Ei­ne sü­ße Le­cke­rei zum Dank für die Ret­tung

Haller Tagblatt - - SERVICE - Von Han­nah Pom­pal­la

Bä­cker­meis­ter Ste­fan Ren­ner stellt den be­lieb­ten Sie­ders­ku­chen in die­sem Jahr be­reits zum 23. Mal her. Der Brauch er­in­nert dar­an, dass die Salz­sie­der die bren­nen­de Stadt­müh­le im Jahr 1316 ret­ten konn­ten.

His­to­ri­sche Tän­ze, mit­tel­al­ter­li­che Ge­richts­sze­nen und Sa­lut­schüs­se: Das Ku­chen- und Brun­nen­fest steht vor der Tür. Die Ak­teu­re des Gro­ßen und des Klei­nen Sie­ders­hofs sor­gen über Pfings­ten, von Frei­tag bis Mon­tag, 18. bis 21. Mai, wie­der für ein bun­tes Spek­ta­kel in der Stadt Schwä­bisch Hall.

Da­bei dür­fen sich die Be­su­cher auch auf den be­lieb­ten, drei­stö­cki­gen und 110 Ki­lo schwe­ren Sie­ders­ku­chen mit sei­ner Fül­lung aus Nüs­sen, ed­len Ge­wür­zen, kan­dier­ten Früch­ten und Sul­ta­ni­nen freu­en. Tra­di­ti­ons­ge­mäß wird die sü­ße Köst­lich­keit am Sonn­tag nach der Prä­sen­ta­ti­on auf dem Gras­brö­de­le kos­ten­los von den Tän­ze­rin­nen ver­teilt. Mit die­sem Brauch wird dar­an er­in­nert, wie die Salz­sie­der im Jahr 1316 das Ab­bren­nen der Stadt­müh­le durch be­herz­tes Zu­pa­cken ver­hin­der­ten, und ih­nen der Mül­ler zum Dank ei­nen 100 Pfund schwe­ren Ku­chen schenk­te.

Seit dem Jahr 1969 ob­liegt die Her­stel­lung des Sie­ders­ku­chens der Bä­cke­rei Ren­ner in der Gel­bin­ger Gas­se. In­ha­ber Ste­fan Ren­ner hat die­se Auf­ga­be von sei­nem Va­ter über­nom­men und backt den Ku­chen nach dem al­ten, his­to­ri­schen Re­zept in die­sem Jahr be­reits zum 23. Mal. Dies ist mit viel Freu­de ver­bun­den, er­for­dert aber auch größ­te Auf­merk­sam­keit: „Al­les muss stim­men, denn der gro­ße Sie­ders­ku­chen be­steht aus 22 Seg­men­ten. Am En­de darf nichts feh­len. Des­we­gen wird al­les zehn­mal durch­ge­zählt“, be­tont der Bä­cker­meis­ter.

Erst am Sams­tag wird ge­ba­cken

Die Ar­bei­ten am gro­ßen Sie­ders­ku­chen mit sei­nen ins­ge­samt 958 Schne­cken be­gin­nen be­reits ei­ne Wo­che vor Pfings­ten. Am Sams­tag und Sonn­tag kom­men ei­ni­ge Salz­sie­der in die Back­stu­be, um das Bä­cke­rei-Team tat­kräf­tig zu un­ter­stüt­zen. Zu­sam­men rol­len sie den He­fe­teig aus, be­strei­chen ihn mit der Nuss­fül­lung und streu­en die Früch­te dar­auf. Dann rol­len sie den Teig wie­der auf, schnei­den Schne­cken ab und drü­cken sie in die je­wei­li­gen For­men, die zu­nächst ein­ge­fro­ren wer­den. Die­ser Vor­gang wird Ren­ner mit sei­nen drei Mit­ar­bei­tern et­wa bis zur Mit­te der Wo­che in An­spruch neh­men. Erst am Sams­tag wer­den die Ein­zel­tei­le frisch ge­ba­cken und mit Zu­cker­guss ver­se­hen. „Der sorgt da­für, dass der Ku­chen qua­si kon­ser­viert wird und frisch bleibt“, er­klärt Ren­ner, der selbst Mit­glied im Gro­ßen Sie­ders­hof ist.

Der Auf­bau in das Ku­chen­ge­stell, das am Don­ners­tag­abend ge­rei­nigt und aus hy­gie­ni­schen Grün­den mit Alu­fo­lie aus­ge­legt wird, er­folgt erst am Sonn­tag um 7 Uhr. „Da muss al­les ganz schnell ge­hen“, sagt er. Pünkt­lich zum Um­zug des Gro­ßen Sie­ders­hofs durch die Stadt müs­sen Ren­ner und sei­ne flei­ßi­gen Hel­fer fer­tig sein. Da­bei müs­sen sie den Ku­chen auch vor neu­gie­ri­gen „Gr­ab­schern“ver­tei­di­gen. „Wir pas­sen da auf wie die Schieß­hun­de“, lacht der Bä­cker­meis­ter.

Um 11 Uhr wird der Ku­chen fei­er­lich auf dem Markt­platz prä­sen­tiert und dann mit ei­nem LKW zum Gras­brö­de­le trans­por­tiert. Nach dem his­to­ri­schen Spiel um die Ret­tung der Mül­lers­fa­mi­lie beim Müh­len­brand um 15.15 Uhr wird der Sie­ders­ku­chen schließ­lich ge­gen 16.45 Uhr ans Pu­bli­kum aus­ge­ge­ben – bis nichts mehr von ihm üb­rig ist. „Und dann be­ginnt auch für mich das Fest“, schmun­zelt Ren­ner.

Fo­tos: Ufuk Ars­lan

Beim Ku­chen- und Brun­nen­fest stets ein High­light: Der drei­stö­cki­ge und 110 Ki­lo­gramm schwe­re Sie­ders­ku­chen.

Bis zu den Fest­lich­kei­ten ha­ben Bä­cker­meis­ter Ste­fan Ren­ner (rechts) und sein Team viel zu tun.

Der Sie­ders­ku­chen be­steht aus 958 Schne­cken.

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