„Fa­mi­li­en zu Hau­se stär­ken“

Haller Tagblatt - - VORDERSEITE - Von Mar­cus Haas

Land­kreis. Der Ju­gend­hil­fe­aus­schuss bringt ein neu­es An­ge­bot auf den Weg. Es soll vor­beu­gend wir­ken, be­vor Pro­ble­me grö­ßer wer­den und sich ver­fes­ti­gen.

Der Kreis­aus­schuss bringt drei Er­gän­zun­gen im ge­plan­ten Haus­halt fürs Jahr 2019 auf den Weg. Letzt­lich ent­schei­det der Kreis­tag.

Es geht um Hil­fe für Schul­ab­bre­cher, für Schü­ler mit häu­fi­gen Fehl­zei­ten und dar­um, „Fa­mi­li­en zu Hau­se zu stär­ken“– Ul­ri­ke Seip er­läu­tert im Ju­gend­hil­fe­aus­schuss ein neu­es An­ge­bot für Fa­mi­li­en in Über­for­de­rungs- oder Be­las­tungs­si­tua­tio­nen. Die kön­nen bei­spiels­wei­se durch die Ge­burt ei­nes Kin­des bei Al­lein­er­zie­hen­den, durch Un­er­fah­ren­heit, durch Mehr­lings­ge­bur­ten oder Krank­heit ent­ste­hen.

„Es ist ein An­ge­bot für be­las­te­te Fa­mi­li­en im Vor­feld ei­ner Hil­fe zur Er­zie­hung und soll die Lü­cke zwi­schen Frü­hen Hil­fen und der so­zi­al­päd­ago­gi­schen Fa­mi­li­en­hil­fe schlie­ßen“, macht die Fach­be­reichs­lei­te­rin All­ge­mei­ner So­zia­ler Dienst im Ju­gend­amt deut­lich. Da­durch soll die „Ver­fes­ti­gung von Pro­blem­la­gen“ver­mie­den wer­den, be­tont Seip den prä­ven­ti­ven Cha­rak­ter des An­ge­bots. Ein wei­te­rer Ef­fekt soll sein, dass die Be­treu­ungs­zei­ten durch die so­zi­al­päd­ago­gi­sche Fa­mi­li­en­hil­fe im Land­kreis re­du­ziert wer­den – es ge­be trotz Auf­sto­ckung ei­ne War­te­lis­te von 16 Fa­mi­li­en.

An wen rich­tet sich das neue An­ge­bot? An Fa­mi­li­en mit Kin­dern bis zum 14. Le­bens­jahr, die bei­spiels­wei­se Be­darf an Be­ra­tung und Be­glei­tung ha­ben, in Be­las­tungs­si­tua­tio­nen sind. In den Fa­mi­li­en soll un­ter an­de­rem ei­ne All­tags­struk­tur auf­ge­baut, fa­mi­liä­re Res­sour­cen er­ar­bei­tet, ge­stärkt und sta­bi­li­siert und bei so­zia­len so­wie öko­no­mi­schen Rah­men­be­din­gun­gen ent­las­tet wer­den. „Fa­mi­li­en sol­len dar­in ge­stärkt wer­den, ih­re Er­zie­hungs­ver­ant­wor­tung bes­ser wahr­neh­men zu kön­nen. Die Hil­fe soll auch We­ge auf­zei­gen, wie Kon­flikt­si­tua­tio­nen in der Fa­mi­lie ge­walt­frei ge­löst wer­den kön­nen“, nennt Seip den recht­li­chen Hin­ter­grund, der in Pa­ra­graf 16 des So­zi­al­ge­setz­bu­ches VIII ge­re­gelt ist.

Zwei Fach­kräf­te

Das An­ge­bot wird an die Ju­gend­hil­fe­trä­ger Ar­bei­ter­wohl­fahrt (Alt­kreis Hall) und Dia­ko­nie (Alt­kreis Crails­heim) an­ge­bun­den, die so­zi­al­päd­ago­gi­sche Fa­mi­li­en­hil­fe an­bie­ten. El­tern kön­nen sich di­rekt bei den Trä­gern mel­den oder bei­spiels­wei­se durch Be­ra­tungs­stel­len oder An­fra­gen über das Ju­gend­amt ver­mit­telt wer­den. Es dau­ert vier bis sechs Mo­na­te und in der Re­gel wer­de ein Hausbesuch mit zwei Stun­den pro Wo­che von ei­ner so­zi­al­päd­ago­gi­schen Fach­kraft des Trä­gers ge­macht. Das An­ge­bot star­te 2019, brau­che zwei vol­le Stel­len, die an die Trä­ger der so­zi­al­päd­ago­gi­schen Fa­mi­li­en­hil­fe an­ge­dockt wer­den. Kos­ten nach ei­ner Kal­ku­la­ti­on der ge­nann­ten Trä­ger: ma­xi­mal 170 000 Eu­ro pro Jahr.

Die Re­so­nanz im Aus­schuss ist po­si­tiv. „Es ist wich­tig, dass die­se Lü­cke ge­schlos­sen wird. Das An­ge­bot kommt auch den Er­zie­hungs­be­rech­tig­ten zu­gu­te, be­vor sie voll­ends aus­fal­len und kann Selbst­wert­ge­fühl stei­gern“, sagt Kreis­rat Sieg­fried Tritt­ner (Freie). „Je ver­äs­tel­ter die Hil­fe, um­so bes­ser“, kom­men­tiert Ul­ri­ke Rö­mer (Grü­ne/ÖDP). „Bei der so­zi­al­päd­ago­gi­schen Fa­mi­li­en­hil­fe ist be­reits et­was Schwer­wie­gen­de­res im Gan­ge. Das neue An­ge­bot setzt ei­ne Stu­fe da­vor an. Wir müs­sen prä­ven­tiv wir­ken“, sagt SPD-Kreis­rat Rü­di­ger Schorpp. Je­der Eu­ro sei da gut in­ves­tiert, und es ma­che Sinn, das An­ge­bot bei den Trä­gern Ar­bei­ter­wohl­fahrt und Dia­ko­nie an­zu­do­cken. Die­se sei­en gut ver­netzt und hät­ten die fach­li­che Kennt­nis so­wie Er­fah­rung.

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