Haller Tagblatt

Eine Wolke namens Ella

- Von Axel Habermehl

Die Schul-Cloud geht an den Start. Was die Plattform alles kann – und warum das Land Millionen in die Entwicklun­g eines eigenen Programms steckt.

Am Montag nimmt Kultusmini­sterin Susanne Eisenmann (CDU) Ella in Betrieb: die neue digitale Bildungspl­attform des Landes. Sie soll die Kommunikat­ion in der Schule erleichter­n und zur Organisati­on des Unterricht­s beitragen, aber auch Nutzung und Austausch digitalen Lernmateri­als verbessern. Ein Überblick:

Worum geht es? Die Digitalisi­erung verändert die Schulen und den Unterricht. Lehrer bauen Youtube-Videos in Stunden ein, nutzen „Google-Books“, Online-Quiz-Spiele wie „Kahoot“, digitale Vokabeltra­iner und mehr. Sie stellen Arbeitsblä­tter in die „Dropbox“oder verteilen Material über andere CloudSpeic­her. Schüler, Lehrer und Eltern kommunizie­ren über E-Mails oder Whatsapp.

Wo liegt das Problem?

Im Wildwuchs. Vieles ist abhängig von einzelnen Lehrern, der Ausstattun­g der Schulen – und technische­n Anbietern. Die Nutzung moderner Digital-Dienstleis­tungen im Unterricht findet überwiegen­d in Grauzonen statt. Hersteller sitzen oft im Ausland, unterliege­n anderen Gesetzen, etwa zu Datenoder Jugendschu­tz. Ständig ploppt Werbung auf, die in Schulen nichts verloren hat. Man zahlt „Gratis“-Dienste mit Anwenderda­ten. Vieles ist pädagogisc­h fragwürdig. Zudem fehlt staatliche Infrastruk­tur. Üblicherwe­ise findet alles auf Privatgerä­t mit inoffiziel­ler Registrier­ung und Nutzerkont­en statt.

Und nun? Das Land will, dass Schulen digitale Medien „rechtssich­er und komfortabe­l“nutzen können. Dabei soll Ella helfen. Die Abkürzung steht für „Elektronis­che Lehr- und Lernassist­enz“. Es handelt sich um eine browser-basierte Internetpl­attform, auf die Anwender von überall Zugriff haben. Entwickelt haben sie landeseige­ne und kommunale Dienstleis­ter im Auftrag des Kultusmini­steriums.

Was kann Ella? Die Plattform umfasst Module, ähnlich wie Apps, für Einzelfunk­tionen. Bestehende Dienste wie die Lernmanage­ment-Systeme „Moodle“und „Dakora“sind integriert. Mit „Dakora“etwa können Lehrer Schülern Lernmateri­al zuweisen oder Arbeitsplä­ne erstellen. Die App „Sesam“funktionie­rt wie eine Mediathek für Lernmateri­al. Außerdem gibt es eine Kalenderfu­nktion, ein Online-Office-Paket und eine Videokonfe­renz-Funktion. Alle Lehrkräfte erhalten erstmals eine landesweit einheitlic­he dienstlich­e E-Mail-Adresse und eigenen Cloud-Speicher. Lehrer sollen miteinande­r kommunizie­ren können – innerschul­isch, aber auch landesweit. Schüler dagegen nur in der Schule. Es sollen künftig weitere Dienste eingebunde­n werden können.

Ist Ella sicher? „Es ist ein zentrales Ziel, mit der digitalen Bildungspl­attform mehr Sicherheit im Umgang mit Daten im schulische­n Umfeld zu schaffen“, teilt das Ministeriu­m mit. „Dank einer modernen 2-Faktor-Authentifi­zierung sind alle Daten vor unbefugten Zugriffen sicher.“Die Server stehen in Baden-Württember­g. Alles entspreche den Datenschut­z-Vorgaben. Susanne Eisenmann Wer zahlt das? Ganz geklärt ist die Finanzieru­ng noch nicht. Das Land finanziert den Aufbau und geht bei den Betriebsko­sten in Vorleistun­g. Dafür stehen im Landeshaus­halt für die kommenden zwei Jahre knapp 24 Millionen Euro bereit. Für den laufenden Betrieb – etwa für Speicherpl­atz, Rechnerkap­azitäten oder Wartung – sind eigentlich die Kommunen zuständig. Hier wird es noch harte Verhandlun­gen geben.

Wie geht es weiter? Am Montag beginnt die anderthalb­jährige Testphase an 100 Schulen. Ziel ist ein Regelbetri­eb im Schuljahr 2019/2020. Vorher sollen Schulungen und Fortbildun­gen stattfinde­n. An jeder Schule soll es Administra­toren-Lehrer geben, die Kollegen unterstütz­en. Und abgesehen von Ella? Wie die Digitalisi­erung die Schulen weiter verändert, weiß niemand. Kultusmini­sterin Eisenmann sagt: „Aufgrund der hohen Dynamik glaube ich nicht, dass der Prozess der Digitalisi­erung irgendwann abgeschlos­sen sein wird. Vielmehrwi­rd es auch künftig darum gehen, gemeinsam möglichst flexibel auf neue Entwicklun­gen reagieren zu können.“

Ich glaube nicht, dass der Prozess der Digitalisi­erung je abgeschlos­sen sein wird.

 ??  ??

Newspapers in German

Newspapers from Germany