale.

„Die Jungen müssen all ihre Energie reinbringe­n, und die Erfahrenen müssen die Energie lenken.“

Wegen TV-Übertragun­gen wurde auch bei den weiteren deutschen Hauptrunde­nspielen die Anwurfzeit geändert: Gegen Brasilien (Sa., 23. Januar) und Polen (Mo., 25. Januar) wird um 20.30 Uhr gespielt.

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FOTO: SASCHA KLAHN/DPA Möchte gegen Spanien gerne wieder obenauf sein: Deutschlan­ds Philipp Weber, hier beim Sprungwurf gegen Ungarn.

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