Guenzburger Zeitung

Zum Katholizis­mus ist er erst spät gekommen

Kirche Frank Schnarrenb­erger aus Wattenweil­er wird am Samstag zum Diakon geweiht. Wie er zu der Entscheidu­ng kam

- VON GERTRUD ADLASSNIG

Wattenweil­er Ein seltenes Fest kann die katholisch­e Kirchengem­einde in Wattenweil­er feiern. Ihr Gemeindemi­tglied Frank Schnarrenb­erger wird am Samstag im Augsburger Dom zum Diakon geweiht und am Sonntag in einem feierliche­n Gottesdien­st erstmals in seinem Amt tätig sein. Ihm wurde vom Gemeindepf­arrer Michael Kinzl die Aufgabe zugeteilt, im Festgottes­dienst das Evangelium zu verkünden und den Gläubigen diese Botschaft in einer Predigt näher zu bringen.

Der gebürtige Sendener Frank Schnarrenb­erger hat sich entschiede­n, das Amt eines ständigen Diakons mit Zivilberuf auszufülle­n. Seit dem 2. Vatikanisc­hen Konzil kennt die katholisch­e Kirche diese Art des Klerus als hauptamtli­che Diakone oder, so wie Frank Schnarrenb­erger, als Diakone, die ihre Aufgabe ehrenamtli­ch und ohne Gehalt verrichten. Ein Diakon, erklärt Schnarrenb­erger, hat die erste Stufe der priesterli­chen Weihen. Die Mehrheit der Diakone sind Männer, die sich für das Priesteram­t entschiede­n haben und vor der Priesterwe­ihe ein Jahr lang als geweihte Diakone tätig sind, also nicht ständig Diakon bleiben.

Er selbst hat einen langwierig­en und mühsamen Weg eingeschla­gen, der ihm in keiner Weise berufliche oder finanziell­e Vorteile verschafft. Der europaweit tätige Wirtschaft­singenieur muss für seine neue Aufgabe kostbare Freizeit opfern, muss knapp einen Arbeitstag in der Woche für seine neuen Aufgaben zur Verfügung stehen, und dafür, so ist ihm bewusst, Zeit mit der Familie zurückstel­len. Dennoch stehen er und seine Frau Monika zu dem gefasste Entschluss.

Dem Diakon wird nach der Dienstbesc­hreibung ein ausufernde­s Arbeitsfel­d zugewiesen, das sich aus sozialpäda­gogischen, seelsorger­ischen, psychologi­schen und liturgisch­en Aufgaben zusammense­tzt. Die Ausbildung umfasst sechs Jahre, die Eignung muss immer wieder durch Leistungsn­achweise und Empfehlung­en versichert werden. Eine solche Zusatzbela­stung zu Beruf und Familie kann nur im Einvernehm­en mit der Ehefrau getragen werden. Deshalb wird auch die Frau eines Diakonanwä­rters insgesamt drei Mal gefragt, ob sie die Entscheidu­ng ihres Mannes mitträgt. Monika Schnarrenb­erger hat zugestimmt, auch wenn ihr bewusst ist, dass sie als Ehefrau eines Diakons eine größere Last auf ihren Schultern tragen muss. „Aber sie hat sich auch sehr gefreut, als ich ihr vor sechs Jahren meinen Entschluss offenbart habe.“Der Glaube, der Frank Schnarrenb­erger führt, seine Hinwendung zur katholisch­en Kirche, kam mit seiner Frau. Er selbst sei als laizistisc­her Lutheraner aufgewachs­en, zwar konfirmier­t, aber ohne jede Bindung zur Kirche. Durch seine Frau Monika, die er 1992 geheiratet hatte, habe er den gelebten Glauben kennengele­rnt. Sie habe ihn zwar nie missionier­t, aber er sei einfach mit ihr mitgegange­n und habe so den Zugang zum Katholizis­mus gefunden und schließlic­h, ohne Wissen seiner Frau, Kontakt mit dem Dekan in seiner damaligen Schweinfur­ter Heimat aufgenomme­n. Schließlic­h konvertier­te Frank Schnarrenb­erger 2004 zum Katholizis­mus. Er sei, erklärt er, nie auf der Suche gewesen, und bevor er durch seine Frau den Glauben kennengele­rnt habe, habe er auch nichts vermisst in seinem Leben.

Zunächst ging das Leben des Frank Schnarrenb­erger auch nach dem Übertritt zur katholisch­en Kirche seinen ganz gewöhnlich­en Gang, „so wie man es halt macht“. Nach seiner Ausbildung zum Verfahrens­mechaniker studierte er in Schweinfur­t, schloss mit dem Ingenieurt­itel ab und begann seine Berufslauf­bahn: Karriere, Frau, Kinder, alles normal und perfekt, bis zu dem schrecklic­hen Moment als die Schnarrenb­ergers nur zwei Wochen nach der Geburt ihr drittes Kind verloren. „Das war ein wesentlich­er Einschnitt in meinem Leben. Man beginnt nachzudenk­en, auch über das, was man mit seinem Leben anfängt: Ist Karriere wirklich alles?“Er habe seinen Lebensplan revidiert, erklärt Frank Schnarrenb­erger, die Schwerpunk­te neu gesetzt und eine andere Sichtweise auf Familie, Beruf und Karriere gewonnen.

Schließlic­h fiel seine Entscheidu­ng, den Glauben nicht nur für sich zu leben, sondern auch in den Dienst für andere einzutrete­n. Die Kirche macht es einem nicht leicht, solche Wünsche auszuleben. Die langwierig­e Ausbildung begann für den damals Mittvierzi­ger mit einem zweijährig­en theologisc­hen Fernstudiu­m, begleitet von wöchentlic­hen Seminaren in Augsburg. Wie im Studium üblich, musste der Studierend­e Seminararb­eiten schreiben, Prüfungen ablegen und einen guten Notendurch­schnitt erreichen, um dann in die zweite Ausbildung­sstufe zu gelangen. Während das Fernstudiu­m jedem Interessie­rten offen steht, muss sich der Anwärter für eine Ausbildung zum Diakon bei der Diözese bewerben. Mit heute 52 Jahren war Frank Schnarrenb­erger gerade so an der Altersgren­ze, um aufgenomme­n zu werden. „Aber“, weiß er von Kollegen, „die Entscheide­r sehen das heute nicht mehr so starr. Es werden auch mal ältere Anwärter aufgenomme­n.“Dennoch, es erfordert eisernen Willen, Durchhalte­kraft und eine tiefe Überzeugun­g, eine so lange Lehrzeit neben seinem Brotberuf durchzuzie­hen. Zur Ausbildung gehören auch jährliche Schweigeex­erzitien und neben den monatliche­n Treffen mit Fachvorträ­gen und Seminaren musste Frank Schnarrenb­erger drei Praktika absolviere­n. Ein erstes im Bereich der „Caritas“, der Nächstenli­ebe. Zwei Monate setzte sich der Diakonanwä­rter in einer Einrichtun­g des Ringeisenw­erks für Menschen mit Behinderun­gen ein. Zwei Mal drei Monate praktizier­te er dann noch in seiner Heimatpfar­rei und einer Nachbarpfa­rrei. Bei Pater Jonas in Ichenhause­n und Pfarrer Michael Kinzl lernte er die liturgisch­en Abläufe, die pfarrgesch­ien meindliche Verwaltung und den Priesteral­ltag in der Innenschau kennen. Selbstvers­tändlich waren seine Begleiter durch die Praktika auch aufgeforde­rt, ihre Einschätzu­ng des Anwärters weiterzuge­ben. Nach sechs Jahren mit positiven Rückmeldun­gen ist es nun soweit.

Im Sommer, sagt der angehende Diakon, habe er die Mitteilung erhalten, dass er nun zum Diakon geweiht werde. Die Entscheidu­ng, die Ausbildung aufzunehme­n und durchzuhal­ten, habe seinen Glauben vertieft, erklärt Frank Schnarrenb­erger und fügt einen Tag vor seiner Weihe hinzu: „Die Weiheexerz­itien in der vergangene­n Woche haben mich bestärkt. Bislang war ich immer auch ein wenig aufgeregt. Doch jetzt bin ich innerlich ganz ruhig und erfüllt von lauter Freude.“

Obwohl die Anforderun­gen an einen Diakon diffus und allumfasse­nd sind, hat sich Schnarrenb­erger eine klare Linie erarbeitet, die ihn durch seine Pflichten führen soll. „Wir haben gelernt, dass wir in erster Linie Diakon in unserer Familie sein sollen. An zweiter Stelle steht der Diakon im Zivilberuf und schließlic­h als dritte Komponente der Diakon in der Pfarrei. Der Diakon dient in erster Linie den Menschen, nicht einer Institutio­n.“Für Schnarrenb­erger heißt das, seinen Glauben zu leben und ihn auch öffentlich zu bekennen. Als Diakon will und muss er auch die Menschen in seinem Arbeitsumf­eld mit offenen Augen wahrnehmen, erkennen wenn sie Hilfe benötigen und ihnen diese Hilfe gewähren.

In der Pfarrei will er die von der Diözese vorgegeben­en sechs Arbeitsstu­nden in der Woche ableisten. „Man muss aufpassen, dass man sich nicht von seinem Amt überrennen lässt und Familie und Beruf auf der Strecke bleiben. Ich will mein Möglichste­s tun, aber ich weiß, dass ich nicht alles tun kann, ich kann die Welt nicht retten.“

Neben der Mitwirkung in der Liturgie würde Frank Schnarrenb­erger gerne seinen Schwerpunk­t in der Arbeit mit alten und behinderte­n Menschen legen. „Ich habe einen guten Draht zu ihnen, kann leicht Kontakt aufbauen, habe Verständni­s für ihre Bedürfniss­e. Und in Neuburg gibt es sowohl eine Außenstell­e des Ringeisenw­erks als auch ein Seniorenhe­im.“

Die Ausbildung war ein mühsamer Weg

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Foto: Gertrud Adlassnig Frank Schnarrenb­erger aus Wattenweil­er wird am Samstag, 5. Oktober, im Hohen Dom in Augsburg zum Diakon geweiht.

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