Es ist noch nicht vor­bei

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Ri­chard, Wil­helm,

Gott­lob …

Die elf Ta­feln, auf de­nen die Na­men der Kriegs­to­ten ste­hen, sind mit ei­nem um­kränz­ten Stahl­helm und der In­schrift „Sie ga­ben ihr Le­ben für die Hei­mat“ver­se­hen – das Denk­mal für die Ge­fal­le­nen des Ers­ten Welt­kriegs auf dem Ni­ko­laif­ried­hof. Na­men von 303 to­ten und 13 ver­miss­ten Sol­da­ten, Bau­ern, Ge­sel­len, Stu­den­ten. Da­hin­ge­met­zelt vor Metz, Se­dan, Ver­dun, wo auch im­mer. Gus­tav, Ju­li­us,

Ver­ges­sen woll­te man sie nicht

Ein Mahn­mal mahnt so we­nig wie ein Denk­mal denkt und ein Gr­ab­mal gräbt. Ver­ges­sen woll­te man sie nicht, da­mals vor 100 Jah­ren, am 11. No­vem­ber 1918, als der Ers­te Welt­krieg end­lich en­de­te. Ver­ges­sen woll­te man al­ler­dings die Trä­nen der Frau­en, der ge­lieb­ten Freun­din, der El­tern, Ge­schwis­ter. Ver­drän­gen das En­de: zer­schos­sen, von Gra­na­ten zer­fetzt, ver­hun­gert, er­fro­ren, von Krank­hei­ten da­hin­ge­rafft. Was ist von ih­nen ge­blie­ben? Vi­el­leicht ein Ring, die Ver­dienst­me­dail­le, die Feld­post­kar­ten. „Vom Gr­ab tönt lei­ses Bit­ten: Grüss mir die El­tern mein. Hab gern für sie ge­lit­ten, wollt ih­nen al­les sein.“

Ein Mahn­mal mahnt so we­nig wie ein Denk­mal denkt und ein Gr­ab­mal gräbt.

Bis heu­te geht es wei­ter. Neue Krie­ge, neue To­te, neue Eh­ren­ma­le. Weit weg, wo wir es nicht mer­ken. Aus den Bild­schir­men fließt kein Blut. Nie­mand schreit und weint oder stirbt ganz still. Die Nach­rich­ten ver­schwei­gen all das in dür­ren Wor­ten und nüch­ter­nen Zah­len. Wenn die Ge­flüch­te­ten nicht wä­ren.

Ri­chard, Wil­helm, Gus­taf, Ju­li­us, Gott­lob …

Ih­re Na­men blei­ben in Stein ein­ge­kerbt. Sie sol­len nicht ver­ges­sen sein. „Ge­fal­len“heißt es ver­hül­lend. Doch wer fällt, kann wie­der auf­ste­hen. Sie blei­ben lie­gen, ir­gend­wo.

Es ist noch nicht vor­bei.

„Des Men­schen Bos­heit liegt schwer auf ihm. Denn er weiß nicht, was ge­sche­hen wird, und wer will ihm sa­gen, wie es wer­den wird? Der Mensch hat kei­ne Macht über den Tag des To­des, und kei­ner bleibt ver­schont im Krieg, und das gott­lo­se Trei­ben ret­tet den Gott­lo­sen nicht. Das al­les hab ich ge­se­hen und rich­te­te mein Herz auf al­les Tun, das un­ter der Son­ne ge­schieht zur Zeit, da ein Mensch herrscht über den an­dern zu sei­nem Un­glück.“

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