Knap­pes Ja für Gly­pho­sat-Ver­bot

Haller Tagblatt - - SCHWÄBISCH HALL - Von To­bi­as Würth To­bi­as Würth

Mit 17 zu 14 Stim­men spricht sich der Hal­ler Ge­mein­de­rat da­für aus, bei neu­en Pacht­ver­trä­gen auf städ­ti­schen Fel­dern das um­strit­te­ne Spritz­mit­tel aus­zu­schlie­ßen.

Kin­der von Land­wir­ten wer­den in der Schu­le als Tier­quä­ler und Na­tur­ver­nich­ter be­zeich­net und ge­mobbt. Leh­rer schaf­fen es nicht, das zu un­ter­bin­den“, sagt FWV-Stadt­rat Fried­rich Bay. Da­mit er­reicht die De­bat­te um das Ver­bot des Un­kraut­ver­nich­tungs­mit­tels Gly­pho­sat am Mitt­woch im Ge­mein­de­rat ih­ren emo­tio­na­len Hö­he­punkt. Land­wirt Bay aus Hes­sen­tal macht Leh­rer, die auch in der Hal­ler SPD-Frak­ti­on ih­re po­li­ti­sche Hei­mat ha­ben, für die­sen „scho­ckie­ren­den“Vor­stoß ver­ant­wort­lich. Ul­rich Rei­chert

Die Stadt­ver­wal­tung hat nun den An­trag auf­ge­grif­fen und in ei­ner nicht öf­fent­li­chen Dis­kus­si­on im Ver­wal­tungs­aus­schuss am 16. April ei­nen ei­ge­nen Be­schluss­an­trag vor­ge­legt. Der sieht ein Gly­pho­sat-Ver­bot vor, wenn die Pacht­ver­trä­ge er­neu­ert wer­den. Das ge­schieht in der Re­gel al­le zwölf Jah­re. Es geht um 550 Ver­trä­ge über 396 Hekt­ar Acker und 541 Hekt­ar Grün­land. Die ge­sam­te land­wirt­schaft­li­che Flä­che auf der Ge­mar­kung Hall (oh­ne Wald) um­fasst 5522 Hekt­ar. Knapp ein Zehn­tel der Acker­flä­chen in Hall sind al­so von dem Ver­bot Schritt für Schritt in den nächs­ten Jah­ren be­trof­fen.

Die FWV-Frak­ti­on schei­tert be­reits vor dem Ein­tritt in die Ta­ges­ord­nung da­mit, ei­ne Ver­schie­bung durch­zu­set­zen. „Wir ha­ben um ei­ne Stel­lung­nah­me des Land­wirt­schafts­amts ge­be­ten“, sagt Hart­mut Bau­mann, FWV-Spre­cher. So man­cher Ge­mein­de­rat wür­de sich an­ma­ßen, dass er bes­ser als der Metz­ger wis­se, wie man Wurst her­stellt. Sei­ne Frak­ti­on po­che dar­auf, mehr Fak­ten zu er­hal­ten. „Bei je­der Ent­schei­dung wird ge­for­dert, die Be­tei­lig­ten ein­zu­be­zie­hen: Schü­ler, Se­nio­ren und so­gar Bett­ler. Nur die Bau­ern wer­den jetzt nicht be­fragt“, mo­niert Bay.

„Wir brau­chen kei­nen Hal­ler Weg, der Land­wir­te gän­gelt“, regt sich CDU-Stadt­rat Ul­rich Rei­chert auf. „Das Ver­bot von Gly­pho­sat führt da­zu, dass an­de­re Mit­tel ver­spritzt wer­den.“Au­ßer- dem wür­de dann ver­mehrt wie­der Un­kraut un­ter­ge­pflügt. Das sei so­wohl für den Bo­den, der ero­diert, als auch für den Kli­ma­schutz we­gen des ho­hen Die­sel­ver­brauchs beim Pflü­gen kon­tra­pro­duk­tiv. „Fakt ist: Der Tod der Ho­nig­bie­ne geht nicht auf den Pflan­zen­schutz zu­rück, son­dern auf den Mil­ben­be­fall.“Das be­deu­tet: Ver­bie­te man Gly­pho­sat, hel­fe das kei­ner Bie­ne. Da­für sei­en mehr Blüh­flä­chen nö­tig, für die sich die CDU-Frak­ti­on ein­setzt. Aber Fakt sei eben auch, dass es in der Rats­sit­zung nicht um Fak­ten ge­he, be­klagt Rei­chert. Kris­ti­an Neid­hardt

Was sind nun die Fak­ten? Es gibt da­von ei­ni­ge, die sich wi­der­spre­chen. Den Sit­zungs­un­ter­la­gen ist ein Spie­gel-Ar­ti­kel bei­ge­legt, der das Für und Wi­der ab­wägt. Zu­dem hat die Stadt­ver­wal­tung ei­nen Aus­zug aus dem Ko­ali­ti­ons­ver­trag der Bun­des­re­gie­rung an­ge­fügt. Der sieht vor, die „An­wen­dung so schnell wie mög­lich grund­sätz­lich zu be­en­den“. Die CDU-Frak­ti­on hat ei­lig noch ei­ne Schrift der „Schwei­zer Eid­ge­nos­sen­schaft – Bun­des­amt für Le­bens­mit­tel­si­cher­heit“aus­tei­len las­sen. „Kein Ge­sund­heits­ri­si­ko“heißt es dort.

„Die Hal­tung der Hal­ler Stadt­ver­wal­tung ent­spricht der Ziel­rich­tung der Ko­ali­ti­on“, er­läu­tert Ober­bür­ger­meis­ter Her­mann-Jo­sef Pel­grim. Die CDU kön­ne al­so der Li­nie auf Bun­des­ebe­ne fol­gen und Gly­pho­sat ver­bie­ten. Doch das tut sie nicht. Land­wirt Micha­el Re­ber (CDU) hat zwar seit vier Jah­ren kein Gly­pho­sat mehr ver­wen­det. Er ist den­noch ge­gen ein Ver­bot: „Wir schaf­fen für Bau­ern in Hall ei­nen Wett­be­werbs­nach­teil.“

Kris­ti­an Neid­hardt (FDP) ist der Ein­zi­ge aus dem CDU-FWVFDP-La­ger, der an­de­rer Mei­nung ist. Sei­ne Toch­ter führt mit ih­rem Mann die Land­wirt­schaft der Klein­com­burg als Bi­o­be­trieb. Der ehe­ma­li­ge Leh­rer Neid­hardt sagt: „Wenn wir wei­ter so wirt­schaf­ten wie bis­her, ma­chen wir uns ka­putt. Selbst gro­ße Le­bens­mit­tel­ge­schäf­te bie­ten Bio an.“

Die Grü­nen sind so­wie­so für ein Ver­bot. Sa­rah Berg­mann: „Wir kön­nen da ru­hig mu­tig ei­nen Schritt vor­aus­ge­hen.“

Und so kommt es dann auch. Mit 17 Ja­stim­men (SPD; Grü­ne; Kris­ti­an Neid­hardt – FDP; OB; Da­mia­na Koch – frak­ti­ons­los) und 14 Nein­stim­men (CDU, FWV, FDP) wird das Gly­pho­sa­tVer­bot bei Pacht­ver­trags­än­de­run­gen auf Äckern der Stadt und der Ho­s­pi­tal­stif­tung durch­ge­setzt.

Sie­he auch Stichwort auf Sei­te 10.

Wir brau­chen kei­nen Schwä­bisch Hal­ler Weg, der die Land­wir­te gän­gelt. Wenn wir wei­ter so wirt­schaf­ten wie bis­her, ma­chen wir uns ka­putt.

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