Der Pup­pen­spie­ler der Mul­lahs

Qas­sem So­lei­ma­ni ist der Mann hin­ter der ag­gres­si­ven Po­li­tik des Iran. Kaum je­mand kennt ihn, aber vie­le fürch­ten ihn. Wird er nun auch noch Prä­si­dent?

Guenzburger Zeitung - - Meinung & Dialog - Guar­di­an Tho­mas Sei­bert

Als ira­ni­sche Ein­hei­ten in Sy­ri­en in der ver­gan­ge­nen Wo­che in kur­zer Fol­ge 20 Ra­ke­ten auf die is­rae­li­schen Go­lan-Hö­hen ab­feu­er­ten, war für die Mi­li­tärs schnell klar, wer für die Pro­vo­ka­ti­on ver­ant­wort­lich war. Der Be­fehl für den An­griff sei von Ge­ne­ral­ma­jor Qas­sem So­lei­ma­ni ge­kom­men, er­klär­te die is­rae­li­sche Ar­mee. Der 61-Jäh­ri­ge ist der Chef der Qud­sB­ri­ga­den, der Aus­lands­trup­pe der ira­ni­schen Re­vo­lu­ti­ons­gar­de, und au­ßer­dem ei­ner der ein­fluss­reichs­ten und ge­heim­nis­volls­ten Män­ner im Na­hen Os­ten.

Ei­ne Au­ra des Mys­te­riö­sen um­gibt So­lei­ma­ni, der auch der „Schat­ten“ge­nannt wird und dem Re­vo­lu­ti­ons­füh­rer Ali Kha­men­ei na­he­ste­hen soll. Der frü­he­re CIA-Agent John Ma­gui­re hat ihn ein­mal als „den mäch­tigs­ten Ein­zel­ak­teur im Na­hen Os­ten“be­schrie­ben. Aber: „Nie­mand kennt ihn.“Der bri­ti­sche be­zeich­ne­te ihn als „Pup­pen­spie­ler des Na­hen Os­tens“. Tat­säch­lich agiert So­lei­ma­ni meis­tens hin­ter den Ku­lis­sen. Wenn er auf den Schlacht­fel­dern zwi­schen Mos­sul und Alep­po auf­tauch­te, ge­schah das meist in ent­schei­den­den Mo­men­ten von Feld­zü­gen ge­gen den Is­la­mi­schen Staat oder ge­gen Fein­de des sy­ri­schen Staats­prä­si­den­ten Ba­schar al-As­sad.

So­lei­ma­ni, der in sei­ner Ju­gend ein be­geis­ter­ter Bo­dy­buil­der ge­we­sen sein soll, hat­te sich kurz nach der ira­ni­schen Re­vo­lu­ti­on von 1979 der Re­vo­lu­ti­ons­gar­de an­ge­schlos­sen, die als se­pa­ra­te Ein­heit ne­ben der Ar­mee der Mul­lahs agiert und sich im Lauf der Jah­re gro­ßen Ein­fluss ver­schafft hat. So­lei­ma­ni kämpf­te von 1980 bis 1988 im Krieg ge­gen den Irak und stieg rasch auf. Heu­te ist der Of­fi­zier mit dem grau me­lier­ten Voll­bart ei­ner der Vor­den­ker der ag­gres­si­ven ira­ni­schen Nah­ost-Stra­te­gie. Der Iran wei­tet sei­nen Ein­fluss im Irak und Sy­ri­en aus, stärkt den li­ba­ne­si­schen Ver­bün­de­ten His­bol­lah am Mit­tel­meer und un­ter­stützt die an­tis­au­di­schen Huthi-Re­bel­len im Je­men. Irans Geg­ner wie Is­ra­el, die USA und Sau­di-Ara­bi­en hal­ten da­ge­gen.

So­lei­ma­nis Er­fol­ge ha­ben ihm nach Ein­schät­zung ei­ni­ger Be­ob­ach­ter gu­te Chan­cen auf das Prä­si­den­ten­amt im Iran ein­ge­bracht. Ins­be­son­de­re nach dem Aus­stieg der USA aus dem ira­ni­schen Atom­ab­kom­men wer­de in Te­he­ran der Ruf nach ei­nem Prä­si­den­ten aus den Rei­hen der Mi­li­tärs lau­ter. Ob So­lei­ma­ni tat­säch­lich in die Po­li­tik ein­stei­gen will, ist je­doch un­klar. Schließ­lich sind sei­ne teu­ren Krie­ge im Aus­land bei vie­len Ira­nern sehr un­be­liebt.

Au­ßer­halb des Iran ist So­lei­ma­ni längst po­li­tisch ak­tiv. Vor ei­ni­gen Ta­gen wur­de er in Bagdad ge­sich­tet, wo er nach den Wah­len die Be­mü­hun­gen um die Bil­dung ei­ner pro­ira­ni­schen Re­gie­rung im Irak un­ter­stützt. Hin und wie­der soll er so­gar mit den USA ko­ope­riert ha­ben. So ließ er den Ame­ri­ka­nern 2001 wich­ti­ge In­for­ma­tio­nen über Ta­li­banStütz­punk­te in Af­gha­nis­tan zu­kom­men. Vor drei Jah­ren sprach sich Wa­shing­ton an­geb­lich ge­gen ei­nen is­rae­li­schen Plan zur Er­mor­dung des ira­ni­schen Of­fi­ziers aus. In­zwi­schen soll So­lei­ma­ni je­doch auf der Ab­schuss­lis­te der Ame­ri­ka­ner und der Is­rae­lis ste­hen.

Fo­to: dpa

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