Lock­prä­mie für Pfle­ge­kräf­te

Beim Tref­fen der Re­gie­rungs­chefs in So­fia über­la­gern die Kon­flik­te mit dem US-Prä­si­den­ten das ei­gent­li­che The­ma: die An­nä­he­rung der West­bal­kan-Staa­ten an die Uni­on.

Haller Tagblatt - - VORDERSEITE -

Be­rufs­rück­keh­rer sol­len 5000 Eu­ro er­hal­ten. Ver­di lehnt den Vor­schlag ab.

Ber­lin. Mit Prä­mi­en will der Pfle­ge­be­auf­trag­te der Bun­des­re­gie­rung, Andre­as Wes­ter­fell­haus, Fach­kräf­te in der Pfle­ge an­lo­cken. Wer in den Be­ruf zu­rück­kehrt oder sei­ne Ar­beits­zeit deut­lich er­höht, soll ein­ma­lig 5000 Eu­ro er­hal­ten. Fach­kräf­te, die di­rekt nach der Aus­bil­dung ei­ne Fest­an­stel­lung an­neh­men, be­kä­men 3000 Eu­ro. So wol­le man kurz­fris­tig der Per­so­nal­not ent­ge­gen­wir­ken, sag­te ein Spre­cher der SÜD­WEST PRES­SE. Zu­dem will Wes­ter­fell­haus die Ar­beits­be­din­gun­gen ver­bes­sern. Mit­ar­bei­ter sol­len ih­re Ar­beits­zeit bei vol­lem Lohn­aus­gleich von 100 auf 80 Pro­zent re­du­zie­ren kön­nen.

„Sol­che Prä­mi­en sind nur ein Lock­mit­tel, das viel Geld kos­tet und des­sen Wir­kung schnell ver­pufft“, kri­ti­sier­te Ver­di-Vor- stands­mit­glied Syl­via Büh­ler ge­gen­über der SÜD­WEST PRES­SE den Vor­stoß.

Der Spit­zen­ver­band der ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung er­war­tet, dass der Auf­wand für Pfle­ge 2018 um vor­aus­sicht­lich rund zwei Mil­li­ar­den Eu­ro hö­her aus­fällt als ge­plant. Grund sind die zu­sätz­li­chen Leis­tun­gen ge­mäß der Pfle­ge­re­form. Laut Ge­sund- heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) könn­te der Bei­trag zur Pfle­ge­ver­si­che­rung des­halb bald um 0,2 Pro­zent­punk­te stei­gen. Auf die Kas­sen könn­te noch mehr Be­las­tung zu­kom­men: Spahn will sein Pfle­ge-So­fort­pro­gramm für Hei­me von 8000 auf 13 000 Stel­len aus­bau­en, be­rich­tet das „Re­dak­ti­ons­netz­werk Deutsch­land“.

Kom­men­tar Sei­te 2

Brüs­sel/So­fia. Die Spit­zen der Eu­ro­päi­schen Uni­on ge­hen auf Kon­fron­ta­ti­ons­kurs zu US-Prä­si­dent Do­nald Trump. Bei ei­nem Gip­fel­tref­fen in So­fia ver­stän­dig­ten sich die EU-Re­gie­rungs­chefs und die EU-Kom­mis­si­on auf ei­ne de­mons­tra­tiv har­te Li­nie in den jüngs­ten Kon­flik­ten – um eu­ro­päi­sche In­ter­es­sen zu ver­tei­di­gen.

Zu den be­schlos­se­nen Maß­nah­men ge­hört die Vor­be­rei­tung ei­nes ge­setz­li­chen Ver­bots für eu­ro­päi­sche Un­ter­neh­men, US-Sank­tio­nen ge­gen den Iran zu be­fol­gen. Da­bei soll ein 20 Jah­res al­tes Ge­setz re­ak­ti­viert wer­den, das die EU er­las­sen hat­te, um ei­ne ame­ri­ka­ni­sche Han­dels-Blo­cka­de ge­gen Ku­ba zu kon­tern. EU-Kom­mis­si­ons­chef Je­an-Clau­de Juncker be­kam von den Re­gie­rungs­chefs grü­nes Licht, ent­spre­chen­de Schrit­te zur Wie­der­be­le­bung des „Blo­cka­de-Sta­tuts“ein­zu­lei­ten. „Wir müs­sen jetzt han­deln“, so Juncker.

Ei­ne Ab­sa­ge er­teilt die EU auch der Er­war­tung Trumps, jetzt über neue Han­dels­be­din­gun­gen zu re­den. Erst müs­se die EU dau­er­haft von den US-Straf­zöl­len auf Stahl und Alu­mi­ni­um aus­ge­nom­men wer­den. „Wir wer­den nicht mit ei­nem Da­mokles­schwert über dem Kopf ver­han­deln“, er­klär­te Juncker. Al­ler­dings zei­gen sich die Eu­ro­pä­er be­reit, über Han­dels­er­leich­te­run­gen zu ver­han­deln, wenn Trump bei den Straf­zöl­len ein­lenkt. In die­sem Fall will die EU auch Er­leich­te­run­gen für den Ex­port von ame­ri­ka­ni­schem Flüs­sig­gas an­bie­ten.

An­ge­sichts der Span­nun­gen ge­riet ein an­de­res Gip­fel­the­ma in den Hin­ter­grund: Die EU-Re­gie­rungs­chefs stell­ten den sechs West­bal­kan-Staa­ten er­neut ei­nen Bei­tritt in Aus­sicht. Zu­nächst will die EU den Staa­ten, dar­un­ter Ser­bi­en, Mon­te­ne­gro und Al­ba­ni­en, mit ver­stärk­ter fi­nan­zi­el­ler und po­li­ti­scher Un­ter­stüt­zung un­ter die Ar­me grei­fen.

Ein kon­kre­tes Da­tum für ei­nen mög­li­chen Bei­tritt blieb of­fen. Die EU-Kom­mis­si­on hat­te An­fang des Jah­res das Jahr 2025 ge­nannt – war da­nach aber aus EU-Län­dern wie Deutsch­land und Frank­reich kri­ti­siert wor­den. „Ich hal­te von die­sem Ziel­da­tum nichts, weil es um ei­nen Bei­tritt ge­hen muss, der auf Fort­schrit­ten in der Sa­che ba­sie­ren muss“, sag­te Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel. EU-Rats­prä­si­dent Do­nald Tusk mach­te hin­ge­gen deut­lich: „Ich se­he kei­ne an­de­re Zu­kunft für den west­li­chen Bal­kan als die EU. Kei­ne Al­ter­na­ti­ve, kein Plan B“, sag­te Tusk.

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