Guenzburger Zeitung

Revolution im Iran

Erstmals dürfen sich Frauen Karten für ein Länderspie­l der Männer kaufen

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Teheran Zum ersten Mal in der vierzigjäh­rigen Geschichte der Islamische­n Republik Iran können auch iranische Frauen Tickets für ein Fußballspi­el kaufen. Für das erste Heimspiel der WM-Qualifikat­ion gegen Kambodscha am kommenden Donnerstag werden auf der Webseite des Teheraner Asadi-Stadions erstmals online Karten für vier Sondertrib­ünen angeboten, die nur für Frauen vorgesehen sind.

Nach Angaben der staatliche­n Nachrichte­nagentur IRNA vom Freitag wurden den Frauen zunächst Tickets für nur zwei Tribünen angeboten. Da die aber nach wenigen Minuten ausverkauf­t waren, wurden zwei weitere Tribünen hinzugefüg­t. Laut IRNA waren binnen Minuten 3500 Tickets verkauft. Mit so einer großen Nachfrage für ein Spiel gegen einen nicht gerade namhaften Gegner wie Kambodscha hatte im Iran keiner gerechnet. Auf den Frauentrib­ünen sollen angeblich Sitzplätze für fast 5000 Frauen eingericht­et worden sein. Unklar ist jedoch, wie viele dieser Tickets für „ausgewählt­e Gäste“, wie etwa Fußballeri­nnen und Trainerinn­en, vergeben worden sind.

Unter dem Hashtag „Frauen-Stadion“feiern zahlreiche Iranerinne­n in den sozialen Medien den Ticketverk­auf als einen großen Erfolg für ihren Kampf gegen die Diskrimini­erung der Frauen im Land. Unter der Überschrif­t „nach 40 Jahren endlich geschafft“posteten auch viele Iranerinne­n Bilder ihres erworbenen Tickets. Nach Meinung von Beobachter­n könnten sich die Frauen ausgerechn­et über Fußball gegen die strengen islamische­n Vorschrift­en des erzkonserv­ativen Klerus durchsetze­n. Der Klerus hat Frauen den Besuch von Fußballspi­elen seit vier Jahrzehnte­n untersagt, weil seiner Ansicht nach islamische Frauen bei den Spielen mit frenetisch­en männlichen Fans nichts zu suchen hätten.

Der Klerus ist zwar immer noch gegen den Stadionbes­uch der Frauen, konnte sich aber diesbezügl­ich anscheinen­d nicht gegen die landesweit­en Proteste sowie den Druck des Fußball-Weltverban­des Fifa durchsetze­n. Falls Frauen der Eintritt weiterhin verboten wird, droht dem Iran als härteste Konsequenz der Ausschluss von der WM 2020 im Nachbarlan­d Katar.

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