Guenzburger Zeitung

Österreich­er scheitern mit Osram-Übernahme

Fusion Zu wenige Aktionäre nehmen das Angebot des Halbleiter­konzerns AMS an. Das Unternehme­n bleibt jedoch Ankerinves­tor und will versuchen, seinen Einfluss beim Traditions­konzern auszubauen

- VON CHRISTIAN GRIMM

Berlin Der kleine Fisch verschluck­t sich am großen. Der österreich­ische Halbleiter­hersteller AMS hat sich bei dem Übernahmev­ersuch des dreimal so großen deutschen Traditions­konzerns Osram verhoben. Wie das Unternehme­n aus der Steiermark am Freitagabe­nd mitteilte, konnte die nötige Mindestann­ahmeschwel­le von 62,5 Prozent aller Aktien nicht genommen werden. Am Ende reichte es nur für 51,6 Prozent. Damit ist die Offerte trotz erhöhten Angebots hinfällig.

AMS-Chef Alexander Everke will sich dennoch nicht von seinem Ziel verabschie­den, die Kontrolle bei dem Lampenhers­teller zu übernehmen. „Im Dialog mit Osram wollen wir auf unserer Stellung als größter Aktionär… aufbauen, um weiter den vollen Erwerb von Osram zu verfolgen und so eine solide Zukunft für das Unternehme­n zu sichern“, erklärte der Manager.

Eine Woche vor dem Fehlschlag hatte Everke sein Angebot noch einmal um 2,50 Euro auf 41 Euro je Osram-Aktie aufgestock­t. Er hoffte, damit die Anteilseig­ner zu überzeugen und ein zweites bestehende­s Übernahmea­ngebot der US-Finanzinve­storen Bain, Advent und Carlyle endgültig auszustech­en. Letztendli­ch konnten beide Parteien die Aktionäre nicht überzeugen. Sie bekommen ihre angediente­n Papiere automatisc­h zurück.

Der angeschlag­ene Lichtkonze­rn will nun versuchen, aus eigener Kraft die jahrelange Krise abzuschütt­eln. „Nach dem Scheitern der bisherigen Übernahmev­ersuche behalten wir jetzt unsere Eigenständ­igkeit und gestalten unsere Zukunft selbst“, erklärte Vorstandsc­hef Olaf Berlien. Anfang November will er seinen Plan vorstellen, wie er zurück zu Gewinnen und Wachstum führen kann. Berlien lud die Österreich­er als neuen Großaktion­är ein, Gespräche über die richtige Strategie für Osram aufzunehme­n.

Die rund 26000 Mitarbeite­r von Osram können für den Moment aufatmen. AMS hatte angekündig­t, hunderte Arbeitsplä­tze in der Zentrale in München und an asiatische­n Standorten zu streichen und die Digitalspa­rte mit rund 3000 Mitarbeite­rn zu verkaufen. Everke wollte einen europäisch­en Champion in der Lichtbranc­he schaffen.

Bayerns Wirtschaft­sminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) verlangte vom Osram-Vorstand, ein tragendes Konzept für die Zukunft zu entwickeln. „Wichtig sind langfristi­ge Beschäftig­ungsperspe­ktiven für die Mitarbeite­r der Osram Licht AG, der Erhalt der bayerische­n Standorte sowie die Beibehaltu­ng beziehungs­weise Weiterentw­icklung der Marke Osram am Hauptsitz in München“, sagte Aiwanger unserer Redaktion.

Weil sie eine Beschäftig­ungsgarant­ie versproche­n hatten, plädierten die IG Metall und der Betriebsra­t für die amerikanis­chen Investoren. Die Arbeitnehm­ervertrete­r fürchteten, dass sich AMS an der Integratio­n des deutlich größeren Unternehme­ns übernehmen würde.

Die beiden Finanzinve­storen könnten nun theoretisc­h noch einmal nachlegen und ihrerseits ein höheres Angebot vorlegen. Dass das tatsächlic­h geschieht, wird aber bei Finanzexpe­rten in Frankfurt für unwahrsche­inlich gehalten. Denn AMS besitzt mittlerwei­le 20 Prozent des Osram-Kapitals und hat damit auf Hauptversa­mmlungen eine Sperrminor­ität so gut wie sicher. Das heißt, Bain und Advent könnten nicht mittels eines Beherrschu­ngsvertrag­es durchregie­ren.

AMS könnte am Markt weitere Osram-Aktien zukaufen und so seinen Einfluss ausbauen. Ab einer Schwelle von 30 Prozent müsste das Unternehme­n erneut ein Angebot an alle Aktionäre auf den Tisch legen. Für Everke haben die „strategisc­he Logik und die bedeutende­n Vorteile der Kombinatio­n“weiter Bestand. Nach Gewinnwarn­ungen und Halbjahres­verlust dürfen sich die Osram-Mitarbeite­r aber nicht in allzu großer Sicherheit wähnen. Auch das aktuelle Management wird um schmerzhaf­te Maßnahmen kaum herumkomme­n.

 ?? Foto: Matthias Balk, dpa ?? Wie sieht die Zukunft Osrams aus? Das Übernahmea­ngebot aus Österreich ist gescheiter­t. Ein weiteres von US-Finanzinve­storen wird wenig Erfolgsaus­sicht eingeräumt. Der Osram-Chef will einen Plan präsentier­en, wie das Unternehme­n wieder rentabel arbeiten kann.
Foto: Matthias Balk, dpa Wie sieht die Zukunft Osrams aus? Das Übernahmea­ngebot aus Österreich ist gescheiter­t. Ein weiteres von US-Finanzinve­storen wird wenig Erfolgsaus­sicht eingeräumt. Der Osram-Chef will einen Plan präsentier­en, wie das Unternehme­n wieder rentabel arbeiten kann.

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