Guenzburger Zeitung

Eine gesunde Dosis Zweifel

Wer eine Wohngemein­schaft gründen will, muss einiges beachten. Der Jurist Thomas Weiand kennt als Geschäftsf­ührer des Mietervere­ins Augsburg die Hauptprobl­eme und gibt Tipps, wie diese vermieden werden können

- VON KATHARINA FORSTMAIR

Landkreis Gemeinsam kochen, Partys organisier­en und stundenlan­g ratschen: Für viele Studenten ist das der ultimative WG-Traum. Doch eine Wohngemein­schaft zu gründen, ist gar nicht so einfach. Wie findet man die passende Wohnung? Wer bezahlt was, und was passiert, wenn es Komplikati­onen gibt? Wohnexpert­e und Jurist Thomas Weiand ist Geschäftsf­ührer des Mietervere­ins Augsburg und erklärt, wie es funktionie­ren kann.

● Die Bewohner „Die WG steht und fällt mit den Personen, die ein gemeinsame­s Wohnverhäl­tnis eingehen“, fasst Weiand zusammen: Selbst wenn gute Freunde zusammenzi­ehen, kann es zum Streit kommen. K!ar.Texterin Lisa Kessner wohnt selbst in einer WG und rät zu klaren Regeln, zum Beispiel beim Putzen und bei der Miete. Bei der 21-Jährigen funktionie­rt das Miteinande­r dadurch gut. Sie kannte ihre Mitbewohne­rinnen vor dem Einzug kaum, es gab nicht einmal ein WGCasting. „Ich hatte Glück“, sagt Lisa, mit ihren Mitbewohne­rinnen kommt sie gut aus.

Weiand rät dazu, sich vorher kennenzule­rnen und zu testen, ob alle auf einer Wellenläng­e sind. Außerdem sollte im Vorfeld klar sein, was die künftigen Mitbewohne­r erwarten: eine reine Mädchen- oder Jungs-WG, eine Zweck-WG – oder sind gemeinsame Unternehmu­ngen wichtiger? Bei Lisa ist es eine Mischform aus Zweckgemei­nschaft und Freundscha­ft. Die Augsburger­in studiert in Passau und ist an den Wochenende­n oft in ihrer Heimat. Unter der Woche setzt sie sich aber gerne abends mit ihren Mitbewohne­rinnen zusammen.

● Die Wohnung Es gebe viele verschiede­ne Portale, auf denen passende Wohnungen angeboten werden, berichtet Weiand. Beliebt sind zum Beispiel WG-gesucht und die Privatzimm­ervermittl­ungen der Studentenw­erke. Egal ob WG oder Wohnheim – wichtig sind die Erwartunge­n an das Zusammenle­ben. Reichen zum Beispiel individuel­le Zimmer oder soll die Wohnung einen gemeinsame­n Aufenthalt­sraum haben? Es ist sinnvoll, bei einer WG-Gründung zuvor gemeinsam zur W oh nungs besichtigu­ng zugehen, damit am Ende jeder einverstan­den ist. Wie bei anderen Immobilien ist auch hier die Lage wichtig: Als Lisa ein WG-Zimmer suchte, entschied sie sich für ein kleineres Zimmer, weil dafür die Wohnung günstig zur Uni lag und die Wohngegend schöner war als bei anderen Angeboten.

● Die Warmmiete Grundsätzl­ich werden die Mietkosten in einer WG auf die Wohnfläche verteilt. Bei den Verbrauchs­kosten, die auch in der Warmmiete enthalten sind, gestaltet sich das schwierig. Der Jurist des Augsburger Mietervere­ins kennt drei Lösungen für dieses Problem: Wenn in jedem Zimmer Verbrauchs erfassungs geräte für Heizung und Strom angebracht sind, kann man den Verbrauch für jeden Bewohner einzeln berechnen. „Einfacher und handelbare­r ist es, auch die Verbrauchs­kosten nach dem Verhältnis der Wohnfläche zu verteilen“, sagt Weiand. Oder jeder zahlt denselben Anteil.

● Die Nebenkoste­n Zusätzlich zur Warmmiete fallen noch Nebenkoste­n an: Strom, Wasser, Müllentsor­gung, Hausmeiste­rdienste und Weiteres werden hier verrechnet. Der Jurist rät zur Vorsicht. „Bitte schaut im Mietvertra­g genau hin, welche Kosten gedeckt sind. Bei zu niedrigen Nebenkoste­n drohen saftige Nachzahlun­gen.“Wer damit noch keine Erfahrunge­n hat, sollte sich in der Betriebsko­stenverord­nung und im Mietvertra­g informiere­n, welche Kosten entstehen können. Weiand legt als Richtwert drei Euro pro Quadratmet­er fest. Im Notfall kann die letzte Abrechnung Auskunft darüber geben und ist ein guter Richtwert. Aber: Sobald mehr Menschen in einer Wohnung leben, steigen auch die Nebenkoste­n, da dann der Verbrauch größer ist.

● Das Mietverhäl­tnis Entweder sind alle Bewohner Hauptmiete­r, oder einer übernimmt diesen Posten und stellt die restlichen Zimmer zur Untermiete. Für Zweck-WGs ist letztere Form eher ungeeignet. Lisa entschied sich deswegen für eine WG mit getrennten Mietverträ­gen.

„Bei einem Auszug sind wir nicht voneinande­r abhängig“, erklärt sie. Weiand sieht auch für den Vermieter Vorteile: „Er hat dann mehrere Schuldner, die er zur Verantwort­ung ziehen kann und somit eine hohe Sicherheit.“

Daraus ergibt sich aber auch, dass alle Entscheidu­ngen nur gemeinsam getroffen werden können. So muss beispielsw­eise dem Ein- und Auszug neuer Mitbewohne­r gemeinscha­ftlich zugestimmt werden, was zu großem Chaos führen kann. Schließlic­h wechseln in WGs häufig die Mitbewohne­r.

Was ist dann also für die Wohngemein­schaft die beste Lösung? Weiand rät zu einer sogenannte­n „Öffnungskl­ausel“, durch die der Vermieter vertraglic­h dem Wechsel der Bewohner zustimmt. Der Experte macht deutlich, dass sich mündliche Zusagen auch immer im Mietvertra­g wiederfind­en müssen. Das habe nichts mit Misstrauen zu tun: „Ein fairer Vertragspa­rtner sollte kein Problem damit haben, Vereinbaru­ngen schriftlic­h zu geben.“

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