Guenzburger Zeitung

Mehr Empathie wagen

- VON GREGOR PETER SCHMITZ gps@augsburger‰allgemeine.de

Corona bringt uns alle an unsere Grenzen. Die Politik bildet keine Ausnahme. Schon fast ein Jahr lang jagen die Entscheide­r des Landes einem Virus nach, von dem sie bis vor zwölf Monaten kaum etwas wussten, das kaum zu fassen ist, und das – kaum blüht Impfstoffh­offnung auf – Mutationen bilden könnte. Wer Erschöpfun­g sehen will, muss nicht nur in die Gesichter der Bürger schauen, sondern auch in die der Regierende­n.

Mitleid mit ihnen ist also angebracht. Umgekehrt müssen Regierende aber, so schwer es fällt, weiter Empathie zeigen, bei jedem Auftritt, jeder Ansprache. Dafür, wie hart die Maßnahmen viele treffen, wie elementar in einigen Branchen die wirtschaft­liche Verzweiflu­ng ist, wie groß die soziale Einsamkeit.

Derzeit werden immer neue Vorgaben oft aber eher bloß verkündet, möglichst streng – so sehr, dass die üblichen Verrückten bereits raunen, der Politik gefalle das Corona-Diktat. Es ist schon klar: Ständig Verständni­s zu zeigen, fällt Politikern schwer, die gerade das große Ganze retten müssen. Aber um das zu schaffen, müssen sie jeden einzelnen Bürger mitnehmen. Wie wäre also ein kleiner Stilwechse­l: Alle Härte gegen das Virus – jedoch gepaart mit etwas mehr Empathie, wie schwer uns das allen fällt?

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