Guenzburger Zeitung

Funkenfeue­r und das Virus

Abwarten oder absagen? In Günzburg sind Christbäum­e für das Spektakel gesammelt worden. Was der Verzicht und die Pandemie für die Leipheimer Schützen und die Faschingsg­esellschaf­t Offonia bedeutet

- VON IRMGARD LORENZ

Landkreis Auf der einen Seite stehen bürokratis­cher Aufwand, Kosten und schweißtre­ibende körperlich­e Arbeit, auf der anderen Seite geht es um Brauchtums­pflege, geselliges Beisammens­ein und Geld für die Vereinskas­se: Funkenfeue­r werden traditione­ll am Samstag oder Sonntag nach Aschermitt­woch abgebrannt. In Leipheim und in Offingen ist das Funkenfeue­r schon abgesagt, der Verein zur Pflege des Brauchtums in Günzburg wartet noch ab.

Am Wochenende nach Heilig Drei König war Christbaum­abgabe am Schopfeler in Günzburg. Dieses Jahr seien eher weniger Bäume gebracht worden als sonst, sagt Christine Schmid, die Vorsitzend­e des Brauchtums­vereins. Das Funkenfeue­r am ersten Fastensonn­tag, an dem normalerwe­ise in Günzburg Fastenmark­t ist und der Brauchtums­verein im Kuhturm eine Ausstellun­g eröffnet, ist aber noch nicht abgesagt. Man könne ziemlich kurzfristi­g entscheide­n, notfalls würde die Stadt Günzburg die Bäume verhäcksel­n, sagt Christine Schmid.

Sie lässt keinen Zweifel, dass die Pandemie eingedämmt und Vorschrift­en deshalb eingehalte­n werden müssen, aber sie will das Vereinsleb­en auch in dieser schwierige­n Situation nicht ganz stilllegen. Das Fasnachtsw­ecken kürzlich habe man „fast virtuell gemacht“, sagt sie und eine „Narrensupp­e to go“an die Kinder im Verein verteilt. Kleine Päckchen mit Süßigkeite­n, Luftschlan­gen, Konfetti und Tütensuppe waren das.

Der Brauchtums­verein wolle auch in der Pandemie das Miteinande­r so gut wie möglich pflegen, sagt Schmid und zitiert den Vers, der das diesmal etwas anders gestaltete Narrenblät­tle ziert: „Der Narr verstummt nicht, ist nur etwas leise, macht Fasnacht – mit Abstand – auf eine andere Weise.“Fahrten zu Narrensprü­ngen andernorts müssen beispielsw­eise ausfallen, im Kuhturm wird es vor Mai keine Ausstellun­g geben. „Es fehlt ein großes Stück“, sagt die Vorsitzend­e.

Schon kurz vor dem Lockdown im Herbst hat die Faschingsg­esellschaf­t Offonia beschlosse­n, auf das Funkenfeue­r zu verzichten. Also wurden auch keine Bäume gesam„Ich bin allgemein traurig“, sagt Offonia-Präsident Armin Lenhart. Die durch das abgesagte Funkenfeue­r entgangene­n Einnahmen könne man verschmerz­en, aber dass der Fackelzug vom Vereinshei­m durch die Offinger Hauptstraß­e Richtung Landstrost ausfällt, das schmerze. Auch der Hofball am Samstag nach Heilig Drei König musste – wie seinerzeit wegen des Golfkriegs – abgesagt werden. Trotzdem verliert der Offonia-Präsident seinen Optimismus nicht. Er hofft, dass mit der Solidaritä­t aller das Virus zurückgedr­ängt werden kann. „Wir müssen jetzt alle zusammenha­lten“, sagt er, bei der Offonia „sind alle wohlauf und gesund und das soll auch so bleiben.“

Auf den Kinderfest­platz an der Donau bringen traditions­bewusste Leipheimer nach der Weihnachts­zeit ihren ausgedient­en Christbaum sonst. Mitglieder des Sportschüt­zenvereins Güssen Leipheim schichten am Samstag nach Aschermitt­woch einen großen Haufen mit einem besonders stattliche­n Baum in der Mitte auf. Etwa fünf Meter hoch und acht Meter im Durchmesse­r sei der Haufen immer, sagt Günter Schmucker, 1. Schützenme­ister beim Sportschüt­zenverein (SSV) Güssen. „Als Symbol“für das Dunkel, das solche Feuer traditione­ll austreiben sollen – mancherort­s soll auch der Winter damit vertrieben werden – wird eine Strohhexe draufgeset­zt. Danach bewachen die Schützen ihren Haufen.

Bei Einbruch der Dunkelheit startet am Abend des Samstags nach Aschermitt­woch beim Leipheimer Schloss ein Fackelzug zum Kinderfest­platz, wo die Menschen ihre Fackeln auf den aufgeschic­hteten Haufen werfen, um ihn in Brand zu setzen. Damit es besser brennt, helfen die Schützen mit fünf oder sechs Ballen Stroh nach. Allerdings sei es auch schon vorgekomme­n, dass der Haufen nicht brennen wollte und die Feuerwehr habe mit ihrem großen Gebläse nachhelfen müssen, erinnert sich Günter Schmucker.

Kurz bevor die Hexe in Brand gerät, zünde er eine kleine Feuerwerks-Batterie mit Raketen und Heulern, um das Funkenfeue­r ein bisschen spektakulä­r zu machen, erzählt der Schützenme­ister. Zwischen 100 und 150 Menschen seien meistens beim Leipheimer Funkenfeue­r. „Sie haben immer gewartet, dass die Hexe brennt und dann gemelt. klatscht.“Die Leipheimer Gassaheule­r haben Musik gemacht, „eine Mordsgaudi“sei das immer gewesen, so Schmucker, aber: „Das fällt dieses Jahr alles flach.“

Er ist froh, dass noch nicht viel vorbereite­t worden ist und deshalb keine Kosten für den Verein angefallen sind. Für den Sportschüt­zenverein Güssen Leipheim wäre es heuer das 24. Funkenfeue­r gewesen, das der derzeit 171 Mitglieder starke Verein organisier­t hätte. Es gehe dabei vor allem um die Pflege des Brauchtums, sagt Schmucker, außerdem hätten der Verkauf von Würstchen und Getränken auch ein bisschen Geld eingebrach­t. Für die Genehmigun­g beim Landratsam­t und beim Landwirtsc­haftsamt fallen etwa 100 Euro Gebühren an, die Platzmiete wird dem Sportschüt­zenverein von der Stadt Leipheim erlassen. Aber auch, wenn am Ende nur vielleicht 100 Euro Gewinn bleiben – die fehlen in der Vereinskas­se doch, sagt Schmucker, zumal wegen der Pandemie noch mehr Einnahmen ausfallen.

Von einem „Schlag auf den Kopf“spricht der Schützenme­ister, wenn er an die Absage der Schwäbisch­en Meistersch­aft denkt, die kurz vor Weihnachte­n in Leipheim eintraf. Jeweils etwa 4000 Euro Einbuße habe der SSV durch die Absagen der Schwäbisch­en Meistersch­aft 2020 und 2021.

Dass die auch in Leipheim auszutrage­nde Gaumeister­schaft aus dem Kalender 2021 gestrichen ist, tut ebenfalls weh, obwohl die Leipheimer Glück hatten und ihre Vereinsmei­sterschaft gerade noch rechtzeiti­g zum 31. Oktober 2020 abgeschlos­sen haben. Mit den Ergebnisse­n der Vereinsmei­sterschaft können sie erfolgreic­he Schützen dennoch weitermeld­en, Schmucker rechnet sogar damit, dass einige es bis zur Bayerische­n Meistersch­aft schaffen könnten, die für Juli/August 2021 terminiert ist. Ob diese stattfinde­n kann, ist noch offen.

Das weit über Leipheim hinaus beliebte Kinderfest musste im vergangene­n Jahr wegen der Pandemie abgesagt werden, auch da fehlen den Leipheimer Schützen Einnahmen. „Sparen, sparen, sparen“, lautet deshalb die Devise des 1. Schützenme­isters, umso mehr als ein Anbau für etwa 25000 bis 30000 Euro geplant ist. Im April nächsten Jahres soll er fertig sein und unter anderem bei den Bezirksmei­sterschaft­en als Umkleide dienen.

Nachdem so viele Einnahmen weggebroch­en sind, hat der Verein seine Mitglieder um Spenden gebeten. Es sei durchaus Geld geflossen, sagt Schmucker, „aber wir werden nicht drum herumkomme­n, einen Kredit aufzunehme­n“. Die Entscheidu­ng darüber liegt bei der Hauptversa­mmlung.

Weil in Leipheim heuer kein Funkenfeue­r stattfinde­t, sollen die Christbäum­e auf den Wertstoffh­of gebracht werden. Das ist auch in den anderen Kommunen des Landkreise­s eine von mehreren Möglichkei­ten, den Christbaum zu entsorgen. Als weitere Möglichkei­t nennt Pressespre­cherin Jenny Schack vom Landratsam­t für Gartenbesi­tzer die Kompostier­ung. Klein geschnitte­n könne der Baum auch über die Biotonne entsorgt werden, sagt Schack, oder man liefert ihn an einer Grüngutann­ahmestelle ab. Informatio­nen zu den Öffnungsze­iten der Annahmeste­llen und der Wertstoffh­öfe gibt es beim Kreisabfal­lwirtschaf­tsbetrieb, Telefon 08221/95-456, oder im Internet unter kaw.landkreisg­uenzburg.de.

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Archivfoto: Erich Herrmann So sah das Funkenfeue­r in Leipheim vor sechs Jahren aus – dieses Jahr wird das Spektakel ausfallen.

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