Ent­schei­dung über LEA Ell­wan­gen ver­scho­ben

Haller Tagblatt - - SÜDWESTUMSCHAU - Na­di­ne Vogt

Die CDU im Ge­mein­de­rat setzt auf wei­te­re Zu­ge­ständ­nis­se vom Land. Nun soll nach­ver­han­delt wer­den.

Ell­wan­gen. Die Ge­mein­de­rats­sit­zung im Ell­wan­ger Rat­haus war be­sucht wie sel­ten. Rund 150 Bür­ger woll­ten da­bei sein, wenn die Ent­schei­dung fällt. Doch die bleibt ih­nen das Gre­mi­um wei­ter schul­dig: Be­vor es an die Ab­stim­mung über ei­ne Lauf­zeit-Ver­län­ge­rung der Lan­des­erst­auf­nah­me­stel­le für Flücht­lin­ge (LEA) ging, stell­te die CDU-Frak­ti­on den An­trag, sie zu ver­schie­ben. Die Christ­de­mo­kra­ten wol­len nach­ver­han­deln, um ei­ne kür­ze­re Lauf­zeit und wei­te­re Zu­ge­ständ­nis­se vom Land zu er­rei­chen. Die­sem Vor­schlag kam ei­ne Mehr­heit des Rats nach. Im Fe­bru­ar soll die Ent­schei­dung fal­len.

Nach der rund zwei­stün­di­gen Dis­kus­si­on hat­te sich ei­ne knap­pe Ab­leh­nung zur Ver­län­ge­rung der LEA von Mai 2020 bis En­de 2024 ab­ge­zeich­net. Wäh­rend sich die Frak­tio­nen von SPD und Grü­nen da­für aus­spra­chen, vo­tier­ten die Frei­en Bür­ger da­ge­gen. Züng­lein an der Waa­ge wä­re die CDU ge­we­sen – doch in ih­rer Frak­ti­on ge­hen die Mei­nun­gen aus­ein­an­der. „Wir wol­len nichts übers Knie bre­chen“, sagt Vor­sit­zen­der Rolf Merz – und reich­te nach ei­ner in­ter­nen Be­spre­chung den An­trag auf Ver­schie­bung ein.

OB be­zieht erst­mals Stel­lung

Weil ei­ne Ab­leh­nung des Ver­tra­ges Abend ab­zu­se­hen war, vo­tier­ten auch SPD und Grü­ne für die Auf­schie­bung. „Zäh­ne­knir­schend“, sagt Clau­dia Wa­gner (Grü­ne). Nicht nur die Kom­mu­nal­po­li­ti­ker, son­dern vor al­lem die Ell­wan­ger Bür­ger wün­schen sich Klar­heit.

Ei­ne Po­si­ti­on be­zog erst­mals auch Ober­bür­ger­meis­ter Karl Hil­sen­bek. „Die LEA soll wei­ter­be­ste­hen“, sagt der par­tei­lo­se OB. Für die Stadt­ent­wick­lung wä­re das der rich­ti­ge Schritt. Trotz der Pro­ble­me im Teil­ort Sch­rez­heim, in der In­nen­stadt und man­chem bun­des­wei­ten me­dia­len Echo, sei für ihn die Rich­tung klar: Die LEA ha­be Ar­beits­plät­ze ge­schaf­fen, die Kauf­kraft stieg, und auch die Tou­ris­ten blie­ben trotz Flücht­lings­ein­rich­tung nicht aus. „Her­aus­ra­gend“sei au­ßer­dem das eh­ren­amt­li­che En­ga­ge­ment, das die Ell­wan­ger in den ver­gan­ge­nen vier Jah­ren zeig­ten. „Die Ell­wan­ger kön­nen LEA“, sagt Ru­dolf Kitz­ber­ger (Grü­ne). Und Her­bert Hie­ber, Frak­ti­ons­vor­sit­zen­der der SPD, sagt: „Wir ha­ben noch vier wei­te­re Jah­re Luft.“Er be­ton­te, dass es in die­ser Fra­ge nicht um Ge­fäl­lig­kei­ten von Land oder Kreis ge­hen soll­te, son­dern um die Sa­che an sich. Aus „hu­ma­ni­tä­rer und christ­li­cher Über­zeu­gung“, ha­be man sich da­mals für den Auf­bau der LEA auf dem ehe­ma­li­gen Ka­ser­nen­ge­län­de ent­schie­den und ste­he auch heu­te noch da­zu. „Wir soll­ten auf die Kon­ver­si­on set­zen“, sagt er. „Und die LEA da raus­las­sen.“

Letzt­lich ha­per­te es an der Ver­trags­vor­la­ge, die zwi­schen der Stadt Ell­wan­gen, dem Ost­alb­kreis und dem Land aus­ge­han­delt wur­de. „Zu weich“sei­en die For­mu­lie­run­gen. Blo­ße „Lip­pen­be­kennt­nis­se“sei­en zu we­nig, sa­gen Ver­tre­ter der CDU. Ge­meint ist ei­ne „Ge­sund­heits­aka­de­mie“zur Aus­bil­dung von Fach­kräf­ten, die zwar von Land­rat Klaus Pa­vel zu­ge­sagt wur­de, für die der Kreis­tags­be­schluss aber noch fehlt.

Das Land hat­te die LEA 2015 für zu­nächst fünf Jah­re ein­ge­rich­tet. Im Sep­tem­ber 2015 wur­de ein Höchst­stand von knapp 4700 Flücht­lin­gen er­reicht. Zu­letzt schwank­te die Zahl zwi­schen 550 und 650. Der Ver­trags­ent­wurf zur Ver­län­ge­rung sieht ei­ne ma­xi­ma­le Be­le­gung von 700 Flücht­lin­gen vor. Ein Spre­cher des In­nen­mi­nis­te­ri­ums teil­te ges­tern mit: Man blei­be wei­ter im Ge­spräch mit der Stadt, „um ei­ne ein­ver­nehm­li­che und trag­fä­hi­ge Lö­sung zu er­zie­len“.

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