„Tief­grei­fen­de Ve­rän­de­rung“

Staats­mi­nis­te­rin Do­ro­thee Bär (CSU) spricht über Flug­ta­xis, den di­gi­ta­len Wan­del und fal­schen Per­fek­tio­nis­mus.

Haller Tagblatt - - THEMEN DES TAGES / POLITIK - Igor St­ein­le

Frau Bär, Sie bie­ten mit Ih­ren Ak­ti­vi­tä­ten in so­zia­len Me­di­en viel An­griffs­flä­che. Atta­cken neh­men Sie aber oft mit Hu­mor. Was ist das Ge­heim­nis Ih­res di­cken Fells?

So dick ist es gar nicht. Es ist ei­ne Ent­schei­dung, ob man sich är­gert oder nicht. Ich las­se mich ein­fach nicht är­gern. Da­für ist das Le­ben viel zu kurz. Das är­gert die an­de­ren dann um­so mehr. Was an­de­res sind aber Dro­hun­gen. Mich hat wirk­lich mit­ge­nom­men, mit wel­cher Be­grün­dung mei­ne Kol­le­gin Chris­ti­na Schul­ze Fö­cking zu­rück­ge­tre­ten ist.

Die nord­rhein-west­fä­li­sche Land­wirt­schafts­mi­nis­te­rin gab als Grund An­fein­dun­gen im Netz an.

Die Dro­hun­gen ge­gen sie und ih­re Fa­mi­lie sind der­art mas­siv ge­wor­den, dass sie das ih­ren An­ge­hö­ri­gen nicht mehr an­tun woll­te. Ich bin ja auch Mut­ter, wenn so et­was nah an die Kin­der ran­geht, ist das et­was an­de­res. Lei­der ist man als Po­li­ti­ker für vie­le der Blitz­ab­lei­ter. Man sagt ja: Wer sich in die Öf­fent­lich­keit be­gibt, kommt dar­in um. Da ist schon et­was dran.

Sie selbst wur­den we­gen Ih­rer Äu­ße­run­gen über Flug­ta­xis ver­spot­tet. . .

Ich ha­be die Hä­me über­haupt nicht ver­stan­den. Das war ja kei­ne Vi­si­on, son­dern et­was, das es seit Jah­ren auf Mes­sen zu se­hen gibt. Es ist ein gu­tes Bei­spiel da­für, dass beim The­ma Di­gi­ta­li­sie­rung im­mer nur über Breit­band­aus­bau ge­spro­chen wird. Da­bei wird der di­gi­ta­le Wan­del die Ge­sell­schaft so tief­grei­fend ver­än­dern wie die Mo­bi­li­täts­wen­de, als man vom Pferd aufs Au­to um­ge­stie­gen ist. Kein St­ein wird auf dem an­de­ren blei­ben.

Wann kommt die nächs­te Mo­bi­li­täts­wen­de, das au­to­no­me Fah­ren?

Der ers­te Re­gel­be­trieb wird schon in den nächs­ten Jah­ren ein­tre­ten. Ich den­ke da eher in Ka­te­go­ri­en von drei bis fünf und nicht 30 bis 50 Jah­ren.

Nun ver­zö­gert sich aber die Ver­stei­ge­rung der 5-G-Li­zen­zen, die fürs au­to­no­me Fah­ren nö­tig sind. Wie­so?

Wir sind auf der ei­nen Sei­te gro­ße Be­den­ken­trä­ger und auf der an­de­ren gro­ße Per­fek­tio­nis­ten. Al­les muss im­mer mus­ter­schü­ler­mä­ßig flä­chen­de­ckend für al­le zur Ver­fü­gung ste­hen und zwar per­fekt. An­de­re Län­der fan­gen klei­ner an und ent­wi­ckeln ih­re Pro­jek­te nach und nach wei­ter. Des­halb bin ich dank­bar, dass wir beim On­line-Bür­ger­por­tal mit vier Bun­des­län­dern star­ten, nicht erst, wenn al­le 16 so weit sind.

An­ge­la Mer­kel äu­ßer­te jüngst Zwei­fel an der Da­ten­schutz-Gr­und­ver­ord­nung. Über­for­dert das Ge­setz klei­ne und mitt­le­re Un­ter­neh­men?

Die Ver­ord­nung tritt so, wie sie ist, in Kraft. Was an­de­res wä­re gar nicht mög­lich. Es ist ja au­ßer­dem nicht so, dass das Ge­setz plötz­lich vom Him­mel ge­fal­len ist. Al­le hat­ten jah­re­lang Zeit, sich da­mit zu be­schäf­ti­gen. Au­ßer­dem ist es auch für klei­ne Un­ter­neh­men um­setz­bar. Al­ler­dings muss mehr Auf­klä­rung statt­fin­den. Mi­nis­te­ri­en und In­dus­trie- und Han­dels­kam­mern ha­ben da schon gu­te Ar­beit ge­leis­tet.

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