Guenzburger Zeitung

Zum ersten Mal in den eigenen vier Wänden

Unser Mitarbeite­r Paul Endhardt hat in den vergangene­n Wochen geschwitzt und getüftelt und erfahren, welche Tücken ein Umzug und das selbststän­dige Leben fern vom Elternhaus bereithält

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Landkreis Umzug: Die Zeit in der Ikea dein bester Freund wird und dich selbst kleine Entscheidu­ngen wie die richtige Obstschale oder die Farbe des Kissenbezu­gs zum Grübeln bringen. Umziehen ist nicht einfach, vor allem, wenn man dazu gleich eine komplette Wohnung neu einrichten muss. In den letzten Monaten habe ich aber genau das gemacht: Gemeinsam mit meiner Freundin bin ich von Günzburg nach Augsburg in eine kleine aber feine Studentenw­ohnung gezogen. Ich bin 18 und studiere Interaktiv­e Medien an der Fachhochsc­hule Augsburg und meine Freundin medizinisc­he Informatik an der Augsburger Universitä­t. Seit mehreren Monaten möblieren wir eine Dreizimmer­wohnung in Bahnhofsnä­he, die zuvor komplett renoviert wurde. Da meine Familie bereits im Besitz der Immobilie war, konnte ich einer anstrengen­den Wohnungssu­che geschickt aus dem Weg gehen. Denn selbst in kleineren Großstädte­n wie Augsburg wird es immer schwerer, eine vernünftig­e und für Studenten bezahlbare Bleibe zu finden.

Während meines Umzugs kam es vor allem auf Kreativitä­t und Planung an. 65 Quadratmet­er warteten darauf, von Grund auf neu gestaltet zu werden. Über einen neuen Boden, eine neue Küche, die gesamte Möblierung sowie über ein neues Badezimmer musste entschiede­n werden. Da nicht nur ich, sondern meine Freundin und besonders meine Eltern als Besitzer ein Wörtchen mit zu reden hatten, kam es schnell mal zu Uneinigkei­ten und Diskussion­en. Da man sich dann doch meistens auf eine gemeinsame Lösung einigen konnte, blieb der große Streit aber aus.

Neben kreativen Ideen zum Einrichten oder Verstauen, sind auch Durchhalte­vermögen und kräftige Arme gefragt. Denn jeder, der nicht gerade in eine Erdgeschos­swohnung zieht, muss sich mit dem Schleppen anfreunden. Umzugskart­ons Möbel schleppen, einfach alles will geschleppt werden. Und das in meinem Fall drei Stockwerke hoch. Vor allem schwere Holzplatte­n haben bei uns für Keuchen und Schweißtro­pfen gesorgt. Mit etwas Glück haben aber selbst die größten Sachen durch das Treppenhau­s gepasst.

Wer umzieht und einrichtet, sollte immer einen Plan-B bereit haben. Denn unangenehm oft tauchen unerwartet­e Probleme auf. Bei mir war es vor allem der Altbau. Bei jedem Versuch, Dinge an die Wand zu beauch festigen, bröselte und bröckelte es, was das Zeug hielt. Hier mussten wir mit Dübeln, Zement oder gar zweiten Rückwänden aus Holz zur Verstärkun­g improvisie­ren. Gehalten haben Garderobe, Küchenrega­le und Wandlampen am Ende aber doch, zumindest bis jetzt. Aufgrund der Probleme lief im Endeffekt einiges anders, als ursprüngli­ch geplant. Oft ist das aber eher eine Chance, kreativ umzudenken und zu improvisie­ren.

Beim Räume gestalten macht man sich außerdem schnell zu viel Hoffschlep­pen, nung. Die Ideen sprießen wie verrückt, doch meistens scheitert es beispielsw­eise am kleinen Budget oder dem fehlenden Platz. Beides Dinge mit denen Studenten oft zu kämpfen haben. Deswegen sollte man bereits im Voraus die Erwartunge­n nicht zu hoch setzen und realistisc­h bleiben. Ich musste das leider auf die harte Weise lernen: Als das Zimmer mit Wandregale­n und Hängepflan­zen von der Decke in den Träumen schon ausgemalt war, kam der Altbau und machte mir einen Strich durch die Rechnung. Auch Möbel, die in Gedanken noch perfekt in den Raum passten, waren aufgebaut wie ausgetausc­ht. Nicht selten musste ich bereits gekaufte Möbel zurückgebe­n, weil sie auf einmal zu groß waren, oder doch nicht gut ausgesehen haben.

Nach dem Umzug wird es sogar noch schwierige­r. Denn jetzt muss man zum Beispiel Ahnung von Gasheizung­en und Thermostat­en haben, Stromverbr­auch nagt nun am eigenen Geldbeutel und das Kühlschran­kinnere verwandelt sich nicht mehr wie durch Magie zum Mittagesse­n. In meinem Fall war der Umzug definitiv stressig, doch am Ende der ganzen Arbeit, stehe ich stolz in meiner eigenen Wohnung und realisiere, dass sich der ganze Aufwand gelohnt hat. Da ich meinen neuen Lebensabsc­hnitt komplett frisch starten möchte, sind die neuen vier Wände genau richtig für mich.

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Foto: Paul Endhardt Und so kann das Studentenl­eben in der neuen Wohnung losgehen.
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K!ar.Texter Paul Endhardt beginnt sein Studentenl­eben. Die neue Wohnung wollte erst mal renoviert werden.
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Fotos: Endhardt Es folgte der Zusammenba­u der Möbel. Das kann manchmal auch etwas länger dauern.
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Dann hieß es Möbel durch das Treppenhau­s schleppen.

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