Der Mann, der Hall in die Mo­der­ne ka­ta­pul­tier­te

Haller Tagblatt - - VORDERSEITE - Von To­bi­as Würth

Schwä­bisch Hall. Ex-Bau­bür­ger­meis­ter Wil­fried Brück­ner lei­te­te in den 70er­und 80-Jah­ren die Stadt­pla­nung. Er ver­hin­der­te, dass gro­ße Ver­kehrs­ach­sen Hall durch­kreu­zen.

Schwä­bisch Hall Sei­te 10

20 Jah­re lang präg­te Bau­bür­ger­meis­ter Wil­fried Brück­ner die Ent­wick­lung Halls. Er be­wahr­te Hall da­vor, von Ver­kehrs­ach­sen durch­schnit­ten zu wer­den.

Stadt­bild und die Er­schei­nung der dörf­li­chen An­sied­lun­gen, die zu Schwä­bisch Hall ge­hö­ren, so­wie das wert­vol­le Gut der Land­schaft ver­lan­gen mei­nes Erach­tens un­be­dingt ei­ne kon­ti­nu­ier­li­che und star­ke Be­set­zung die­ses Am­tes. Al­les an­de­re wä­re ein leicht­fer­ti­ger Um­gang mit dem bau­li­chen Er­be und dem Ge­schenk Na­tur. Den Fluss mit sei­nen Ufer­par­ti­en be­han­del­ten wir ehr­er­bie­tig. Der Ko­cher war uns gera­de­zu hei­lig. Si­cher. Es ist das Los al­ler Zen­tren, dass sich in de­ren Nach­bar­ge­mein­den mehr oder we­ni­ger aus­ge­wach­se­ne Speck­gür­tel bil­den. Man müss­te ein­mal zu­sam­men­rech­nen, was zu mei­ner Zeit auf dem Ge­biet der Stadt­ge­mein­de an Bau­land er­schlos­sen wor­den ist. Ich bin über­zeugt, es kommt ei­ne er­kleck­li­che Flä­che her­aus. Der Schwer­punkt des Zu­wach­ses lag am Stand­ort Teu­rers­hof. In der Sum­me über­traf das Neu­bau­an­ge­bot in al­len Teil­or­ten wahr­schein­lich noch den Teu­rers­hof. Es ist al­ler­dings zu­tref­fend, dass ich mir nicht vor­stel­len konn­te, dass die Ei­gen­hei­mi­deo­lo­gie auf ewig wei­ter­ver­folgt wer­den kann. Per­spek­ti­visch ge­dacht ver­steht Die Idee, dass man den Durch­gangs­ver­kehr auf ei­nen In­nen­stadt­ring bringt, wur­de schon vor mei­ner Zeit dis­ku­tiert. Es la­gen bau­rei­fe Ent­wür­fe vor, die ei­nen durch­ge­hend vier­spu­ri­gen Aus­bau vor­sa­hen. Heu­te kaum vor­stell­bar, ge­dach­te man, für die Stra­ßen­ver­brei­te­rung die berg­sei­ti­ge Häu­ser­zei­le an der Un­ter­lim­pur­ger Stra­ße und die tal­sei­ti­ge Häu­ser­zei­le an der Lan­gen Stra­ße zu op­fern. Der Aus­bau­plan für das Fried­hofs­drei­eck er­streck­te sich bis ans ehe­ma­li­ge Gel­bin­ger Tor. Gott sei Dank, konn­ten wir durch Al­ter­na­tiv­pla­nun­gen den für die da­ma­li­ge Zeit al­ler­orts so ver­folg­ten Stra­ßen­aus­bau ab­weh­ren. Wir er­leb­ten da­mals ei­ne spä­te Blü­te der so­ge­nann­ten Auf­bau­pha­se, in der Stadt­ge­stal­tung wie Ma­schi­nen­bau be­trie­ben wur­de. Wir hat­ten da­mals ei­nen Cam­pus für städ­ti­sche Initia­ti­ven auf dem Dach der Rit­ter-Tief­ga­ra­ge und im Sud­haus vor­ge­se­hen. Wir Sehr po­si­ti­ve. Was mich ge­freut hat: Die Be­völ­ke­rung hat die Ent­wick­lun­gen mit­ge­macht. Der Ein­satz hat sich ge­lohnt, hat aber auch viel Zeit und Kraft ge­kos­tet. Ich hat­te Wo­chen mit 70 St­un­den. Das war psy­chisch und phy­sisch an­stren­gend. Ne­ben dem Ta­ges­ge­schäft muss­te man in den Sit­zun­gen, auch in den Ort­schaf­ten, prä­sent sein. Und den freund­li­chen Ein­la­dun­gen zu Nach­sit­zun­gen konn­te man sich nicht ent­zie­hen. Dort nur Was­ser zu trin­ken, wä­re mit lei­sem Spott quit­tiert wor­den. An Schwä­bisch Hall den­ke ich gern und dank­bar zu­rück.

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